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Donnerstag, 8. November 2018

LGBTQIA+ Begriffsdschungel - Teil 3: Und der ganze Rest

Im dritten und abschließenden Teil meiner LGBTQIA-Dschungeldurchquerung habe ich neben Ergänzungen zum Bisherigen eine Reihe von "Randthemen" gesammelt - also Themen, bei denen es bestimmte Überschneidungen mit queeren Themen gibt und die oft zusätzliche Komplexitäten hinzufügen.

Bei den meisten davon bin ich keine Expert*in, und habe deswegen auch nur an der Oberfläche gekratzt. Mir geht es eher darum, das Bild abzurunden und zu erwähnen, was ich bei den anderen Teilen ausgespart hatte.

Wie ich auch bei den ersten Teilen in den letzten Wochen/Monaten immer wieder kleine nachträgliche Korrekturen gemacht habe, werde ich das vielleicht auch hier so halten - generell gilt für diesen Teil 3 aber am meisten: Ich hab nur zusammengeschrieben, was ich kenne, und teilweise kaum recherchiert oder nur aus bestimmten Perspektiven - oder es ist sogar einfach meine eigene. ;-) Für Hinweise, wenn ich wo total danebenliege, oder wenn ich noch etwas ergänzen könnte, bin ich dankbar.

~ ẞ ~


Inhalt von Teil 3:

A - LGBTQIA+ und der Rest der Welt
B - Sexismen und Normvorstellungen
C - Polyamorie und alternative Beziehungsformen
D - BDSM
E - Otherkin
F - Multiplizität und DIS

Teil 3: Und der ganze Rest

(Content Note: Diskriminierungen, Sexismen, Gewalt, Trauma)


A. LGTBTQIA+ und der Rest der Welt


* ally (Verbündete)

Allen queeren Identitäten ist gemeinsam, dass sie in der Bevölkerung Minderheiten sind, und daher auf die Unterstützung der Mehrheitsgesellschaft angewiesen sind. Nichtsdestotrotz sind viele erst einmal skeptisch, wenn sich eine nicht-queere Person selbst als "Ally" deklariert - diese Skepsis rührt aus vielen schlechten Erfahrungen.

Zum Beispiel so etwas:
"Wenn ihr so aggressiv seid, braucht ihr euch nicht wundern, dass ihr keine Allies habt" - das kriegen wir so oder in ähnlicher Form öfter mal zu hören. Allerdings - wer nur zu Menschen einer Minderheit hält, wenn diese immer nett zu einem sind, braucht sich eigentlich nicht Ally nennen; dazu gehört auch das Verständnis, dass es wunde Punkte gibt, und dass Menschen, die verletzt werden, eben auch emotional reagieren können.

Die oberste Regel sollte sein, Menschen zuzuhören, wenn sie über ihre Erfahrungen mit Diskriminierung sprechen - sie wissen es normalerweise besser!

Nichstdestotrotz ist es wichtig, dass manche queere Räume auch Allies offenstehen - vor allem auch unter dem Gesichtspunkt, dass viele Leute, die sich ihrer Orientierung oder ihres Geschlechts noch nicht richtig bewusst sind, zu Communities Kontakt suchen, und sich zu Anfang erst einmal als Ally deklarieren.

* QUILTBAG

Eine Variante, um sich die Buchstaben in LGBTQIA+ besser merken zu können. Das "U" steht dabei für "undecided".

* angeboren, unveränderlich?

An der Frage, ob Geschlechtsidentitäten und Orientierungen angeboren sind, hängt oft viel, da es ein wichtiges Argument ist, dass von LGBTQIA-Aktivist*innen vorgebracht wird, um für ihre Menschenrechte zu kämpfen. Es ist heikel, das in Frage zu stellen.

Wenn schon nicht angeboren per se, sind doch Orientierung und Geschlecht für die meisten Menschen über ihr ganzes Leben sehr stabil; bei manchen etwas weniger als bei anderen. Ich will aber darauf hinweisen, dass, nur weil etwas veränderlich ist, das noch nicht heißt, dass die Art oder Richtung dieser Veränderung kontrolliert werden kann; und schon gar nicht, dass irgendjemand dazu gezwungen werden darf, es zu versuchen.

Manche Menschen fragen sich ihr Leben lang, ob ein erlebtes Trauma ihre Orientierung oder Geschlechtsidentität beeinflusst hat - das kann recht quälend sein. Aber selbst wenn es eine Vorgeschichte gibt, ist die Identität, so wie sie zum gegenwärtigen Zeitpunkt nunmal ist, nicht weniger valide.

* Psychische Schwierigkeiten

Menschen aus dem LGBTQIA-Spektrum wird sehr oft an den Kopf geworfen, dass sie doch irgendwie gestört oder geisteskrank wären. Aus dieser Perspektive kann es verunsichernd wirken, mit Statistiken konfrontiert zu werden, wie es mit psychischer Gesundheit von LGBTQIA-Personen so steht - nämlich oft nicht gut. Das liegt aber in den meisten Fällen klar daran, dass es zu enorm viel Belastungen führt, in einer Gesellschaft zu leben, die uns nicht akzeptiert, wie wir sind. Gerade bei trans Personen gibt es auch schon Studien, die belegen, dass die Rate an psychischen Krankheiten deutlich geringer ist, wenn sie schlicht in einem Umfeld leben können, das ihnen nicht feindlich gesinnt ist. Für Kinder, die in einer Familie aufwachsen, die ihre Identität nicht akzeptiert, bedeutet das aber leider oft ein lebenslanges Trauma.

* Pathologisierung

Einer der ersten Schritte, gegen eine Gruppe von Menschen vorzugehen, ist, sie als krankhaft darzustellen. Das ist in der Geschichte von Medizin und Psychologie (bis in die Gegenwart) aber ein allgegenwärtiges Phänomen, so sehr, dass es uns manchmal nicht einmal bewusst ist, dass es passiert.

