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Sonntag, 3. April 2022

Üpdäätle -57-

Bloggen ist im Moment etwas, das ich nur selten interessant finde. Wo ich etwas zu sagen habe, sage ich es woanders; wo Leute an mir interessiert sind, folgen sie mir woanders.

Ich habe so zwei, drei Blogposts im Kopf, die ich in den letzten Monaten beinahe geschrieben hätte - etwas über Geld/Wert, etwas über ADHD, und einen Kommentarpost zu meiner Xen-Midi-Sandbox #1. Durchaus möglich, dass davon noch etwas geschrieben wird.

Im Moment bin ich recht comfy damit, dass so circa alle anderthalb Monate sich meine Interessensgebiete radikal verschieben. Dabei kehre ich manchmal zu älteren Projekten zurück, manchmal kommen Interessen wieder auf, die ich zehn Jahre ignoriert habe. Im Februar habe ich plötzlich wieder angefangen, Spanisch zu lernen. Im März und bis jetzt habe ich wieder begonnen, "literarisch" zu schreiben. Derweil liegt die Musik fast gänzlich still - und das ist okay. Bestimmt geht es dann in ein paar Wochen wieder dort weiter. Dieses Jahr will ich irgendwann noch lernen, mit anderen Programmen Musik zu machen.

Es kann auch sein, dass ich hier am Blog über Klarträumen schreibe - es ist leider so, dass ich das letzte bisschen Community hinter mir lassen musste; selbst in der kleinsten Nische haben mich transphobe Argumente und "just asking questions" verfolgt und immer wieder mal getriggert. Trauma ist leider nicht lustig und die Reaktion anderer Leute darauf auch nicht. Ich glaube nicht, dass ich noch einmal zurück kann, und die Trauer darüber braucht auch noch Monate, verarbeitet zu werden.

Aber ich bin halt schon ein Communitymensch, und versuche daher, meine Interessen, wenn sie schon nicht direkt hineinpassen, zumindest peripher dort auszuleben, wo ich auch aktiv bin. Daher ist mein Schreibprojekt jetzt ein bisschen ein Ventil dafür, etwas Klartraumerfahrung einfließen zu lassen und den ganzen Mist zu verarbeiten.

Ich gucke außerdem viel Linkes Zeug auf Youtube, und da finde ich die NFTs und die darum herum entstehenden Phantastereien der Wirtschaftsliberalen und Libertarians spannend; im Winter habe ich endlich David Graebers Geschichte des Geldes gelesen, und ich denke, wir können in diesem Jahrzehnt noch einiges beobachten, wie die Menschheit mit dem Konzept von "wertvoll" kämpft und kämpft. Aktuell weiß niemand mehr so wirklich, was das ist, die nächste Wirtschaftskrise ist also vorprogrammiert.

Nun denn. Irgendwann lade ich davon auch mal was hoch, aber nicht am Blog. Und irgendwann schreibe ich auch vielleicht noch etwas von den geplanten Posts. Mal sehen.~

Montag, 6. September 2021

Üpdäätle -56-

 Über den Sommer haben sich meine Handgelenke wieder gebessert, allerdings dauert mein Klavier-Hiatus weiter an - ich habe seit Mai die Tasten nicht angerührt; die längste Pause meines Lebens. Ich will da auch einfach mal einen Cut setzen, eine Erholung vom ständigen Druck, irgendwas musikalisch schaffen zu müssen. Bald endet die Pause aber wohl. Vielleicht gebe ich mir dann auch mal wieder Mühe, mich kompositorisch weiterzuentwickeln, statt "nur" Klavierstück nach Klavierstück in Early-20th-Century Stilen rauszuhauen.


Gerade höre ich Musik von Philippe Hurel, den ich neulich wiederentdeckt hab. Spektralistische Musik hab ich einige Zeit ignoriert, weil viele der Stücke so sehr zum Statischen neigen, zu sehr *nur* den Klang zelebrieren ohne viel damit zu machen - daher hab ich zwar hin und wieder Tristan Murail oder GF Haas gehört, aber nie besonders viel. Aber ich konnte mich immer dunkel erinnern, dass es da auch etwas Interessanteres gab - vor etwa 10 Jahren gab es einmal ein Mini-Festival in der französischen Botschaft in Wien, wo spektralistische Musik präsentiert wurde (meine erste Begegnung damit, das war am Anfang meines Studiums) und da hatte es einen sehr positiven Eindruck hinterlassen. Aber das war die Zeit, bevor es möglich war, quasi alles auf Youtube finden zu können.

Philippe Hurels Musik liegt mir jedenfalls mehr, als Murail ... es ist bewegter, es tut sich auch einmal etwas rhythmisch. (Trotzdem ist es manchmal noch zu statisch, aber weniger schlimm.) Ich mag besonders "Localized Corrosion" - da verschmelzen E-Gitarre und Saxophon zu einem erstaunlich homogenen Duo - und "Figures Libres".


Ansonsten ist mein Hauptfokus darauf, meine körperliche Gesundheit etwas zu bessern, und zu lernen, mit ADHS besser umzugehen, vllt auch auf medizinischem Weg. Neulich habe ich einen Artikel über ADHS aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt - das war eine spontane Sache, und es hat mir dann doch recht Spaß gemacht, einfach mal zu übersetzen. Mein Deutsch ist dabei aber dann etwas holprig; ich denke, das ist eine interessante Übung, wieder mehr darüber nachzudenken, wie Satzbau sich in den beiden Sprachen unterscheidet. :)



Samstag, 19. Juni 2021

Üpdäätle -55-

Ich hab hier im letzten Jahr praktisch nicht mehr gebloggt. Ich sah keinen Sinn darin - wenn ich etwas von dem, was ich mache, bewerben will, haben Twitter und Facebook den Vorteil, dass es mehr als so ca. 2-3 Personen sehen. Dieser Blog ist ja nicht einmal über Google auffindbar. Da mein gesamter derzeitiger kreativer Output also anderswo besser aufgehoben ist, bleibt für den Blog nichts übrig.

Kürzlich habe ich allerdings eine Community verlassen, in der ich über viele Jahre (mein halbes Leben) aktiv war, weil ich gemerkt habe, dass ich dort nur noch politische Posts verfasse, und dabei hauptsächlich auf Leute reagiere, die meine Aufmerksamkeit nicht wert sind (z.B. Corona-Leugner*innen/Verharmloser*innen), und dabei immer mehr cranky wurde. Das war ne schlechte Entwicklung, also lasse ich das.

Dadurch wird der Themenbereich "Politik" und "Weltbilder" allerdings wieder frei, und ganz ehrlich möchte ich darüber eh nur an einem Ort schreiben, wo es wirklich nur ganz wenige Leute lesen, da meine eigenen Meinungen konstant im Fluss sind. Vielen Leuten in meiner Umgebung bin ich zu linksradikal, einigen Linksradikalen wiederum zu liberal, glaub ich...

Von daher - könnte sein, dass ich dazu mal was poste, entweder auf Englisch oder auf Deutsch. Kann aber auch sein, dass ich es bleiben lasse, ich verspreche nichts. :)

Jundurg

Freitag, 12. Februar 2021

Üpdääte -54-

 Nach dem Abschluss meines Kompositionsstudiums im Juni fiel erstmal ein Gewicht von mir ab. Ein Abschnitt meines Lebens abgeschlossen, das Komponieren "für die Uni" hat ein Ende. Das hatte es zwar vorher schon, aber dann eben offiziell.

Meine Einstellung zu Musik änderte sich den Umständen entsprechend: Seit Beginn der Pandemie bin ich fast nie alleine zuhause - stundenlang laut Musik hören, gehört der Vergangenheit an, und wenn ich doch Musik höre, dann ist es eine andere, als ich sonst hören würde.

Ich habe das Hören großteils verlegt auf die Zeit, in der ich außer Haus bin; der tägliche Spaziergang an der immergleichen Straße entlang (ausgewählt, weil sie tendentiell noch die ruhigste Strecke bietet, aber auch dort lärmt es teilweise sehr), mit Kopfhörern - den billigsten, die ich kriegen konnte, denn letzten Frühling stand ich finanziell etwas mehr unter Druck.

Soundqualität also - kann ich unter diesen Umständen vergessen. Leise Musik - funktioniert nicht. Und zuhause gibt's erstmal Computerspielmusik, oder Mozart, Schubert, ... nach einer Weile Wiener Klassik war für mich selbst Dvorak zu stressig. Das Ding ist, während einer Pandemie zusammenleben heißt für mich, meinen Gefühlshaushalt stets im Auge zu behalten. Am wichtigsten sind daher die Projekte, die viel Zeit beanspruchen, am besten Programmieren.

Seit Anfang des Jahres tu ich mir auch da schwer, denn meine Sehnenscheidenentzündung hatte sich wieder einmal verschlimmert, und ist auch jetzt noch ein Dauerfaktor. Ich habe wochenlang nicht Klavier gespielt, und konnte auch eine zeitlang nicht tippen. Nächste Woche muss ich mit meiner maroden Hand dann noch zwei schriftliche Prüfungen schreiben...

Aber der Druck, der von mir fiel, kehrt doch auch immer wieder zurück. Mein elf Jahre jüngeres Ex-Ich macht sich bemerkbar, seine großen Pläne geistern in meinem Kopf herum. Ich mache mir Vorwürfe, nicht mehr geleistet zu haben - "meine besten Kompositionen schrieb ich mit 20/21, danach kamen immer nur weitere Sackgassen, .. oder Ausreden" geht mir durch den Kopf.

Ich wurde zur Komponist*in erzogen. Ich trenne mich von dem Gedanken, dass ich eben Komponist*in bin, dieser Essentialismus gehört für mich allmählich der Vergangenheit an. Ich bin nicht, ich mache mich, es ist ein ständiger Akt. "Ich bin, was ich tue" hat leider auch seine toxischen Seiten, denn es wird selbstzerstörerisch, wenn ich aufgrund von exekutiver Disfunktion wieder einmal gar nichts fertigbringe. Als ob ich zu sein aufhören müsste.

Ich habe - eine Weile schon - das Gefühl, als Komponist*in nichts mehr zu sagen zu haben. Das Sagen ist selbst natürlich ein Konzept, das von außen kommt. Nachdem ich 2013 kompositorisch in meinem "eigentlichen" Stil nicht mehr weiterkam, habe ich mich aufs Forschen verlegt; das Einzige, was ich danach noch darin geschrieben habe, sind abstrakte Klavierstücke, mit denen ich manchmal nicht einmal selbst etwas anfangen kann. In meiner Diplomarbeit habe ich ebenfalls versucht, zu erforschen, wie geht Einvierteltakt war meine Frage, und ich glaube, darauf sogar Antworten gefunden zu haben - nur was tun mit ihnen?

Letztes Jahr hatte ich eine zeitlang mit dem Gedanken gespielt, ein zweites Streichquartett zu schreiben. Da tauchen natürlich einige Probleme auf: 1. gehe ich davon aus, dass es nicht aufgeführt werden wird. (Zumal ich auf meinen 2 Celli in der Besetzung bestehe), 2. ist die Situation zuhause einfach nicht dafür geeignet, langfristig ein "hochgeistiges" Projekt zu verfolgen. Dafür müsste ich viele Stunden experimentieren, die Zeit aus den Augen verlieren können - das ist nicht kompatibel mit einem Leben, in dem ich dafür verantwortlich bin, dass zu Mittag Essen auf dem Tisch steht, dass ich einen den Takt des gemeinsamen Lebens vorgebe (von uns beiden zuhause habe ich das funktionierende Zeitgefühl).

Aber vielleicht sind das alles Ausreden. Vielleicht ist die Wahrheit ganz banal: Die Ideen, die ich hatte, waren nicht ergiebig. Ich habe nicht die Geduld, einer Idee nachzugehen, die mich nicht packt. Und mich packt so schnell keine musikalische Idee mehr, ich hab zu viel gehört, zu viele Richtungen schon probiert. Das klingt jetzt alles sehr depressiv - natürlich spielt psychische Gesundheit auch hinein - aber letztlich ist es allem dem geschuldet, dass ich praktisch denken will. Die Bedürfnispyramide ist umgefallen, es ist jetzt eine andere Seite unten. Ich lebe nicht mehr für die Kunst, sondern maximal neben der Kunst. Das tut mir in erster Linie aber gut.

Meine Transition ist ein Weg des ständigen Mich-neu-Erfindens. Also ist es immer möglich, eine andere Richtung einzuschlagen, selbst mein(e) Name(n) steht nicht fest, auch wenn ich sie kürzlich offiziell habe eintragen lassen.

Aber jede Identität existiert nur im Gegenüber mit anderen Menschen, und es ist ein eigenartiger Fakt meines Lebens, dass ich unter meinen näheren Freund*innen praktisch keine Musiker*innen habe. Die Musik ist zwangsläufig damit etwas, das ich alleine praktiziere. Oder alleine höre, denn niemand um mich herum hört Musik in einer ähnlichen Weise wie ich.

Zu Jahreswechsel hab ich "xenharmonische" Musik entdeckt; Mikrotonalität interessiert mich schon eine geraume Weile. (Um sie hören zu lernen, habe ich mein Gehörbildungsspiel AuralQuest programmiert.) Ich vermute, dass mein einzig praktikabler Weg, damit zu experimentieren, wieder General MIDI Standard sein wird, mit einem Notenschreibprogramm, das nicht darauf ausgelegt ist. Anstrengend also. Aber ich traue mich nicht, damit anzufangen, denn ich versuche nach wie vor, meine Hände möglichst wenig zu belasten. (Reines Tippen ist einigermaßen möglich, aber mit der Maus arbeiten riskiert Schmerzen) Mein Körper schränkt mich ein...

Nun denn. Dieses Üpdäätle hat keinen sehr positiven Ton. Tatsächlich hatte ich einige dieser Gedanken während depressiver Tage. Aber mir geht es aktuell nicht schlecht. Ich glaube einfach, dass ich mich von meinen hohen Ansprüchen lösen muss, von den ganzen toxischen Gedanken über Kunst und Künstler*innen, die für ihre Kunst leiden müssen, und so weiter. Wie gesagt, ich wurde zur Komponist*in erzogen, von klein auf, seit ich mich erinnern kann. Aber ich kann auch auf all das, was ich geschrieben habe, zurückblicken und sagen: Hey, ist doch einiges. Der Anspruch, etwas Weltbewegendes zu schreiben, oder auch nur etwas, das von einer etwas größeren Zahl an Personen gerne gehört wird - das scheint mir ein schales Ziel, das nur zu Frust führt. Und davon möchte ich mich eben lösen.

Jetzt hab ich nur über Musik geschrieben, dabei hab ich doch so viele Ambitionen in anderen Feldern, die mir genauso unnötigen Druck machen. Dass ich etwas schreibe, mit dem ich selbst zufrieden bin, scheint auch nicht wirklich drin zu sein. Und Politik ... ist mir so wichtig, und gleichzeitig merke ich auch hier, dass ich nicht dafür gemacht bin. Philosophie? Pffft. Es hat mir Spaß gemacht, über Atheismus zu schreiben, aber momentan würde ich hauptsächlich über Atheisten schreiben wollen, und über das Versagen dieser Szene, eine positive Kraft in der Welt zu sein.

Ja, ein Teil von mir hungert geradezu nach Philosophie und Kunst. Aber welche? Ich weiß es nicht. Ich kann nicht mehr daran herangehen wie in meinen frühen Zwanzigern, einfach mal ein dutzend Räder neu erfinden... nicht nur weil ich älter geworden bin, sondern auch weil sich das Internet verändert hat; überall gibt es Content, so viel davon; statt selbst nachzudenken, kann ich "Mereologie" googeln und feststellen, dass ich gar keine Lust habe, mich stundenlang einzulesen in ein Gebiet, über das ich zuvor fröhlich fabuliert habe.

Meine Güte, klingt das alles jetzt nach einer Krise.^^ Dabei ist es mehr ein bestimmter Punkt einer Entwicklung, die sich schon über Jahre vollzieht, und die mich großteils zu einem besseren Menschen gemacht hat; ruhiger, und geerdeter.

Dann sollte ich positiv anmerken, dass es ein kreatives Feld gibt, in dem ich derzeit zufrieden mit mir bin, und das sind Spiele. Ich bin extrem froh darüber, dass ich AuralQuest fertiggestellt habe, noch dazu in einer recht kurzen Zeit. Ein Brettspiel habe ich über Weihnachten auch gebaut; und aktuell arbeite ich - recht unregelmäßig - an einem Echtzeitstrategiespiel. Das hakt an vielen Stellen, vielleicht wird dieses Projekt auch nichts; einerlei, ich bin glücklich, etwas schaffen zu können, das gespielt wird.

Wenn ich wieder mehr komponiere, will ich es anders angehen, als bisher. Ich kann mein frustriertes Herumsuchen gerade nicht leiden, ich will spielen!

Sonntag, 12. Juli 2020

Üpdäätle -53-

Viel ist passiert. Ich habe im Juni mein Kompositionsstudium abgeschlossen, und eine Hormonersatztherapie begonnen (von der ich noch eher nichts merke). Das waren mal die Großnachrichten.

Die Kleinnachrichten:

AlgoLineB hat im Juni pausiert, ich habe aber in den letzten Wochen am GUI geschraubt, es gibt jetzt ein eigenes Menüfenster, mit einem Textfeld, in das direkt das Rezept geschrieben werden kann und auf Validität geprüft. Einziger Makel dabei: Sobald der Player gestartet wird, ist das Menü nicht mehr zugänglich, d.h. um etwas zu ändern, muss das Programm jedesmal neu gestartet werden.

Zwar wäre es problemlos möglich, das umzubauen - allerdings habe ich festgestellt, dass Java den Speicher des Players nicht freigibt, wenn ich nur das Player-Fenster schließe. D.h. wenn ich vom Menü aus oft den Player aufrufe, ohne das Programm neu zu starten, wird immer mehr Platz vom Arbeitsspeicher belegt. Das ist unschön und scheint mir etwas zu riskant, daher habe ich das deaktiviert.

Was ich - wie mir aufgefallen ist - einbauen kann, ist eine Funktion, in einem eigenen Fenster Rezept-Instruktionen und -Selektoren direkt im Programm zusammenzustellen (d.h. eine Erleichterung für Benutzer:innen, die sich nicht durchs ohnehin derzeit nur halb fertige Manual lesen müssen.) Aber das wäre eine Menge Arbeit, ich kann also nicht sagen, ob ich das angehe. Was das GUI angeht, ist es zwar funktionabel, aber noch nicht schön gestaltet, da ich mir noch nicht angeschaut habe, wie Layout funktioniert.

An den Algorithmen selbst habe ich nur wenig gemacht: ein SMOOTH-Keyword, das es ermöglicht, dass benachbarte Töne aufeinander abfärben, spricht wenn das Programm den Ton c' vermeiden will, dann vermeidet es auch die rundum - allerdings dafür c' weniger. Das funktioniert bislang ziemlich schlecht. Vielleicht habe ich noch nicht herausgefunden, mit welchen Instruktionen das gut zusammenarbeitet; der Effekt ist meist recht schal. Möglicherweise muss ich an der Funktionsweise dieses Keywords noch einmal schrauben. Praktisch ist jedoch, dass es auf alle Instruktionen anwendbar ist.

Eigentlich überlege ich schon, AlgoLine jetzt einmal längere Zeit ruhen zu lassen - zumindest wenn ich eine dafür geeignete Stelle erreicht habe - und ein neues Projekt anzufangen, ein Gehörbildungsprogramm, mit dem ich mich auf das Hören von Mikrointervallen schulen kann. Aber im Moment ist das noch ein vager Zukunftsplan.

Ansonsten stecke ich viel Energie darin, meine Gunnerkrigg Chords nach und nach aufzuschreiben, sowie an unfertigen Stücken weiterzuarbeiten. Das Aufschreiben ging zunächst recht zügig voran, mittlerweile bin ich nicht mehr so motiviert, also werde ich vermutlich dann allmählich ein neues Hauptprojekt suchen.