Bis zum ICD-10 im Jahr 1992 war Homosexualität von der WHO als eine psychische Störung klassifiziert. Im kommenden ICD-11 wird Transgender-Sein (oder wie es hieß, "Transsexualismus") zwar aus der Liste der psychischen Störungen genommen, dabei aber Genderdysphorie zum Kapitel 'Conditions Related to Sexual Health' gepackt, in dem sich anderen Unterkapitel auch erektile Dysfunktion, Paraphilien, Exhibitionismus und Voyeurismus befinden - diese Nachbarschaft erzeugt jetzt auch nicht wirklich Begeisterung. Zumindest hat aber ein Umdenken begonnen, das den Fokus auf die Dysphorie selbst als diagnostiziertes Problem lenkt, und die Identität selbst nicht mehr pathologisiert.

Intergeschlechtliche Menschen ringen unterdessen darum, dass ihre Körper nicht als Fehlbildungen abgetan werden, wenn sie doch genauso gut oder schlecht funktionieren wie die anderer Menschen auch.

Zugrunde liegt all diesen Phänomenen der Gedanke "krank ist, was nicht der Norm entspricht" und somit die Idee, es gäbe nur genau eine Art von richtigem Körper und richtigem Leben. Hier befinden wir uns bereits in unmittelbarer Nähe zu faschistischem Gedankengut, das diese Idee noch auf "Völker" ausweitet.

* Gay Conversion Therapy

Besonders im religiös-fundamentalistischen Umfeld gibt es auch heute noch die Idee, dass sich eine von der Heteronormativität abweichende sexuelle Orientierung "wegtherapieren" ließe. Solche Versuche waren (bzw. sind) sehr gewaltvoll und entbehren jeder wissenschaftlichen Grundlage.

B. Sexismen und Normvorstellungen


Begriffe die sich auf gesellschaftliche Strukturen beziehen, sind schwer zu definieren, und da ich keine besonderen Kenntnisse von Soziologie, Gender Studies, etc. mitbringe, werden meine Definitionen vermutlich nicht so formuliert sein, wie sie von Expert*innen verstanden werden. Nehmt diese Auflistung also auch nur als einen groben Überblick.

* Heterosexismus

Die (gesellschaftlich verankerte) Vorstellung, dass nur Heterosexualität normal sei, und jede Abweichung davon unnatürlich und fehlerhaft.

Es geht dabei nicht nur um persönliche vorurteile, sondern auch um gesamtgesellschaftliche Normvorstellungen, die sich z.B. in diskriminierenden Gesetzen niederschlagen, fehlendem gesetzlichen Schutz vor Ungleichbehandlung und auch stillschweigendem Ignorieren von Ausgrenzung, die in Bereichen passiert, die nicht gesetzlich geregelt werden können.

* Monosexismus

Die (gesellschaftlich verankerte) Vorstellung, dass es natürlich und richtig für Menschen ist, sich zu nur einem Geschlecht hingezogen zu fühlen, d.h. entweder heterosexuell oder homosexuell zu sein. Monosexismus ist eine Grundlage für Diskriminierung von Bi*sexuellen.

* Cissexismus

Die (gesellschaftlich verankerte) Vorstellung, dass es natürlich und richtig für Menschen ist, eine Geschlechtsidentität zu haben, die genau derjenigen entspricht, die sie bei der Geburt zugewiesen bekommen. "cissexistisch" ist mehr oder weniger synonym zu "transfeindlich".

Viele Spielarten von cissexistischen Denkens enthalten die Idee, dass es so etwas wie eine Geschlechtsidentität gar nicht gibt, oder dass diese zu 100% biologisch festgeschrieben ist (hier wird allerdings auch auf vereinfachte bzw. veraltete Biologie verwiesen). Eine häufige cissexistische Aussage ist auch "Es gibt nur zwei Geschlechter, und diese sind biologisch fest vorgegeben!".

Auch trans Personen sind davon nicht gefeit - schließlich wachsen wir in einer Gesellschaft auf, die von Cissexismus tief durchtränkt ist. Wenn trans Personen überhaupt in Büchern, Filmen, etc. vorkommen, dann oft als lächerliche Witzfiguren oder als eingestreuter Gag. Wenn es überhaupt zu einer Erwähnung kommt.

* Exorsexismus

Exorsexismus - abgeleitet vom logischen Gatter XOR, also "das eine oder das andere, aber nicht beides" - bezeichnet Feindseligkeit gegenüber nichtbinären Personen. Meistens wird Exorsexismus mit Cissexismus gleich "mitgeliefert", allerdings gibt es auch binäre trans Personen, die nichtbinäre Identitäten für ungültig halten und nichtbinäre Personen aus trans Gruppen ausschließen wollen.

Das wohl verbreitetste Beispiel für üble Hassrede gegen nichtbinäre Personen sind "Witze" der Form von "Ich identifiziere mich als [X]", wobei für [X] etwas möglichst abwegiges eingesetzt wird, um nichtbinäre Identitäten als lächerlich darzustellen.

* Bi-Erasure

Bi*sexuelle werden medial oft weggelassen, versteckt oder wegerklärt. In vielen Köpfen geistert die Idee, dass es Bi*sexuelle eigentlich gar nicht gibt, bzw. dass eine Person lügt, die sich so bezeichnet, wenn sie z.B. in ihrem Leben nur Beziehungen mit Menschen eines Geschlechts hatte.

Bei nachträglichen Zuschreibungen, etwa verstorbenen Prominenten, wird oft bewusst oder unbewusst ignoriert, dass eine Person bi*sexuell war, und sie stattdessen in eine heterosexuelle oder homosexuelle Schublade gesteckt.