Anyway: Eigentlich ist jedes der erwähnten Projekte auch davon abhängig, wo es Interesse gibt. Für AlgoLine suche ich irgendwann Tester:innen (und wenn es welche gibt, bin ich auch motiviert, das Programm präsentierbar zu machen), und bei den Gunnerkrigg Chords komme ich eher voran, wenn es Leute gibt, die an den Noten Interesse haben.

Jundurg Delphimė


Samstag, 14. März 2020

Üpdäätle -52-

Viel ist passiert in den letzten Monaten...

Zunächst - meine Diplomarbeit wurde im Januar fertig und ist abgegeben. Ich kann also demnächst meinen Abschluss machen... vorausgesetzt, es finden überhaupt noch Prüfungen statt.^^

Ich bin am Ende sogar recht zufrieden gewesen mit meiner Arbeit - einige Ideen zum Einvierteltakt bei Ustwolskaja, über die ich gerne schreiben wollte, habe ich letztlich untergebracht. Der ganze Prozess, bist das Ding gedruckt und schließlich bewertet war, hat nochmal ein Monat gedauert.

~

Im Februar habe ich mir wieder eine große Playlist mit Neuer Musik zusammengestellt. Eventuell werde ich darüber noch etwas schreiben - aber im Moment bin ich anderweitig beschäftigt:

Ich arbeite nämlich gerade an einer neuen Version von AlgoLine, meinem Programm für algorithmische Musik... der Code der alten Version, von 2016, erwies sich als absolut unbrauchbar: schlecht strukturiert und wenig ausbaufähig. Also hab ich komplett von vorne begonnen.

Mein Ziel ist:

Ein Programm, das in der Konsole oder aus einem Txt-File einige Instruktionen einliest, und daraus dann automatisch ein Stück generiert, das dann im Player (mit Midi) abgespielt werden kann.

Außerdem soll das ganze noch Vierteltöne unterstützen, dachte ich mir ... und wo ich schon dabei war, hab ich das gleich noch zu Sechsteltönen erweitert und ... bis zu Zwölfteltönen. Darauf freue ich mich schon sehr, zu hören, wie das so klingen wird.

Bis jetzt habe ich:

- Eingabe und Ausgabe von Instruktionen (jedenfalls dem dutzend Standardalgorithmen, mit denen ich anfange, das ist aber relativ leicht später erweiterbar)

- Den Teil, der tatsächlich ein Stück generiert... der ist noch nicht fertig, aber es ist alles dafür nötige da, und muss nur noch zusammengebaut werden

- Die allererste Planung für die visuelle Gestaltung des Players. Das ist der schwierigste Teil. (Mit GUI kenn ich mich einfach zuwenig aus, und es ist frustrierend, zu wissen, dass ich da eher pfusche ... aber funktionieren wirds, immerhin tat das die Version von 2016 auch.)

Noch zu tun ist also, das GUI fertig zu stellen, und dann alles nochmal miteinander zu verbinden - und dann steht nichts mehr im Wege, nach Anweisungen im txt.-Format Zwölfteltonkompositionen zu generieren. :)

Derweil höre ich neben dem Programmieren die kompletten Streichquartette von Alois Hába - schonmal Vierteltöne schnuppern. Bei meinen eigenen Midi-Stücken im Dezember habe ich festgestellt, dass für mich kleinere Unterteilungen tatsächlich besser funktionieren - etwas wie Sechsteltöne, oder Achteltöne, scheint mir im Hören intuitiver. Seltsam.

Montag, 23. Dezember 2019

Üpdäätle -51-

Sveiki,

Die im letzten Post angekündigte Challenge ist vorige Woche zuende gegangen - ich hab tatsächlich geschafft, meine 31 Stücke in 31 Tagen zu schreiben, und es hat Spaß gemacht, vor allem das Reagieren auf die teilweise absurden Vorgaben, die aus meinem Freundeskreis (und in einem Fall, von Twitter) auf mich prasselten. :)

Wenn ich dazukomme, schreib ich zu den einzelnen Stücken noch etwas. Aber vorläufig eben nur der kurze Hinweis, dass sie fertig sind und auf Youtube zu finden:


~

Weihnachtszeit kommt; Familienbesuche und derlei seltsame Dinge. Für viele queere Menschen eine sehr belastende Zeit. Wenn ihr welche kennt, kümmert euch um sie! :)
Für mich wirds dieses Jahr vermutlich (& hoffentlich) ganz entspannt. Dafür kommt Extra-Stress von meinen beiden Unis.

Außerdem noch ... ich werde bald dreißig, und das ist irgendwie weird.


~

Ich bin mir nicht so recht sicher, was aus diesem Blog wird, in nächster Zeit. Google boykottiert sein eigenes Blognetzwerk, es ist also unmöglich, diesen Blog durch diese Suchmaschine zu finden, was irgendwie bescheuert ist. Wenn ich tatsächlich Leute erreichen will, mach ich das momentan tatsächlich eher auf Twitter oder im kleineren Kreis einer Community. Außerdem ist das Formatieren hier ziemlich mühsam, wenn ich etwas längeres schreiben will.

Von wegem technologischen Fortschritt; ziemlich viele Funktionen im Netz werden eigentlich momentan eher ständig schlechter. Youtube und Facebook sind so zugemüllt mit kapitalistischen Datensammelalgorithmen, dass sie auf meinem langsamen Computer langsam kaum noch funktionieren. Abgesehen von den tausend anderen Arten, in denen die großen monopolistischen Plattformen scheiße sind...


Sonntag, 6. Oktober 2019

Üpdäätle -50-

Yay, 50!

Tut mir leid, dass es hier so still geworden ist. Ich versuche, nicht zu viel Energie an Nebenprojekte gehen zu lassen, denn die Deadline für meine Abschlussarbeit rückt immer näher. Waaaaaah! :D

Ich habe gerade eine lange Bartók-Phase hinter mir, in der sich u.a. sein gesamtes Klavierwerk in eine Playlist gepackt habe. Mein Fazit ist, dass die zwei rumänischen Tänze Opus 8a für mich seine besten Klavierstücke sind, es aber in späteren Werken und im Mikrokosmus natürlich enorm viel zu entdecken gibt; und dass Für Kinder wunderbar ist, wenn eins lernen will, wie eins Melodien schreibt. Natürlich sind das eigentlich ungarische und slowakische Volkslieder, die Bartók lediglich raffiniert begleitet. Dennoch: Nicht nur sind Volkslieder und Kinderlieder eine gute Quelle dafür, wie Melodien überhaupt funktionieren, Bartóks Begleitungen machen aus diesen teilweise erst gute Melodien, er schafft es irgendwie, Schattierungen herauszuholen, die beim bloßen einstimmigen Gesang untergehen würden.

Im November habe ich ein großes Jubiläum, nämlich 15 Jahre nach meinem Beschluss, das Komponieren etwas systematischer und regelmäßiger anzugehen. In den Jahren danach entstanden unzählige kurze Midi-Kompositionen, und diese bilden den Grundstock meiner Erfahrung mit dem Komponieren. Ich weiß noch nicht genau, wie ich das Jubiläum begehe - einerseits erscheint es mir als logisch, dafür eine Midi-Komposition zu schreiben (oder sogar wieder einen Werkzyklus zu beginnen), andererseits könnte ich natürlich auch die Stücke von November 2004 hernehmen, und aus deren Material etwas neues machen - unter Umständen am Klavier, und vielleicht sogar als Kammermusik. Da ich die Werke, die ich für den Abschluss meines Studiums brauche, jetzt allesamt fertig habe, kann ich eigentlich wieder etwas ganz neues anfangen. :)

Wenn ich richtig rechne, dürfte ich irgendwann diesen Herbst doppelt so alt sein wie damals, als ich diesen Beschluss gefasst habe... erschreckend, aber hey, mein Leben ist seitdem grundsätzlich langsam aber stetig besser geworden.

Wenn ich damit fertig bin, könnte ich auch über den Algorithmus, den ich für meine Abschlussarbeit geschrieben habe, hier etwas erzählen... falls daran Interesse ist. Im Prinzip analysiert dieser eine einstimmige Notenzeile, markiert dann bestimmte Betonungen anhand Tonhöhe und Rhythmus, und dreht dann nochmal den Spieß um, indem er versucht, eine andere Notenzeile zu generieren, die gleiche, ähnliche oder gegensätzliche Betonungen aufweist.

Jundurg Delphimė

Sonntag, 21. Juli 2019

Üpdäätle -49-

Kurzes Update.

Anscheinend ist es so, dass Google als Besitzer von Blogspot diese Platform für alle ohne Geldinvestition offenbar ruinieren will - jedenfalls ist es de facto unmöglich, diesen Blog via Google-Suchmaschine zu finden. Nicht mal, wenn ich den gesamten Namen eingebe, und noch Titel meiner Posts dazuschmeiße.

Angesichts dessen ist meine Motivation, hier zu bloggen, in den letzten Monaten etwas heruntergegangen. Ein Umzug wäre natürlich die logische Option, aber ich weiß nicht, wie viel Aufwand das wäre und es ist jedenfalls nichts, was ich jetzt so ohne weiteres als Nebenprojekt machen kann.

Denn - der weitere Grund, warum ich wenig hier schreibe, ist, dass doch relativ viel Energie in meine Diplomarbeit geht - und darüber bin ich eigentlich recht froh. Ich habe theoretisch eine Menge Themen, über die ich hier im Blog gerne mal schreiben würde - nicht zuletzt auch Gedanken die im Zuge der Diplomarbeit aufkommen, Analyse-Algorithmen, und so Kram. Und auch mal wieder eine Serie von Kurzrezensionen von Neuer Musik. Ich hoffe, ich finde auch dafür Zeit und Energie.