* Allosexismus

Die (gesellschaftlich verankerte) Vorstellung, dass es natürlich und richtig für Menschen ist, sich sexuell zu anderen hingezogen zu fühlen, und dass sexuelle Anziehung für ein gelungenes (Erwachsenen-)Leben notwendig ist.

"allosexistisch" sehe ich als synonym zu "ace-feindlich" bzw. "asexuellenfeindlich".

* Amatonormativität (amatonormativity)

Die Vorstellung, dass alle Menschen romantische Beziehungen eingehen wollen oder sollen; dazu gehören auch Ideen wie, dass es zu einem guten Leben dazugehört, mit einer Partner*in zusammenzuziehen, gemeinsam Kinder (und Enkelkinder) zu bekommen, dass Freundschaften niemals romantische Beziehungen ersetzen können, dass Freundschaften weniger wert seien als Liebesbeziehungen, dass sich das Leben um die Partner*in zu drehen hat, und alles andere zweitrangig ist.

C. Polyamorie und alternative Beziehungsformen


Dieses Thema ist sehr komplex, daher versuche ich hier nur, einige Grundbegriffe aufzuzählen - Leser*innen mögen sich für tiefergehendes Einlesen bessere Quellen suchen als meinen Blog.

* Polyamorie

Viele verschiedene Arten, konsensuell mehr als eine (meist als sexuell und/oder romantisch verstandene) Beziehung zu führen, lassen sich unter dem Überbegriff Polyamorie versammeln.

Das entscheidende Merkmal der Polyamorie ist, dass sie konsensuell ist, d.h. dass die Partner*innen sich darüber im Klaren sind, dass es sich um polyamore Beziehungsformen handelt. "Fremdgehen" ist daher nicht polyamor.
 Es kann in polyamoren Beziehungen sehr klar vereinbarte Regeln geben - oder auch die Vereinbarung, möglichst wenige feste Regeln zu haben - und alles dazwischen.

Es gibt unterschiedliche Ansichten dazu, ob Polyamorie für sich genommen "queer" ist. Es gibt natürlich viele cisgender+heterosexuelle+allosexuelle Menschen, die polyamorös leben - und es ist auch nicht abzustreiten, dass auch gegenüber den meisten Formen von Polyamorie große gesellschaftliche Vorurteile bestehen, sowie wenig oder kein rechtlicher Schutz. Klar ist also, dass gegen polyamorös lebende Menschen diskriminiert wird - allerdings ist "queer" historisch ein Schimpfwort, dass sich gegen LGBTQIA-Menschen gerichtet hat, und von diesen heute reclaimt wird.

Auch im Sinne der sprachlichen Praktikabilität ("queer" als schnelles Synonym zu "LGBTQIA+") werde ich Polyamorie nicht als queer bezeichnen. Wenn über gemeinsame Diskriminierungserfahrungen geredet wird, kann dies auch über ein Kürzel wie "queer/poly" gemacht werden.

> Link: Den Comic KimchiCuddles finde ich persönlich einen möglichen guten Einstieg ins Thema.

* Metamour

Eine Partner*in einer Partner*in.

* Mitfreude (compersion)

Während Eifersucht oft für polyamor lebende Menschen ein schwer zu bewältigendes Problem darstellt, gibt es auch deren Gegenteil, die Mitfreude - also eine Freude darüber, dass eine Partner*in eine neue Beziehung mit jemand anderem beginnt oder genießt.

* Triade

Eine Beziehung zwischen drei Personen, die zusammen ein (geschlossenes) Dreieck bilden.

* Polykül (polycule)

Durch polyamore Beziehungen können sich komplizierte soziale Strukturen ergeben, die, wenn sie als Beziehungsdiagramm aufgezeichnet werden, an Moleküle erinnern. In einem großen Polykül kann eine Person die Partner*in der Partner*in der Partner*in ... usw. sein.

* polyfidel, Polyfidelität

Eine Beziehungsform, bei der die Beteiligten ohne Absprache keine weiteren Beziehungen beginnen (ähnlich wie in einer monogamen Ehe) aber es eben mehr als zwei Personen sind, ist polyfidel. Das hat z.B. den Vorteil, gegen sexuell übertragbare Krankheiten geschützter zu sein, weil es ein geschlossenes System ist.

* Relationship Anarchism (Beziehungsanarchie)

Die Idee, dass jede Beziehung zwischen Menschen individuell ist und für sich selbst betrachtet werden sollte; d.h. dass Unterscheidungen zwischen Liebesbeziehungen, sexuellen Beziehungen, usw. zu grob sind, oder deren Regeln zu eng gefasst.

D. BDSM


BDSM ist ein Mehrfachakronym, bei dem jeweils zwei benachbarte Buchstaben zusammen gelesen werden können, und zwar BD als "Bondage und Disziplin", DS als "dominant-submissiv" und SM als "Sadismus und Masochismus". Zwischen BDSM und queeren Communities gibt es Überschneidungen, aber auch hier gilt, dass nicht jede Person, die BDSM praktiziert, queer sein muss.

BDSM ist ein sehr weites Feld, das nicht unbedingt mit Sexualität zu tun haben muss, sondern auch beispielsweise um Erfahrungen von Abhängigsein, Sich-jemandem-voll-Anvertrauen, oder umgekehrt Kontrolle auszuleben.

* safeword

In der BDSM-Szene wird sehr viel Wert auf Konsensualität gelegt, vielleicht sogar mehr als irgendwo sonst. Meist wird dafür ein Safeword vereinbart - ein Wort, das ein unbedingtes Signal dafür ist, dass eine Handlung abgebrochen werden muss.

* Kink

Ein Kink ist eine sexuelle Vorliebe, die als außergewöhnlich angesehen wird.

* Fetisch

Ein Fetisch ist eine sexuelle Vorliebe, die für eine Person so wichtig ist, dass sie ohne diesen Fetisch keine oder fast keine sexuelle Erfüllung erlebt.

E. Otherkin


Otherkin ist eine (Selbst-)Bezeichnung für Personen, die sich nicht zur Gänze als Mensch identifizieren. Dabei ist ihnen bewusst, dass sie in/mit einem menschlichen Körper leben, es geht eher um ein inneres Wesen oder auch um eine Beschreibung des Charakters. Oft wird das auch spirituell verstanden. Womit sich Personen identifizieren, kann sehr unterschiedlich sein, es müssen keine real existierenden Wesen sein.

Manche trans Personen lehnen otherkin Personen ab, weil sie befürchten, dass Analogien gezogen werden, die benutzt werden können, um Transsein zu invalidieren. Allerdings sind viele otherkin Personen selbst trans, sodass es Überschneidungen zur Geschlechtsidentität gibt.

Es kann unterschieden werden zwischen "identifizieren als" und "identifizieren mit". Ersteres entspricht eher der Erfahrung von trans Menschen (sie sind ihr Geschlecht, stellen das fest und teilen es anderen mit), letzteres vielleicht eher otherkin Personen.

> Link: Mein Halbwissen zu diesem Thema stammt zu einem Großteil von einer Podcast-Episode "Sharks have no concept of gender", in der sich trans und (sekuläre) otherkin Personen miteinander unterhalten. Grundtenor ist, dass es prinzipiell harmlos ist, und es daher keinen Grund gibt, anderen ihre Identifikation mit etwas abzusprechen.


F. Multiplizität und Dissoziative Identitätsstörung


(Content Note: Trauma, Gewalt)

Hierauf werde ich nur kurz eingehen, weil es ein sehr heikles Thema ist, und ich auf keinen Fall für Betroffene von DIS sprechen möchte. Der Grund, warum ich es überhaupt erwähne, ist, dass es bei Multiplizität - also mehrere getrennte Personen/Persönlichkeiten/Alters in einem Körper - öfter auch dazu kommen kann, dass die einzelnen davon unterschiedliche Geschlechter oder Orientierungen haben können, wodurch Menschen einen noch einmal anderen Bezug zum LGBTQIA-Spektrum haben können, den ich bisher eben nicht angesprochen hatte.

Dissoziative Identitätsstörungen (DIS) sind - soweit ich weiß - nach derzeitigem Konsens ein Ergebnis von schwerer Traumatisierung. Dementsprechend ist es sehr wichtig, nicht einfach fröhlich dahinzuphilosophieren, sondern zu beachten, dass es für Betroffene ein unangenehmes Thema ist, und eine Diskussion potentiell triggernd sein kann. Deswegen habe ich den Abschnitt (und den Post) mit Inhaltswarnungen zu Trauma und Gewalt versehen, auch wenn ich nicht explizit darüber spreche.

Das Bild von den "bösen Alter-Egos" ist leider immer noch medial omnipräsent, wenn es um Multiplizität geht. Im Gegenteil haben Alters (d.h. die weiteren Persönlichkeiten) oft den Zweck, vor den traumatisierenden Erfahrungen zu schützen, indem diese Erfahrungen eben vom Rest getrennt werden.

> Link: Mein Halbwissen zum Thema DIS stammt hauptsächlich von einem Youtube-Kanal einer Betroffenen, den ich hier verlinke: MultiplicityAndMe - Natürlich ist das nur eine Perspektive, und es gibt noch sehr viele andere. Genauso wie auch für alle Personen aus dem LGBTQIA-Spektrum bewerte ich die Erfahrungen von Betroffenen insgesamt höher als die der "Expert*innen" (etwa aus der Psychiatrie) - aber natürlich kann niemals eine Einzelperson für die anderen sprechen.

* System

Für die Gesamtheit der Persönlichkeiten in einem Körper wird oft der Begriff "System" verwendet, also etwa formuliert "Wir sind ein multiples System" oder "Ich bin Teil dieses Systems". Manchmal geben sich Systeme selbst noch einen eigenen Namen, um von den einzelnen Alters abzugrenzen - meist gibt es aber eine Persönlichkeit, welche die "ursprüngliche" ist, und den Namen für das System stellt.

* Singlet

Bezeichnung für eine nichtmultiple Person, also für jemand, der*die "alleine im Kopf" ist.

* Median, Median-System

Wie fast überall gibt es auch bei Multiplizität (das an sich schon ein riesiges Spektrum sehr unterschiedlicher Erfahrungen ist) Grauzonen - eine Bezeichnung für etwas zwischen Singlets und multiplen Systemen ist "Median-System".

Ich weiß von keiner Forschung, die einen Zusammenhang zwischen Median-Systemen und Genderfluidität zum Thema hätte - und vermutlich gibt es Leute, die meine Vermutung, dass es hier einen Zusammenhang geben könnte, problematisch finden. Dennoch wollte ich das kurz ansprechen - es gibt allerdings ohnehin zu Median-Systemen noch kaum Information zu finden, und es ist kein psychologischer Fachbegriff, sondern ist nur in einigen Communities von Menschen auf dem multiplen Spektrum verbreitet.

* Tulpas, Soulbonds, "healthy multiplicity"

"Healthy Multiplicity" bezeichnet den Ansatz, Multiplizität nicht als etwas Negatives zu sehen, sondern als etwas Positives oder manchmal sogar Erstrebenswertes. Dieser Begriff ist auch wieder sehr heikel, da viele Betroffene von DIS es (verständlicherweise) sehr negativ aufnehmen, wenn etwas, unter dem sie ihr Leben lang leiden, von anderen als erstrebenswert dargestellt wird.

Aus der tibetischen Mythologie ist der Begriff "Tulpa" entlehnt, der Anfang der 2010er-Jahre im Internet als Bezeichnung für bewusst geschaffene weitere Persönlichkeiten eine weitere Bedeutung angenommen hat.