-

Und persönlich, ganz anderes Thema - ich habe gerade eine Stinkwut im Bauch, auf transfeindliche Leute die es einfach nicht lernen, mal die Klappe zu halten, und die leider auch oft der Meinung sind, dass sie überhaupt nichts böses meinen und tun und natürlich absolut gar nicht transfeindlich sein können. *augenroll*

Darüber könnte ich natürlich theoretisch seitenweise hier ranten, aber ehrlich gesagt... ich weiß nicht, was das mit mir machen würde.

Jundurg Delphimė

Dienstag, 23. April 2019

Üpdäätle -48-

Lange lange Pause hier, ich weiß.

Die letzten Wochen ging es mir meist recht gut, allerdings braucht die Uni einiges an Energie und der Rest geht an meine Diplomarbeit. Ja - da tut sich nun endlich etwas. Theoretisch könnte ich darüber auch hier im Blog berichten, hab ich auch vor, irgendwann noch zu tun. Aber hat einfach nicht so hohe Priorität.

Musikalisch bin ich wieder zu Arbeitsmusik zurückgekehrt - d.h. hauptsächlich Computerspielmusik der 90er, gemischt mit etwas Mahler (10.Sinfonie), etwas Henze, etwas Szlavnics und einer guten Portion Plaid. Letztere sind anscheinend gerade dabei, ein neues Album herauszubringen. :)

Warum ich Plaid so mag, ist für mich immer noch relativ schwer herauszufinden. Ich nehme sogar Begriffe wie "Plaid-Harmonik" in den Mund und habe einige meiner Stücke "plaidesque" bezeichnet. Unter anderem auch eines, das ich hoffe, in den nächsten Wochen noch in guter Qualität aufnehmen und hochladen zu können.

Meine Alltagsgamification läuft weiter; ich werde vermutlich heute den Level 6 abschließen, und einen Level 7 designen. Level 6 war designtechnisch ein großer Schritt vorwärts, indem ich ein System eingeführt habe, das wieder stärker dafür belohnt, Dinge anzufangen. Außerdem lässt es mir die Option, den Schwierigkeitsgrad aufgedeckter Quests selbst festzulegen - letzteres hat zwar ganz okay funktioniert, muss aber noch verbessert werden; letztlich habe ich oft zur einfachsten Quest gegriffen, weil der Punkte-Unterschied zu den schwereren Versionen zu gering war, dass es sich wirklich gelohnt hätte, außer, wenn ich sowieso schon mitten dabei war, sie zu erfüllen. Das heißt, wenn ich eh schon mitten in der Arbeit an der Diplomarbeit war, hab ich mir ne schwere Quest dazu genommen, sonst eher nicht. Daher werde ich die Kurve erhöhen - und noch nen Schwierigkeitsgrad 4 einführen, der dann nochmal deutlich mehr Punkte bringt. Tatsächlich hat Level 6 insgesamt weniger Punkte abgeworfen als die Level davor, was sich aber ganz gut anfühlt, da ich dann mehr das Gefühl habe, sie mir auch verdient zu haben. Das ist ein wichtiger Faktor - die Punkte sollen keine strikt extrinsische Motivation sein, sondern das Selbstwirksamkeitsgefühl möglichst fair abbilden und dadurch stärken.

Ich schreibe immer noch öfter etwas - vermutlich werde ich davon auch wieder manches auf den Blog stellen. Gedichte sind bei mir selten, aber es gibt sie. Ich wollte aber nicht nach einer langen Pause kommentarlos ein Gedicht posten, also ... jetzt ist diese Möglichkeit freigeschalten.

Für die Diplomarbeit programmiere ich ein paar Analyse-Algorithmen, die mir hoffentlich dann auch ein paar unerwartete Ergebnisse bringen, so dass sich die Mühe auch gelohnt haben wird. Ich möchte nicht einfach nur das automatisieren, was ich auch händisch schon hingekriegt habe. Vielleicht erkläre ich hier im Blog dann auch ein paar Sachen dazu.

Mittwoch, 27. Februar 2019

Üpdäätle -47-

Der Februar ist jedes Jahr viel zu schnell um, was nicht daran liegen kann, dass er ein paar Tage weniger hat, immerhin wirkt er eher halb so lang wie der Januar. Ich vermute, dass die da oben irgendwie schummeln mit der Zeitvergabe.^^

~

Ich habe das Jahr 2019 mit recht viel Neuer Musik begonnen, und das setzt sich auch noch ein weiteres Monat fort. Für den Februar hatte ich allerdings ein etwas anderes Konzept.

Meine Erfahrung im Januar war ja, dass ausgerechnet das Stück, das mir beim ersten Mal hören am schrecklichsten erschien, sich am Ende zu einem Favoriten entwickelte. Also habe ich weitergedacht - dann kann ich diese instinktive Ablehnungsreaktion ja zum Ausgangspunkt nehmen, ein Feld in Angriff zu nehmen, das ich mein ganzes Leben so weit wie möglich vermieden habe: Die Barockmusik.

Über meine tiefsitzende Abneigung gegenüber Barockmusik habe ich schon öfter mal geredet - meine neueste Hypothese dazu basiert auf dem Tetris-Effekt:
Wie heftig dieser sein kann, habe ich erst vor wenigen Wochen wieder mal deutlich erlebt, und zwar sogar mit dem namensgebenden Tetris selbst, der König*in der Computerspiele... aufgrund eines Internetausfalls hatte ich für einige Tage ein Loch, und dieses wurde dann mit einer Tetris-Sucht gefüllt; das hatte ich nämlich zufällig direkt vor dem Ausfall heruntergeladen. Die Folgen waren erschreckend: Selbst während dem Lesen eines durchaus spannenden Buches war ein Teil von mir im Hinterkopf ständig beschäftigt, Teile zu drehen, in Löcher zu fügen und sogar ein vages Modell eines ganzen Spielfeldes aufrechtzuerhalten. Ich mag Tetris, aber den Effekt, den es auf meine arme Psyche hat, mag ich dezidiert nicht. Schweren Herzens also wieder deinstalliert...

Naja, jedenfalls gibt es bei Barockmusik einen ähnlichen Effekt: Die vorhersagbaren, immergleichen Harmonien laufen nach dem Ende eines Stückes in meinem Kopf weiter und verbrauchen permanent Energie (weil es natürlich nicht nur bei den Harmonien bleibt, sondern auch automatisch melodische Phrasen generiert werden - und hin und wieder verhakt sich etwas, und meine bewusste Aufmerksamkeit wird für einen Moment benötigt, um die Sache zu reparieren). Im Wesentlichen ist es ein musikalischer Tetris-Effekt. Aber während Tetris es an sich hat, geradezu unendlich variable Spielsituationen zu schaffen, ist ein einzelnes Stück Barockmusik fixiert und nach einer Weile korrekt auswendig gelernt.

Meine Februar-Hörliste besteht großteils aus Neuer Musik, aber ich habe ein Werk von Rameau und eines von Lully dazugemischt - und ein Beethoven-Streichquartett, denn auch das ist eine musikalische Gegend, die ich kaum kenne. Die Mischung ist fragwürdig, gerade auch weil ich bei der Auswahl der anderen Stücke nicht so geschickt war - scheint mir - aber der stetige zufällige Wechsel zwischen Alter und Neuer Musik erzeugt zuweilen interessante Effekte.

Aber spezifisch die Barockmusik: am Anfang war es die Hölle.^^ Ein 25-Minuten-Block Lully war mir schlicht zu viel, daher habe ich es auf kleinere Brocken zerschnitten. In den ersten Tagen hatte ich den klassischen Barock-Tetris-Effekt auf meine Psyche, der es schlicht anstrengend machte, mich damit zu beschäftigen. Dann jedoch kam ich an den Punkt, an dem die Stücke individuell wiedererkennbar wurden, und das änderte alles: Anstatt dass eine allgemeine, variable Barocktextur sich in meinem Kopf festsetzte, waren es einfach individuelle Stücke, abgegrenzt und mit einem viel geringeren Energieaufwand - da sie ja auswendig gelernt waren. Et voilà: Ein paar der Stücke mag ich jetzt sogar. Das ist immer noch ein wenig beängstigend, wenn ich ehrlich bin. Barockmusik zu hassen ist zu einem Teil meiner Identität als Musikerin geworden, die ich somit aufgeben muss. Naja, okay, ich werde sie weiterhin meiden, eben wegen dem Tetris-Effekt. Aber der erste Schritt einer Versöhnung wurde gemacht.

Komponist*innen in meiner Februarliste:

Armands Aleksandravičus, Mohammadreza Azin, Malin Bång, Ludwig van Beethoven, Luciano Berio, David Cope, Keith Fitch, Toshio Hosokawa, Joan La Barbara, Geon Yong Lee, Jean-Baptiste Lully, Panayiotis Kokoras, Bruno Maderna, Andrew May, Thomas Meadowcroft, Jan Wilhelm Morthenson, Jerica Oblak, Jean-Philippe Rameau, Evija Skuķe, Chiyoko Szlavnics, Julia Wolfe.

Wie auch letztes Mal habe ich nicht davor zurückgescheut, Leute dazuzunehmen, die ich persönlich kenne oder kannte. Das fühlt sich seltsam an, aber irgendwie mag ich mich diesbezüglich überwinden... und es einfach so machen. Ob ich wieder ausführlich über alle Stücke schreibe, weiß ich noch nicht. Mal sehen.

~

In meinem Vorstellungspost hier im Blog schrieb ich noch, dass ich er- und sie-Pronomen wechselweise benutze, das hat sich mittlerweile geändert. Zwar pendle ich ein wenig hin und her, aber die meiste Zeit bin ich mit "sie" ganz komfortabel, und habe es somit zum Standard festgelegt.

(Viele trans Personen hassen den Begriff "preferred pronouns", da es sich bei ihnen um keine Präferenz, sondern eine Notwendigkeit handelt. Aber ich bin eben genderfluid und daher ist eine 100%ge Festlegung nicht so wirklich absehbar. Es fällt mir allerdings leichter, mich als "Komponistin" zu bezeichnen, als noch vor einem halben Jahr.)