"Soulbond" ist ein damit eng verwandter Begriff, der sich eher auf literarische Figuren bezieht, die im Kopf von Schriftsteller*innen allmählich ein Eigenleben entwickeln, und eine eigene Perspektive auf die Welt, mit der sich dann die Rolle, die sie als Soulbonds einnehmen, stark von der unterscheiden kann von der, die sie in der Fiktion, der sie entstammen, hatten.

Sowohl Tulpas als auch Soulbonds können natürlich prinzipiell jedes Geschlecht, jede Orientierung (und auch natürlich nicht notwendigerweise menschlich) sein. Ob es dadurch möglich ist, durch deren Einfluss allmählich eine veränderte Geschlechtsidentität oder Orientierung zu haben, ist natürlich auch wieder umstritten und heikel (da es unter Umständen als Legitimation von "Gay-Conversion-Therapy" gelesen werden könnte, oder als Invalidisierung der Identität von LGBTQIA-Personen).

Meinem Eindruck nach (die ich mich vor einigen Jahren etwas mehr damit beschäftigt habe) sind in Tulpa/Soulbond-Communities trans Personen etwas überrepräsentiert, allerdings ist dort die Frage, was Trans-Sein für ein System bedeutet, oft unklarer. Etwa, was es z.B. für eine cis Person bedeutet, sich über viele Jahrzehnte den Kopf mit einer recht selbstständigen Person eines anderen Geschlechts zu teilen - und ob dann der Begriff "bigender" dafür passend ist.


~ ẞ ~


Ich ziehe hier vorerst einen Schlussstrich.

Es lassen sich noch viele Themen aufzählen, die ich ausgelassen habe: Rassismus bzw. Erfahrungen von People of Color, Erfahrungen von autistischen Menschen, gehörlosen Menschen, von Menschen mit Behinderungen, mit Migrationshintergrund, in Armut, ...

Es gibt eine Unzahl von Überschneidungen, und die Erfahrungen, die Menschen machen, die in mehr als einer Hinsicht nicht der Norm entsprechen (oder der Mehrheitsgesellschaft), können sich drastisch von denen unterscheiden, die "nur" queer sind. Und die meisten Communities orientieren sich auch innerhalb einer Minderheit wieder an der Mehrheit. Das gilt auch für meinen Blog hier, der sich nur an Leute richtet, die mit meiner Art zu schreiben klarkommen. Und ich wüsste ehrlich gesagt nicht, ob Vorleseprogramme für blinde Menschen z.B. hier funktionieren. Oder was sie aus den ganzen scharfen ẞ machen, die ich als ästhetische Trennzeichen einstreue...

Ich denke, es ist meinen Posts anzumerken, dass ich von manchen Themen deutlich weniger Ahnung habe - daher hier nochmal der Hinweis, dass ich gerne noch etwas mehr einbauen kann oder Korrekturen machen, wenn jemand da Bedarf sieht. :-)

~ Jundurg Delphimė

Freitag, 21. September 2018

LGBTQIA+ Begriffsdschungel - Teil 2: Orientierungen und Attraktionen

Im zweiten Teil meiner kleinen Odyssee durch die LGBTQIA-Begriffswelt geht es zunächst um sexuelle Orientierungen - also das, woran die meisten Leute als erstes denken, wenn sie eine Regenbogenfahne sehen - aber tatsächlich geht es eben nicht hauptsächlich um Sex, und daher weite ich das Thema aus auf alles, was mit Orientierungen zu tun hat, und möchte auch auf die verschiedenen Arten von Attraktion eingehen.

Es gibt innerhalb der Communities viele Diskussionen über Begriffe und wie sich unsere gelebten Erfahrungen am besten durch diese beschreiben lassen. Ich erwarte, dass es im Verlauf der Jahre noch eine Menge Veränderungen geben wird - ebenso werde ich selbst noch vieles dazulernen. Ich kann hier also nur erklären, wie ich die Dinge jetzt, im Herbst 2018 verstehe, und werde zweifellos vieles später revidieren. :-)

Es versteht sich von selbst, dass alle Definitionen hier in erster Linie mal von mir sind. Ich spreche aber natürlich nicht für die, welche diese Begriffe für sich verwenden. Im Zweifelsfall ist es IMMER besser, Personen selbst zu fragen, wie sie ihre Identität verstehen.

Ich versuche, meine Definitionen nach bestem Gewissen so zu formulieren, dass die allermeisten Leute, die sie nutzen, sich darin wiederfinden. Natürlich wird das nicht in jedem Fall funktionieren.

~ ẞ ~


Inhalt von Teil 2:

A - Die Grundlagen
B - Sexuelle Orientierungen
C - Verschiedene Arten von Attraktion
D - Romantische Orientierungen
E - Weitere Begriffe

~ ẞ ~

Teil 2: Orientierungen und Attraktionen

(Content Note: Diverse Ausgrenzungen)

A. Die Grundlagen


Homosexuell, bisexuell, asexuell - das sind die Orientierungen, die direkt im Kürzel LGBTQIA+ drinstecken, und sie bilden die Basis, von der aus weiter differenziert werden kann. Bevor ich aber die einzelnen sexuellen Orientierungen durchgehe, gilt es zunächst eine Unterscheidung zu machen.

Meist reden wir über sexuelle Orientierungen, doch es geht ja nicht nur um Sexualität. Deswegen wird von dieser die romantische Orientierung separat aufgeführt, denn auch wenn diese bei den meisten Menschen zusammenfallen, ist das nicht immer so. Neben sexuellen und romantischen werden auch noch andere Arten von Orientierungen diskutiert, dazu komme ich aber später.

Ich werde im nächsten Abschnitt mich einmal auf die Begriffe der sexuellen Orientierungen konzentrieren. Aber es scheint mir nützlich, bereits vorher zu sagen, dass praktisch alle davon auch ein analoges Gegenstück aus den romantischen Orientierungen haben. Zum Beispiel:

heterosexuell - heteroromanisch
asexuell - aromantisch
...
usw.