~ Jundurg Delphime

Montag, 4. Februar 2019

Üpdäätle -46-

2019 ist mein surreales Jahr, hab ich beschlossen, und zwar gleich am zweiten Jänner. Tatsächlich hab ich von diesem Vorhaben schon einiges umsetzen können. Zunächst sind einige Texte entstanden, bei denen ich momentan noch überlege, ob ich sie hier im Blog posten möchte; dann hab ich ein schon lange im Hinterkopf lauerndes Projekt umgesetzt und eine dadaistisch-surrealistische Abhandlung über das Weltenbasteln verfasst. Weitere Untaten ähnlicher Art folgen bestimmt.

(Das ist für mich eine Surrealismus-Rennaissance, denn um 2009 herum habe ich fast ausschließlich in absurdistischen und/oder surrealistischen Stilen geschrieben, was, da ich damals massiv vereinsamt war, mir nicht so besonders gut getan hat. Da bin ich heute in einer völlig anderen Position, wo ich mich tief hineinlehnen kann in den "Wahnsinn" und dabei keine Sorge habe, mich darin zu verlieren.)

Wie im letzten Post schon erwähnt, hat das Jahr auch mit einiger Neuer Musik begonnen; da bin ich jetzt gefühlt allmählich durch, also durch diesen spezifischen Stapel an Werken. Ich hoffe, dass ich es im Februar schaffe, dann dazu noch mehr zu sagen, d.h. zu den einzelnen Stücken. (Das ist keine leichte Aufgabe, dann dazu möchte ich eigentlich jedes Stück vor dem Kommentar noch einmal hören, und die Liste dauert eben 8 Stunden.)

Kompositorisch: Die Gunnerkrigg Chords sind weiter gewachsen, jetzt sind es über 40, was, wenn ich darüber nachdenke, mich selbst schon ziemlich verblüfft. Gerade war ich eine halbe Woche krank, und der Moment, mich endlich wieder ans Klavier zu setzen, und erst einmal eine Stunde durch die Stücke durchzuscrollen, war wirklich ein freudiger. Nach so einer Pause sammelt sich immer ein bisschen "Energie" an und führt zu etwas gewagteren Interpretationen.

Mein Orchesterstück ist seit Dezember in einer Rohfassung fertig, allerdings schiebe ich das Überarbeiten hinaus. Von der Diplomarbeit hingegen existiert ein Haufen unsortierter Ideen, die ich im Februar jetzt in einen groben Entwurf verwandeln muss.

~ eure Jundurg Delphimė

Montag, 12. November 2018

Üpdäätle -45-

Moin,

Nach ca. 2-3 Monaten (?) hab ich jetzt mal den Level 3 meines Gamification-Systems abgeschlossen. Gegen Ende gibt es immer eine Phase, bei der es sich anfühlt, als würde es kaum noch Fortschritte geben - das stimmt aber eigentlich gar nicht; das liegt nämlich daran, dass ich irgendwann an die Ränder des Spielfeldes vorgedrungen bin, und es somit nichts mehr zu entdecken gibt. Meine Siegbedingung war, zwei komplette Ränder (d.h. alle Quests an den Randfeldern) auszufüllen. Dabei war ich eigentlich lange schon ziemlich weit, aber der Weg in die rechte obere Ecke war von einer großen Quest blockiert - den dritten Teil meiner LGBTQIA-Dschungeldurchquerung fertigzustellen. ;-)

Für Level 4 habe ich nicht viel geändert. Die Auswahl der Quests wird jetzt über einen W100 (Prozentwürfel) abgehandelt, mit dem kleinen Twist, dass der Würfelzahl ein Punkt abgezogen wird je unerledigter TODO-Quest. Dadurch steigt die Häufigkeit von bodenlosen Abgründen, und sinkt die Wahrscheinlichkeit von Freie-Quests-Feldern.
TODO-Quests sind allerdings nicht so häufig, aber es sind die eher größeren Brocken, ganz spezifische Dinge, die erledigt werden müssen - im Gegensatz zu allen anderen Quests, die im Prinzip unbegrenzt oft gemacht werden können.

~ ẞ ~

Komposition - ich bin wie quasi immer an ein paar Klavierstücken dran, jetzt hauptsächlich bei den Gunnerkrigg Chords, allerdings in einer anderen Ecke mit neuen Motiven. Besonders hochwertige Stücke sind da meines Erachtens gerade nicht dabei, aber es kommt halt immer ein bisschen was dazu.

Was mir momentan im Kopf herum geht, ist eine Sammlung von Stücken anzufertigen, die eine Dauer von 0-5 Sekunden haben; bestehend aus Einzeltönen oder Einzelereignissen (Geräusche?), um diese am Ende in eine Playlist zu packen mit zufälliger Wiedergabereihenfolge.

Aleatorik fasziniert mich gerade ein bisschen - ich höre tatsächlich zur Entspannung gerade sehr oft John Cage´s Etudes Australes, eben auch in einer großen 2,8-Stunden-Playlist mit zufälliger Wiedergabe. Diese Stücke lassen sich für Laien als im Prinzip zufällige Klaviertöne beschreiben, für Expert*innen eher als extrem schwer zu spielende Etuden. Dass die Stücke so schwer sind, ist nicht zu hören, im Gegenteil wirkt es auf mich eben sehr entspannend. (Aleatorisch im strengeren Sinne sind diese Etuden nur in ihrer Kompositionsweise, nicht in ihrem Ablauf, da sind sie recht streng festgelegt.)

Irgendwann werde ich auch wieder zur algorithmischen Komposition zurückkehren (es juckt mir manchmal schon in den Fingern) - aber das habe ich mir strikt verboten, bis mein Orchesterstück fertig ist.

Achja, mein Orchesterstück ... es fehlen mittlerweile nur noch so etwa ein Dutzend Takte, allerdings sind diese relativ voll. Ich habe nicht vor, sehr viel Energie ins Überarbeiten und Feinschliff zu stecken, also würde ich sagen, bin ich gar nicht mehr soo weit davon entfernt, dass das Ding fertig wird. (Ich habe damit übrigens Ende Oktober 2017 begonnen. Und etwas über ein halbes Jahr von Mitte Dezember bis Juli pausiert.)

~ ẞ ~

Montag, 22. Oktober 2018

Üpdäätle -44-

CN: Weltpolitik, Faschismus

~ ẞ ~

Mittlerweile hat das Semester wieder begonnen. Ich schreibe hier im Blog relativ wenig, was eher daran liegt, dass ich zuviel vor habe dafür als zuwenig. Es ist manchmal schwer, salopp ein Update zu geben, weil es so viele Dinge gibt, die gleichzeitig passieren - so, wie ich es früher oft gemacht habe, dass ich darüber schreibe, was ich so für Musik höre oder was ich an Kreativprojekten laufen habe, war zwar eine Möglichkeit, schränkt mich aber manchmal ein.

Denn was jetzt im Moment viel Platz in meinen Gedanken beansprucht, sind aktuelle politische Entwicklungen, die mir Angst machen. Darüber kann ich aber schlecht einen kurzen Einwurf verfassen. Die Angelobung von Kavanaugh in den Supreme Court der USA war bereits eine Katastrophe, die möglicherweise über Jahrzehnte negative Konsequenzen hat. Und dass das Trump-Regime plant, trans Leute direkt wegzudefinieren, also Effektiv einen Freibrief zur Diskriminierung zu erlassen, ist grauenerregend.

Es mag sein, dass ich etwas zu sehr der amerikanischen Politik folge, und dabei die hiesige etwas vernachlässige - das liegt vielleicht auch daran, dass es hier kaum besser ist; wir haben Neonazis in der Regierung, und die Leute, die das tolerieren oder halt mitarbeiten, sind effektiv auch nicht besser... also auf die österreichische Politik zu schauen, ist deprimierend und macht mir genauso Angst, aber was in den USA passiert, hat eben weltweite Konsequenzen: Wenn das mit Abstand stärkste Militär der Welt in den Händen von Faschisten ist, sind alle in Gefahr.

Die Hilflosigkeit ist das Schlimmste daran. Ich glaube nicht, dass die Nachwelt das derzeitige System der USA überhaupt noch als Demokratie bezeichnen wird - wenn aktiv daran gearbeitet ist, dass möglichst wenige wählen gehen können, und ein ohnehin schon absurd gewichtetes System immer noch weiter zerstört wird, ist nicht mehr viel da von der Demokratie. Und selbst wenn es alles demokratisch ablaufen würde - wenn Nazis legal gewählt werden, wie werden wir sie los? Bürgerkrieg? Die öffentliche Meinung scheint sie ja nicht mehr zu kümmern - wenn jede Woche ein neuer Skandal kommt, aber nichts sie in ihrer Machtposition erschüttern kann. Gibt es in einer Demokratie überhaupt noch Mittel, die Faschisten wieder loszuwerden?

- ẞ -

All diese Dinge machen es mir im Moment schwer, mich auf meine eigenen Probleme und meinen Alltag zu konzentrieren. Ich habe einen sehr guten Sommer hinter mir, auch einen produktiven, aber jetzt bricht gerade alles wieder ein bisschen zusammen - nicht alles, nein.

Mein Orchesterstück ist weiter gediehen - ich bin bis zu den Schlusstakten durchgekommen, allerdings habe ich einen Abschnitt in der Mitte übersprungen. Den noch fertigzuschreiben wird die Herausforderung der kommenden Wochen/Monate sein - es ist eine recht unangenehme Stelle, wo sehr viel gleichzeitig passiert, und ich musste jetzt erst einmal Extrazeilen einfügen, damit ich die Sache in Griff kriegen kann.

Meine Diplomarbeit hingegen ist nicht weiter gediehen - da muss ich in nächster Zeit einen klaren Plan erstellen, was ich da eigentlich noch machen will, und dann den abarbeiten.

- ẞ -

In meinem Umkreis verwende ich bei etlichen Leuten jetzt Sie-Pronomen und einen anderen (weiblichen) Namen - auf der Uni jedoch nicht, was ein wenig anstrengend ist. Je mehr ich mich an das eine gewöhne, desto mehr wird das andere ein Problem - früher war es mir ziemlich egal, wie mich jemand anspricht, mittlerweile nicht mehr so sehr. Ich zögere noch sehr, aber ich glaube, über kurz oder lang werde ich mich auch an der Uni mit meinem neuen Namen vorstellen - aber nur dort, wo ich auch wirklich mit anderen Menschen interagiere, d.h. wo ich danach gefragt werde. Ich habe nicht soviel Angst davor, aufzufallen - das tu ich sowieso schon, wenn ich einen Rock anhabe - sondern eher Angst davor, nicht zu wissen, wie ich mit einer Situation umgehen soll. D.h. ich glaube, mich zu outen wäre oft eigentlich die unkompliziertere Lösung, und wenn dann jemand irritiert ist oder blöde Fragen stellt, dann ist das nicht mehr so sehr mein Problem, denn ich reagiere dann ja nur auf das, was kommt.

Aber - ich weiß nicht, ob ich das schaffe, und in welchen Situationen es überhaupt relevant wird. In Vorlesungen bringt es nichts, ich habe es ja nie wirklich geschafft, Kontakt zu Studienkolleg*innen aufzunehmen, wenn ich nicht fast schon dazu gezwungen werde.

~ ẞ ~

Musikalisch gibt es wenig neues zu sagen - wohl aber zu hören, zumindest für Leute, die meinen Youtube-Kanal nicht verfolgen. Ich hab den ersten Batzen DeepNight-Klavierstücken hochgeladen, zu finden hier.

Die Musik zu DeepNight ist 2006 entstanden, parallel zu den Kurzgeschichten, aus denen sich dann die Welt entwickelt hat. (Mehr zur Welt Deep Night gibt es ... naja, zum Beispiel hier zu lesen - da linke ich dreist hinein, weil sich das relativ gut für sich stehend lesen lässt.) Bereits die Klavierstücke von damals zeichnen sich durch typische Merkmale aus: Irgendwie nicht so durchgeplant, absichtlich halbfertig gelassen, zuweilen verstörend simpel, leider oft auch pathetisch.

Für das Neuaufgreifen habe ich versucht, diese Eigenschaften nachzubauen (bis auf den Pathos, jedenfalls bis jetzt, der hat mich damals schon eher gestört). Der Ich-Erzähler ist eine Karikatur meines 16-jährigen Ichs, bei der ich meine soziale Inkompetenz und meinen Autismus (der mir damals gerade erst als solcher bewusst geworden war) sowie einige andere Eigenschaften massiv überzeichnet habe. Im Nachhinein denke ich, dass ich auch Depersonalisationssymptome mitbeschrieben habe. Das Gefühl, ein Zombie zu sein, nicht so wirklich da, aber auch nicht wirklich tot, alles durch eine Brille der Abstraktion zu betrachten und kaum etwas je aus der Nähe - kommt in DeepNight in den alten Texten auch immer wieder durch, auch wenn der Hauptfokus der absurde Humor ist.

Aber Witze sind es vielleicht eben nicht nur. Es ist mir sogar einmal passiert, dass ich in einer Kurzgeschichte ein medizinisches Symptom als Witz beschrieben habe, das mir Jahre später dann plötzlich selbst widerfahren ist. Und zwar hatte ich beschrieben, wie dem Ich-Erzähler plötzlich der Blick entgleitet, er sein Gegenüber nicht ansehen kann, weil die Augen immer schon weitergesprungen waren zur nächsten Sache... genau das ist mir vor etwa einem Jahr passiert, als eines Nachts irgendwas auf mein Innenohr gedrückt hatte, sodass mein Gleichgewichtssystem gestört wurde. Um das Gefühl, schief zu stehen, auszugleichen, haben meine Augen begonnen, stets in eine Richtung hin abzurutschen. Das Phänomen hielt anderthalb Tage lang an und wurde phasenweise so schlimm, dass ich selbst im Bett liegend noch das Gefühl hatte, zur Seite wegzukippen. (Daher also der Stücktitel Nystagmus)

Direkt als Beschreibung eines für mich damals wie heute vertrauten Bewusstseinszustandes verstehe ich das Stück I Am Broken, selbst eine Rekonstruktion-Weiterführung eines der Originalstücke von 2006. Das Gefühl, dazusitzen aber keinerlei Motivation für irgendwas mehr zu haben, weil kein Ich mehr da ist, das sie haben könnte - in den langen Generalpausen ist jedesmal die Frage, ob es überhaupt noch weitergehen wird.

Und in Do not name me! geht es dann um die Eigenschaft des Ich-Erzählers, keinen anderen Namen haben zu wollen als "Namenlose Person" oder eben "Ich-Erzähler". In den allerersten Texten hatte der Ich-Erzähler sogar einen Namen, nämlich meinen. Kurz bevor ich den Text dann aber zum Lesen Freunden weitergegeben habe, hab ich das rausgenommen, weil es mir peinlich war, einen Namen zu verwenden, unter dem mich niemand kannte. (Weil es ein Spitzname war, den ich mir selbst als Kind gegeben hatte.) Jahre später kam dann ein Plot dazu, in dem der Erzähler um das Recht kämpfen musste, weiterhin namenlos bleiben zu dürfen. Im Kontext von Transsein lese ich da heute noch einmal eine andere Ebene hinein, die ursprünglich nicht gemeint war, es könnte ja auch heißen Do not deadname me! - aber wie gesagt ist das eine neue Interpretation.

Dennoch - DeepNight hat unter meinen Welten die Sonderposition, immer gleichzeitig auch ein Spiegel meiner psychischen Gesundheit zu sein. Die Bewohner*innen der Welt sind teilweise sich ihrer eigenen Fiktionalität bewusst, und manche gerade deswegen auf einer anderen Ebene angesiedelt, beinahe gleichwertig mit mir selbst, als personifizierte Anteile bzw. Akteure einer Selbsttherapie. Der Ich-Erzähler repräsentiert aber eher eine Position des Sichverweigerns gegenüber der Welt draußen. Mit 16 hatte ich eine sehr negative Haltung gegenüber mir selbst und der Welt, in der ich lebe... heute sehe ich meist nur noch die Welt negativ :-P

~ ẞ ~

Montag, 13. August 2018

Üpdäätle -43-

Moin.
Ein Stück rein in den August sind wir nu.

~ ẞ ~

Mein Gamification-System läuft noch, und momentan zeichnen sich folgende Tendenzen ab:

  • Das Spielfeld lässt sich relativ schnell erkunden, auch ohne alle Quests zu machen, dadurch bleiben viele Sachen unerledigt
  • Am meisten Boost gibt das Ganze immer noch fürs Aufräumen: Mein Zimmer ist so ordentlich wie seit Jahren nicht mehr.
  • Orchesterstück-Quests sind im Moment etwas zu schwierig gestaltet; ich dachte mir ja etwas aus, dass "2 Takte instrumentieren" eine relativ leichte Quest ist, während "1 Stunde daran arbeiten" etwas schwerer ist... dann gibt es auch noch "8 Takte instrumentieren". Aber das Ding ist, die Takte sind sehr unterschiedlich, und es gibt gar keine so klaren Grenzen. Während ich einen Takt plane, muss ich ja auch schon die nächsten im Kopf haben. Sprich, das Schema "Soundsoviele Takte instrumentieren" klappt überhaupt nicht, es wäre besser gewesen, einfach nur auf Zeiteinheiten zu gehen. Dabei ist allerdings eine Stunde bereits wieder soviel, dass es mich im Moment eher überfordert. Wenn ich bereits eingearbeitet wäre, wäre eine Stunde nicht viel, aber da ich momentan mit relativ wenig Selbstvertrauen herangehe und ständig herumüberlege, ob die Lösung, die ich da gerade mache, nicht totaler Blödsinn ist - vergeht eine Stunde sehr sehr zäh.
  • Der Erkundungseffekt lässt etwas nach, da ich beim Aufdecken mehr oder weniger nur denke "Ach ja, wird schon wieder so ne Quest sein, die ich eh schon öfter hatte..." Sprich, für Level 3 müsste ich mir noch mehr Abwechslung, Seltsamkeiten, überlegen. Was schwierig ist, da ich ohnehin schon eine sehr große Zahl verschiedener Quests habe.
  • Was sehr gut klappt, ist die Möglichkeit, Quests im Voraus zu erledigen und dann zu speichern. Ansonsten wäre ich total steckengeblieben, weil ich eben manchmal selbst weiß, dass X eigentlich Priorität hätte, aber wenn ich gerade keine Quest dafür aufgedeckt habe, ich nicht weiterkomme damit. Nur ist der Nebeneffekt, dass es weniger Rolle spielt, was ich aufdecke, was eben den Reiz des Spieles etwas vermindert.
  • Daher hab ich mir als Siegbedingung gesetzt, 5 Wald-Quests zu lösen. Waldfelder werden ebenfalls zufällig aufgedeckt, und ein Wald gilt als gelöst, wenn alle Quest die direkt an den Wald grenzen, gelöst sind. Dabei gilt das reine Durchqueren nicht, es muss also wirklich genau diese Quest gemacht werden, und nicht etwas anderes. Das macht es schwierig, und ich überlege mir schon, welche Wälder ich lieber in Ruhe lasse.
  • Rekursivität: Ich erledige mit dem Schreiben dieses Textes eine Blog-Quest, damit wird etwas neues aufgedeckt; theoretisch könnte ich wieder eine Blog-Quest aufdecken, und dann hier darüber schreiben, dass das passiert ist... naja, wäre geschummelt, das lasse ich nicht so gelten. ;-)

~ ẞ ~

Ansonsten: Ich höre Musik für den Gebrauch - wie Kaffee im Prinzip. Computerspielmusik auf Dauerschleife, die mich aktiviert und während der ich gut schreiben kann.

Ich schreibe viel, weil - gerade wieder WBO ist, Weltenbastler-Olympiade, und ich mir dieses Jahr wieder das Ziel gesetzt habe, auch überall etwas abzugeben, wo ich mich angemeldet habe. Bis jetzt mit Erfolg... und es macht viel Freude, dabei entweder fast leere Welten zu erkunden, oder in Gegenden vorzudringen, wo ich noch nicht war.