B. Sexuelle Orientierungen


Sexuelle Orientierungen beziehen sich auf sexuelle Anziehung, allerdings werden die Begriffe auch fast immer als Überbegriff verstanden, der andere Arten von Attraktion miteinschließt.

* heterosexuell (straight)

Heterosexuelle Menschen erleben sexuelle Anziehung zu Menschen eines gegensätzlichen, d.h. vom eigenen deutlich verschiedenen Geschlechts.

Alltagsdefinition: Heterosexuell sind Männer, die sich zu Frauen, und Frauen, die sich zu Männern hingezogen fühlen.

* asexuell (ace)

Asexualität wird als Überbegriff verwendet für die Abwesenheit oder teilweise Abwesenheit von sexueller Anziehung. Asexuelle Menschen (im engsten Sinn) erleben keine sexuelle Attraktion zu Menschen irgendeines Geschlechtes. Im weiteren Sinne gehören zu Asexualität aber auch die verschiedenen Graubereiche, graysexual und demisexual.

Asexualität hat nichts mit mangelnder Libido oder Enthaltsamkeit zu tun. Manche Asexuelle empfinden Sex als abstoßend, und wollen damit nichts zu tun haben - manche haben lediglich kein Bedürfnis danach, aber haben kein Problem damit, mit Partner*innen Sex zu haben.

Zur Veranschaulichung sage ich mal: Asexuelle fühlen sich zu Menschen des eigenen Geschlechtes ebensowenig hingezogen wie Heterosexuelle, sowie zu Menschen eines gegensätzlichen Geschlechtes ebensowenig wie Homosexuelle.

* allosexuell

Der Gegenbegriff zu Asexualität heißt Allosexualität - darunter fallen die meisten anderen sexuellen Orientierungen. Als eigener Begriff ist es außerhalb von Ace-Communities selten anzutreffen, aber es ist wichtig, einen Gegenbegriff zu haben, um die Norm als solche in Frage stellen zu können. (Ganz ähnlich dem Begriff "cisgender" bei den Geschlechtern)

* homosexuell (schwul, lesbisch, gay)

Homosexuell sind Menschen, die sexuelle Anziehung zu Menschen ihres eigenen oder eines sehr ähnlichen Geschlechtes erleben.

* bisexuell / bi*sexuell / bi

Definition 1: Bisexuelle Menschen erleben sexuelle Anziehung zu Menschen mindestens zweier (deutlich) verschiedener Geschlechter.

z.B. zu Personen eines ähnlichen (oder dem eigenen) Geschlechtes und Personen eines davon verschiedenen.

Definition 2: Bisexualität ist sexuelle Attraktion, die als straight gelesen wird, und sexuelle Attraktion, die als queer gelesen wird. Bisexuelle Menschen bewegen sich deswegen gewissermaßen zwischen zwei Welten.

Definition der einflussreichen Bi-Aktivistin Robyn Ochs: "I call myself bisexual because I acknowledge that I have in myself the potential to be attracted – romantically and/or sexually – to people of more than one sex and/or gender, not necessarily at the same time, not necessarily in the same way, and not necessarily to the same degree."

Keine der Definitionen ist durch Gewichtung eingeschränkt, d.h. eine Person die sich hauptsächlich zu einem Geschlecht hingezogen fühlt, aber eben auch zu einem davon verschiedenen, ist auch bisexuell, sofern sie diese Eigenbezeichnung nicht unpassend findet und ablehnt. (Siehe: heteroflexibel/homoflexibel)

Die Schreibweise "bi*sexuell" deutet darauf hin, dass es sich um einen Oberbegriff handelt, der sowohl andere (nicht-sexuelle) Formen der Attraktion als auch andere Selbstbezeichnungen (wie z.B. pansexuell) einschließt.

* polysexuell

Polysexualität ist eine Untermenge von Bisexualität. Polysexuelle Menschen betonen ihre Anziehung zu vielen, aber nicht allen Geschlechtern.

* pansexuell (selten auch: omnisexuell)

Eine Untermenge von Bisexualität und Polysexualität. Pansexuelle Menschen erleben sexuelle Anziehung zu Menschen aller Geschlechter; oft wird es auch formuliert als Attraktion bei der das Geschlecht keine Rolle spielt.

* heteroflexibel / homoflexibel

Viele Menschen finden sich in einer Grauzone zwischen Bisexualität und Hetero-/Homosexualität wieder. Menschen, die sich im Wesentlichen als homosexuell bezeichnen, aber selten auch Attraktion zu Menschen eines anderen Geschlecht erleben, manchmal auch nur einmal im Leben, können das als homoflexibel benennen.

Hetero-/Homoflexible Menschen können sich selbst als heterosexuell, bi*sexuell oder homosexuell verstehen, und diesen Begriff als zusätzliche Ergänzung verwenden.

* monosexuell

Monosexuell sind Menschen, die sexuelle Anziehung zu Menschen nur eines Geschlechtes erleben. Die Bezeichnung entstand primär als Gegenbegriff zu "bisexuell", um also heterosexuelle und homosexuelle Menschen zusammenzufassen, kommt also aus dem Bi-Aktivismus. Dort wird auch das Gegenstück "non-monosexuell" verwendet. Per Definition sind aber auch viele asexuelle Menschen nicht monosexuell, da sie sich zu gar keinem Geschlecht hingezogen fühlen, weswegen der Begriff "non-monosexuell" im wörtlichen Sinn nicht synonym mit "bisexuell" sein kann.

* gynesexuell / finsexuell (gynesexual, finsexual)
* androsexuell / minsexuell (androsexual, minsexual)
* skoliosexuell / ninsexuell (skoliosexual, ninsexual)

Für nichtbinäre Menschen macht es oft keinen Sinn, sich darüber zu definieren, ob sie sich zu gleichartigen oder anderen Geschlechtern hingezogen fühlen - wenn das eigene Geschlecht undefiniert ist, oder außerhalb der gängigen Begriffe, sind ja alle anders oder vielleicht auch alle ähnlich.

Daher gibt es noch eine Reihe weiterer Begriffe. "Gynesexuell" bezieht sich auf die Anziehung zu Frauen; einige trans Personen mögen den Begriff aber nicht, weil sie ihn mit Gynäkologie assoziieren, und einer stark auf bestimmte Körperteile fokussierte Sicht.

Analog gibt es "androsexuell" als sexuelle Anziehung zu Männern oder männlichen Geschlechtern, sowie "skoliosexuell" als Anziehung spezifisch zu nichtbinären Menschen. Letzterer Begriff ist auch nicht durchwegs beliebt, da er sich von "skolio" ableitet, also gekrümmt (wie im medizinischen Begriff "Skoliose".

Als alternative Begriffe wurden minsexuell, ninsexuell und finsexuell vorgeschlagen. Die ersten drei Buchstaben davon bedeuten "masculine in nature", "non-binary in nature" und "feminine in nature" respektive.

Die ebenfalls (in etwa) gleichbedeutenden Begriffe "Androphilie" und "Gynekophilie" scheinen im LGBTQIA+ Kontext noch etwas weniger verbreitet zu sein, bzw. eher aus der Psychologie zu kommen - sind demnach also  primär Fremdbezeichnungen.

* graysexual (gray ace, grace, graysexuell, grau-sexuell)

Graysexualität ist eine Unterkategorie von Asexualität; graysexuelle Menschen sind solche, die nur selten, nur schwache oder nur unter sehr spezifischen Bedingungen sexuelle Anziehung zu anderen Menschen erleben. Es geht somit um eine Grauzone zwischen asexuell und allosexuell, wobei sich das Erleben doch schon so weit von dem allosexueller Menschen unterscheidet, dass eine Abgrenzung dazu als notwendig oder nützlich angesehen wird.

Die hiermit aufgespannte Grauzone umfasst eine Vielzahl von weiteren Begriffen, die ich hier nicht alle aufzählen kann, da manche davon erst in den letzten Jahren vorgeschlagen wurden und nicht abzusehen ist, welche davon sich etablieren werden.

Graysexualität kann mit anderen Orientierungen kombiniert werden, also z.B. "gray-pansexuell".

* demisexuell (demisexual)

Demisexualität bezeichnet sexuelle Attraktion, die nur aufkommt, wenn bereits eine starke zwischenmenschliche Beziehung aufgebaut wurde. Demisexuelle Menschen erleben also sexuelle Attraktion zu Menschen, die ihnen sehr nahe stehen, aber zu sonst niemanden.

Dies sollte nicht mit der weit verbreiteten Haltung verwechselt werden, nur mit sehr vertrauten anderen Menschen sexuelle Handlungen unternehmen zu möchten - es geht um die Anziehung selbst! Demisexuelle Menschen haben also viele Erfahrungen mit Asexuellen (im engeren Sinn) gemeinsam, da sie vor einer Beziehung z.B. nicht wissen, ob sie auch sexuelles Interesse an der anderen Person entwickeln werden.

Der Begriff "demisexuell" ist neben "graysexuell" einer der etabliertesten aus dem asexuellen Spektrum. Demisexualität kann mit anderen Begriffen kombiniert werden, z.B. "demi-homosexuell".

* fraysexual (fraysexuell)

Fraysexuelle Menschen erleben sexuelle Attraktion nur zu Fremden; sobald sie jemanden näher kennenlernen, verschwindet diese. Es ist somit in gewissem Sinn das Gegenteil von "demisexuell".

* aegosexuell (aegosexual, autochorissexual)

Der Begriff leitet sich ab von a-ego, hieße demnach also etwa "nichtselbstsexuell". Aegosexuelle Menschen finden andere Menschen zwar in gewissem Sinne sexuell anziehend, dies bleibt jedoch auf einer distanzierten Ebene; möglicherweise sind es nur fiktive Personen, Phantasien oder Bilder, die anziehend wirken, und keine echten Menschen bzw. Körper.

C. Verschiedene Arten von Attraktion


Vor allem aus der Erfahrung von asexuellen Personen, die dennoch romantische Gefühle entwickeln, ergab sich die Notwendigkeit, Unterscheidungen zu machen - in der Folge hat sich das Theoriegebilde weiter aufgespalten und umfasst nun eine ganze Reihe von Attraktionen. Auch wenn es sich im Zuge des Modells von "Split Attraction" getrennt auflisten lässt, ist es für viele Individuen schwer, ihr eigenes Erleben in diesen Kategorien einzuordnen.

* Sexuelle Attraktion

Andere Menschen sexuell anziehend finden.

* Romantische Attraktion

Andere Menschen auf eine Weise anziehend finden, die den Wunsch erzeugt, mit ihnen eine romantische Beziehung (Liebesbeziehung) einzugehen.

* Sensual Attraction (spontan übersetzt: Sinnliche Attraktion? Sensuelle Attraktion?)

Sich zu anderen Menschen auf eine Weise hingezogen ist, die nicht sexuell, wohl aber sinnlich ist; zum Beispiel ein starkes Bedürfnis nach Körperkontakt (Tastsinn), aber auch andere Sinne können eine Rolle spielen.

* Platonische Attraktion

Sich zu anderen Menschen freundschaftlich hingezogen fühlen.

* Ästhetische Attraktion

Andere Menschen ästhetisch/hübsch und damit anziehend finden - aber womöglich ohne den Wunsch, der Person sexuell/romantisch oder sonstwie nahe zu sein.