Die WBO kostet viel Energie, und dadurch gehen andere Projekte langsamer voran, als ich es gerne hätte. Aber: Sowohl an Orchesterstück als auch an Diplomarbeit geht etwas voran, und das ist mehr, als ich das letzte halbe Jahr sagen konnte. Mal von den Jahren davor zu schweigen, wo ich nur hilflos am Suchen nach einem Ansatz war.

Hier im Blog habe ich noch vor, meine LGBTQIA-Begriffserklärungsserie weiterzuschreiben... das ist gefühlt aber auch ein eher schwieriges Projekt. An Teil 1 bin ich sehr lange gesessen, und hab außerdem noch Feedback eingeholt, und nochmal überarbeitet... da frage ich mich im Moment gerade ein bisschen, wieviel Perfektionismus da wirklich notwendig ist. Das fertige Projekt kann ich aber dann zumindest als Referenz verwenden, um z.B. meiner Familie zu erklären, was zur Hölle mit mir eigentlich los ist. :-D

Zwischendurch hab ich das Parque Del Sol besucht, ein jährlich in St.Pölten stattfindendes Kunstfestival:
Ich gebe aber zu, dass der eigentliche Anreiz, dort hinzufahren, für mich meist der Park selbst ist - ein schlicht immer wieder sehr schön gestalteter Ort, bei dem es immer wieder Neues zu sehen gibt. Das Programm wäre vermutlich auch interessant, zumindest teilweise, aber ich verpasse eh immer alles (es ist ja mehrtägig und ich fahre nur für einen Nachmittag/Abend hin) und für Buchlesungen oder derlei habe ich ehrlich gesagt nicht den Kopf für. Immerhin hab ich am Stand der St.Pöltner Gutmenschen vorbeigeschaut - lokaler Aktivismus gegen die vorherrschende Kultur von sich online ausrotzenden Rechten ist sehr zu begrüßen.

Ist diese epische Weide nicht eine Freude?

~ ẞ ~

Und zuguterletzt: Zum Lesen habe ich auch etwas gefunden. Bzw. habe mich nach einem Jahr guten Zuredens überzeugen lassen, mit etwas zu beginnen. The Gods Are Bastards ist eine Webfiction, die lang genug ist, dass ich mir über den Rest des Sommers keine Sorgen machen muss, dass mir der Lesestoff ausgeht. Und das ist ... ein Freizeitfüller, der wichtig ist, damit ich dazwischen in einer guten Verfassung bin, weiter einigermaßen produktiv zu bleiben.

~ ẞ ~


Montag, 16. Juli 2018

Üpdäätle -42-

Jetzt ist doch schon ein ganzes Stück Juli vergangen. Dieser Sommer ist für mich bis jetzt erfreulich verlaufen - ganz entgegen der gefürchteten Juli-Einsamkeit vieler vergangenen Jahre habe ich viele Menschen um mich. :-)

Ich habe auch einiges zu bloggen vor mir, auch wenn davon hier noch nichts zu merken ist. Ein neues Gamification-System für meinen Alltag, das recht gut funktioniert, hat mich eine Menge Zeit in Aufräumen, aber auch immerhin gut drei Stunden in Blogposts Schreiben investieren lassen. Ich wollte eigentlich nur eine eher kurz gefasste Übersicht über Begriffe aus den LGBTQIA+ Szenen schreiben, aber es ist ausgeartet, und mittlerweile sind aus einem Blogposts drei geworden, und selbst die sind noch zu lang eigentlich.

Ein bisschen mache ich mir auch Sorgen, dass, was ich da tue, letztlich in Selbstbeweihräucherung endet. Es ist ja nicht so, dass diese Information nicht anderswo aufzufinden wäre, als auf einem kleinen Blog mit abzählbar wenigen Leser*innen. Aber ich hab doch irgendwie das Bedürfnis, meine momentanen Arbeitsdefinitionen festzuhalten - da ist ja doch vieles immer wieder im Fluss und muss gelegentlich überarbeitet werden. Vielleicht steckt auch der Gedanke dahinter, dass ich das Ergebnis Leuten aus meiner Familie zeigen kann - wenn ich es geschrieben habe, lesen sie es eher?

Und es gibt ja durchaus auch Begriffe, die mir selbst nach Jahren Beschäftigung mit LGBTQIA+ Diskussionen nicht untergekommen waren. Das geht vermutlich anderen ja auch so...

~ ẞ ~

Musikalisch bin ich immer noch morbide interessiert, wie oft ich Musik hören kann, bevor sie mir beginnt, auf die Nerven zu gehen. Computerspielmusik der 90er, bei der ich bestimmt jeden einzelnen Track über 500 mal gehört habe - und trotzdem hat es etwas Entspannendes? Ab einem gewissen Punkt ist "Information" einfach nicht mehr relevant. Auch die mangelnde musikalische Qualität spielt keine Rolle mehr - auch das musikalisch hochwertigste Stück würde sich nach 500 mal Hören ja abgenützt haben. Es sei denn vielleicht, es ist von Ustwolskaja. Aber ansonsten?

Tatsächlich erreiche ich hin und wieder den Punkt, wo es doch zuviel wird. Aber immer nur kurz - nach einem oder zwei Tagen Pause kann ich dann wieder weiterhören, wo ich aufgehört habe.

Ich denke darüber nach, ob die Präferenz für "Sameness", wie sie für manche Autist*innen typisch ist, etwas damit zu tun hat - wenn ich auch zeitweilig eine unersättliche Neugier hatte, die mich zu immer weiteren Vorstößen in die Welt der Neuen Musik getrieben hatte, so hatte ich doch auch immer die Tendenz, alles, was ich mir wirklich aneignen wollte, auf Dauerschleife zu hören.

Als ich Edgard Varèse entdeckt habe, habe ich eben nur Varèse gehört, zumindest hauptsächlich. Einer meiner Lehrer meinte, dass er Varèse nicht vor dem Schlafengehen hören könne - was mich amüsiert hat, weil ich diese Musik hauptsächlich kurz vor dem Schlafengehen gehört habe. Ich assoziiere Varèse, Boulez, und generell viel Neue Musik mit den späten Abendstunden. Den einsamen Sommernächten, in denen die aus dem Alltag gekippte Normalität durch irgendetwas anderes ersetzt werden muss...

Für mich ist die Eigenschaft "Kann hundert Male gehört werden" eines der wichtigsten Kriterien für musikalische Qualität geworden. Und das heißt auch, dass sich über die Jahre meine Bewertung mehr und mehr verzerrt. Die besagte Computerspielmusik, die ich sowohl was die Qualität der verwendeten Sounds als auch der Komposition selbst als mittelmäßig bis schlecht einstufen würde, brilliert plötzlich, weil die repetitive Einfachheit (nicht zu verwechseln mit Minimalismus im Sinne der Minimal Music, die oft extrem nervenraubend sein kann) eine Hörweise ermöglicht, die mich aus der Musik Energie beziehen lässt, ohne mich gleichzeitig Aufmerksamkeit zu kosten. Ustwolskaja tut im Prinzip nichts anderes, nur auf höchstem Niveau. Viele anderen Komponist*innen, deren Musik ich sehr hoch schätze, haben diese Qualität - ein net positive gegenüber des Alltagsenergielevels zu sein - nicht.

~ ẞ ~

Die nächsten Wochen werde ich wieder ins Orchesterstück einsteigen - derzeit bin ich dabei, die dafür nötigen Arbeitsbedingungen herzustellen - freie Tischfläche vor allem - und dann hoffentlich darüber berichten, dass die Arbeit vorangeht.


Samstag, 9. Juni 2018

Üpdäätle -41-

Die letzten Wochen waren hauptsächlich von Mathe bestimmt - jetzt aber beginnt die Pride-Saison... okay, hat schon begonnen eigentlich. :-)

Heute war z.B. ein Straßenfest, das in Wien jedes Jahr stattfindet; ein Fest der LGBTQIA+ Bewegung(en) ... oder naja - who am I kidding - es sind meistens hauptsächlich die LG-Vereine und die restlichen Buchstaben laufen irgendwo im Hintergrund noch mit. (Und das A, für Asexuell/Aromantisch hab ich überhaupt noch nie auf einem Pride-Event hierzulande vertreten gesehen.)

Auch Enbies (Menschen mit nichtbinärem Geschlecht) sind ziemlich unsichtbar, deswegen habe ich mir eine Enbie-Flagge genäht, die ich bewusst in der Bi*-Fußgruppe tragen will, weil es mir eben auch wichtig ist, diese Überschneidung sichtbar zu machen. (In diesem Sinne hoffe ich, dass wir in Zukunft dort auch noch Ace- und Aro-Flaggen sehen werden.)

(Bild: gelb-weiß-lila-schwarz sind die Farben der Non-binary-Flagge.)

~

Eine Bi*-Flagge habe ich auch noch in Arbeit. Das Nähen macht mir momentan recht Spaß, es ist eine Tätigkeit, in der ich keinerlei Expertise habe und deswegen auch keine hohen Erwartungen. Im Gegenteil finde ich gerade den Look des wild zusammengeflickten auch sehr schön. LGBTQIA+ Bewegungen kommen ja letztlich doch vom Rand der Gesellschaft, nicht von der Hochglanz-Welt der Privilegierten. (Jedenfalls gilt das für die, die was taugen.)

~

( Wer von den Begriffen weniger Ahnung hat, hier noch mal ne kleine Übersicht:
L - Lesbian
G - Gay
B - Bi*sexuell, Bi
T - Transgender (inkl. nichtbinäre Trans-Identitäten)
Q - Queer / Questioning (queer als Überbegriff oder als Selbstbezeichnung)
I - Intersex
A - Asexuell und Aromantisch (inkl. ein weites Spektrum)
+ - (steht für alle die irgendwo dazwischen fallen oder sonst noch dazugehören, aber von den anderen Begriffen noch nicht ganz erfasst werden)

A steht nicht für Ally. Freunde und Verbündete sind natürlich wichtig, aber es geht bei Pride-Events nicht um sie. )

~ ẞ ~

Des weiteren hab ich neue Gunnerkrigg-Chords-Stücke hochgeladen. Und weil ich mit dem alten Bild nie zufrieden war, hab ich ein neues designt:

(Bild: lilafarbene Stadt rechts, magisch leuchtender Wald links, dazwischen eine Kluft)

Das Bild referenziert nun endlich tatsächlich den Webcomic von Tom Siddell (den ich im Übrigen wiedermal allen ans Herz legen mag).

Hier sind diese neuen Stücke zu finden

The Torn Sea
Are You A Witch?
A Ghost Story
Surma, Is That You?
Halt!! Robots Only.

Musikalisch ist tatsächlich diese Serie bei mir momentan der Ort, wo ich das Gefühl habe, dass Entwicklung passiert. Ich komponiere auch weiterhin auch an meiner Tagebucheinträge-Serie weiter, bei der es mir eher um eine musikalische Grundlagenforschung und um Erkundung von (für mich) unerforschtem Terrain geht. Aber ich habe das Gefühl, dort regelmäßig in Sackgassen zu laufen, nur etwas zu reproduzieren, als Nachhall von etwas anderem. Und das will ich dort ja nicht, bei den Gunnerkrigg Chords stört mich das hingegen nicht im geringsten, und gerade deswegen komme ich dort voran...

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Eines der gröbsten Probleme ist der aus meiner Sicht durch und durch falsche Gedanke einer Dichotomie tonal-atonal. Jedesmal wenn ich mir zum Ziel setze, aus der Tonalität auszubrechen, gelange ich nur in eine relativ eng begrenzte, und keineswegs neue, Klanggegend - gerade mal so einmal um die Ecke von einer ziemlich abgenutzten Tonalität.

Den Gedanken an diese Dichotomie gilt es eigentlich zu vergessen, wenn irgendwie etwas Neues entstehen soll. Wann immer ich anstehe, kehre ich meist wieder zu Ustwolskaja zurück, für mich eine Art Ankerpunkt für musikalische Qualität. Sie macht vor, wie es geht, ausdrucksstarke Musik mit nur ganz wenigen Tönen zu machen.

Demgegenüber steht aber mein Ansatz der Musik aus dem hypnagogen Bereich, die spontane Assoziation, die unhinterfragt einfach mal da sein darf. Das führt dazu, dass eben auch Klänge auftauchen, die überhaupt nicht neu sind, und mit denen ich eben eher auf einer psychologischen Ebene arbeite, bzw. deren für mich subjektive Bedeutung ich durch musikalische Prozesse zu neutralisieren versuche.

 ~

Doch immer wieder viel Herumdenken um Musik also, im Hintergrund des Alltagsgeschehens. Auch wenn ich in der Praxis derzeit fast nichts neues höre. Meistens Tischtschenko in den letzten Wochen... eine eher rauschartige Musik, die mir langfristig nicht gut tut, wie ich weiß. Aber es war ein ganz interessantes Experiment, zwei der Dante-Symphonien radikal zusammenzustutzen.

Die dritte Dante-Symphonie habe ich von 40 Minuten auf 25 heruntergebracht, die vierte gar von 50 Minuten auf 26. Dabei bin ich sehr grob vorgegangen und habe stellenweise auch die Reihenfolge geändert, oder gar zwei verschiedene Abschnitte übereinandergelegt. Das Ergebnis ist also schon irgendwie nicht mehr Tischtschenko, sondern eine Neufassung. Wäre das Urheberrecht nicht, ich würde das Ergebnis herzeigen und wäre auch auf die Reaktion anderer gespannt. Tja. :-/

~

edit: Als ich den Post geschrieben habe, war ich wohl müde. Ich weiß nicht, warum ich LGBTQIA* statt LGBTQIA+ geschrieben habe - zweifellos gibt's eine Schreibweise mit Sternchen auch irgendwo im Netz, ist aber bei weitem unüblicher.

Donnerstag, 3. Mai 2018

Üpdäätle -40-

Ich führe die im alten Blog begonnenen semi-regelmäßigen kleinen Journale über was so gerade in meinem Alltag ist, hier weiter fort. Und da ich ein Faible für fortlaufende Nummerierung habe, müsst ihr, liebe Leser*innen, damit leben, dass es gleich mit Nr. 40 beginnt. ^^

~ ẞ ~

Anfang des Jahres war davon geprägt, mich schrittweise bei den meisten meiner Freund*innen als non-binary zu outen. Die Reaktionen waren zwar überwiegend positiv, allerdings hab ich deswegen doch immer wieder eine Menge Angst, bezogen auf die nähere und fernere Zukunft, die in Wellen hochkommt und mich kurzfristig außer Gefecht setzt. Allzu oft kommt mir mein Leben auch einfach surreal und unwirklich vor - aber gut, das war eigentlich fast immer schon so.

Seit das Sommersemester begonnen hat, geht es mir aber insgesamt meist recht gut. Die Uni und der stabile Wochenrhythmus, der sich aus ihr ergibt, tun mir gut. Dass für mein Kompositionsstudium auch noch viel zu tun ist, habe ich nicht vergessen, aber momentan bleibt mir gar nicht so viel Energie, dass ich mir deswegen groß Gedanken machen würde. Die Challenge ist gerade eher, mit den diversen Philosophievorlesungen, vor allem aber mit Mathe, zurechtzukommen.

Musikalisch bewege ich mich am Klavier immer noch hauptsächlich zwischen den Welten der Tagebucheinträge, einer Serie von relativ abstrakten Stücken, die auch als Improvisationsgrundlage verwendet werden können, und den recht traditionellen Stücken, die ich stimmungsmäßig immer im Fantasy-Bereich verorte. Meine zwei gerissenen Klaviersaiten habe ich jetzt seit einer Woche wieder durch neue ersetzt, theoretisch kann ich also wieder aus dem Vollen schöpfen. (Praktisch habe ich seit Monaten durchgehend leicht entzündete Handgelenke, sodass ich eher vorsichtig bin. In theory.)

Was Musik hören betrifft, bin ich momentan ungeheuer ... "pragmatisch", wenn man so will. Um zu arbeiten oder zu schreiben, eignet sich bestimmte Computerspielmusik einfach recht gut. Zwischendurch wechsle ich halt mal zu B. Bartók, B. Tiščenko, oder L. Boulanger. Oder auch mal Tschaikowsky, Hindemith... ohne mir viel darüber Gedanken zu machen. Allesamt mir bereits wohlbekannte Stücke. Die restliche Zeit (die meiste) höre ich sowieso Podcasts, und da ist das bisschen Musik dann beschränkt auf was immer die Hosts für Musikgeschmack haben. Meine Gier auf Neues - meine Neugier - befriedige ich dann eher durch mein eigenes Spiel.

Ach ja, und was momentan auch einen gar nicht geringen Platz in meinem Alltag einnimmt, sind Computerspiele - vor allem solche, mit denen ich aufgewachsen bin, oder sehr ähnlich. Es ist für mich die perfekte Abendentspannung, einige Podcasts zu hören, und gleichzeitig Pyramiden zu bauen, oder so.

~ ẞ ~

Was ich so momentan vorhabe, zu bloggen:

- Music I Just Stumbled Upon: Die Serie braucht einen neuen Namen, das ist mir zu clumsy.^^ Außerdem will ich mich nicht strikt darauf einschränken, nur über etwas zu schreiben, was ich wirklich gerade unmittelbar vorher neu kennengelernt habe.

- Ein Projekt, das ich momentan gerade reizvoll finde, aber sehr viel Aufwand bedeuten würde: Das Buch Excluded von Julia Serano kapitelweise zu kommentieren. Es ist eine sehr erhellende Lektüre, und vielleicht schaffe ich es, die Kernaussagen auch verfügbar zu machen für Leute, die nicht ein ganzes Buch zu lesen vorhaben. Außerdem merke ich mir es dann selber besser. (Ein weiterer Kandidat für so ein Vorgehen wäre Harry Lehmanns Digitale Revolution der Musik. Das ist allerdings schon eine ganze Weile her. Zudem haben das andere schon gemacht? Mein Ansatz, auf die aufgeworfenen Probleme zu antworten, ist allerdings glaub ich nochmal ein anderer, als was ich bisher gehört hätte.)

- Generell mehr Posts, die Reaktionen auf anderes - Bücher, Blogs, Meinungen - sind. Ich hab mir vor etlichen Monaten mal einen kritischen Artikel zu Neuer Musik gespeichert, zu dem ich hoffentlich irgendwann mal komme. Der hätte nämlich eine interessante Kombination aus vielen Statements, denen ich voll zustimme, und einigen, denen ich überhaupt nicht zustimme.

- Buchrezensionen. Eigentlich hab ich die über die Jahre regelmäßig geschrieben, aber nie im Blog. Möglicherweise fange ich mal damit an, die hier auch zu posten. Eine eigene Seite mit Buchempfehlungen wird es unabhängig davon aber auf jeden Fall bald einmal geben.

- Alte Blogposts überarbeitet neu veröffentlichen - auch mit relativ viel Aufwand verbunden. Ich möchte die meisten Sachen nicht unverändert neu posten. Einige Sachen möchte ich unbedingt wieder wo stehen haben, um viele andere ist es nicht wirklich schade.
Der Post nach dem ich am meisten gefragt wurde, ist 5 Tugenden der Kreativität - gerade einer, der ordentlich Überarbeitung bedürfte. Ansonsten müssen natürlich meine beiden Schachvarianten mit vollständigen Spielregeln vertreten sein.

- Und so weiter. Ich werde mich nicht allzu sehr daran binden, irgendetwas, das ich hier erwähnt habe, auch wirklich durchzuziehen. Meine Motivation funktioniert eher so, dass ein bestimmtes Thema plötzlich beschließt, sich bei mir zu melden, und sagt "Schreib mich! Sofort!" als dass ich so genau planen könnte.

Dennoch könnt ihr gerne sagen, wenn es ein bestimmtes Thema gibt, über das ihr mich schreiben sehen wollt.

Jundurg Delphimė, Mai 2018