* Crush

Verliebtheit - intensiv erlebte romantische Attraktion zu einer bestimmten Person.

* Squish

Das platonische Äquivalent zum Crush - intensiver Wunsch, mit einer Person (eng) befreundet zu sein.

D. Romantische Orientierungen


Im Prinzip lassen sich zu allen sexuellen Orientierungen, die oben in Teil B aufgelistet sind, analoge romantische Orientierungen bilden, also z.B. panromantisch, heteroromantisch, homoromantisch, usw.

Einige Begriffe werde ich aber hier noch spezifisch anführen.

* aromantisch (aro)

Aromantische Menschen im strengeren Sinn fühlen sich nie zu anderen Menschen romantisch hingezogen. Genau wie bei Asexualität ist aber auch hier ein ganzes Spektrum mitgemeint ("Aro-Spektrum") Viele der Begriffe aus dem asexuellen Spektrum haben ihr aromantisches Gegenstück.

Wenngleich viele aromantische Menschen auch asexuell sind, so fallen diese Orientierungen nicht unbedingt zusammen. Damit kommen neue Vorurteile zustande: Wenn sie an Personen denken, die sexuelles, aber niemals romantisches Interesse an anderen Menschen haben, stellen sich viele vor, dass es sich dann zwangläufig um promiskuitive Leute handelt, die von einem One-Night-Stand zum nächsten eilen und sich nie an andere Menschen binden.

Die Abwesenheit von einer romantischen Beziehungen heißt aber nicht, dass es nicht andere dauerhafte zwischenmenschliche Bindungen geben kann.

Ein gebräuchliches Symbol der Aro-Community ist der Pfeil (arrow).

* demiromantisch (demiromantic)

Analog zu demisexuell - romantische Gefühle kommen erst auf, wenn eine enge Beziehung (z.B. Freundschaft) bereits aufgebaut wurde.

* frayromantisch (frayromantic)

Analog zu fraysexuell - romantische Gefühle tauchen vor allem gegenüber fremden Personen auf, verschwinden aber bald, sobald eine Person näher bekannt wird.

* quoiromantisch (WTFromantisch)

Dieser Begriff bezeichnet Menschen, die von sich nicht sagen können, ob sie romantische Attraktion erleben, oder sich eher platonisch (freundschaftlich) zu anderen Menschen hingezogen fühlen.

* grayromantisch (grauromantisch)

Wiederum analog zu graysexuell - Personen, die nur sehr selten, sehr schwach oder nur unter spezifischen Bedingungen romantische Attraktion erleben, können die Bezeichnung grayromantisch für sich passend finden.

E. Weitere Begriffe


 * queer

Manche Menschen (wie ich) lieben es, Begriffe kennenzulernen und die vielen individuellen Erfahrungen von Menschen, die sie verwenden, miteinander zu vergleichen. Für andere ist das jedoch uninteressant, oder sie finden es mühsam, sich selbst mit einer komplexen Reihung von Begriffen zu bezeichnen ( "Hallo, ich bin grey-polysexuell und quoi-homoromantisch..." ). Das kann ein Grund für Menschen sein, sich hauptsächlich als "queer" zu bezeichnen, wenn sie nach ihrer Orientierung gefragt werden.

Für andere ist es ein politischer Begriff, um sich selbst außerhalb der Norm zu positionieren (und diese Norm, oder die Ungleichbehandlung, die zwischen Menschen innerhalb und außerhalb dieser Norm besteht, zu kritisieren.)

Und - wie schon bei den Geschlechtern erwähnt - ist "queer" einer der gebräuchlisten Überbegriffe für die gesamte LGBTQIA+ Community, eben als Queer Community. Da es ursprünglich ein Schimpfwort war, finden sich im englischen Sprachraum auch noch (vor allem ältere) Menschen, die sich nicht so bezeichnen wollen, hier ist also etwas Feingefühl angebracht.

Ich spreche zwar selbst oft von der "Queer Community", wenn ich aber mit Leuten zu tun habe, bei denen ich mir nicht so sicher bin, wie sie mich verstehen, sage/schreibe ich LGBTQIA+. Warum? Weil es eine Menge Spaltungen gibt, und viele Gruppen sich gegenseitig ausschließen wollen. Am stärksten betroffen sind davon derzeit asexuelle und aromantische Menschen, was noch dadurch verstärkt wird, dass viele, auch z.B. queere Vereine, das "A" als "Allies" lesen, d.h. Verbündete. Das führt das Kürzel LGBTQIA+ allerdings ad absurdum, denn damit würden Menschen, die selbst nicht von diesen Arten von Diskriminierung betroffen sind, plötzlich zu den anderen dazugepackt, und "LGBTQIA+" ist plötzlich nicht mehr synonym mit "queer".

* fluid (fluide)

Dieser Begriff kann sich auf sexuelle oder andere Orientierungen beziehen, und drückt aus, dass sich die Orientierung einer Person im Laufe des Lebens öfter ändert; das kann sich ebenso auf kurze Zeitabstände beziehen wie auf ein gesamtes Leben.

Für sehr viele Menschen ist die Orientierung etwas statisches; für den politischen Aktivismus ist dieser Umstand oft wichtig zu betonen ("wir sind schon so geboren, ihr könnt uns nicht zwangstherapieren"). Nichtsdestotrotz gibt es aber eben auch Menschen, für die das nicht so sehr gilt.

Menschen, die sich im Bezug auf sexuelle Orientierung fluide erleben, finden sich aber meistens auch in Begriffen wie "bisexuell" oder "pansexuell" wieder.

* aceflux

Fluidität bzw. Veränderlichkeit in Bezug auf das asexuelle Spektrum. Aceflux Menschen könnten zum Beispiel erleben, eine längere Zeit keinerlei sexuelle Attraktion zu haben, dann aber schon wieder. Aceflux ist damit eine Unterkategorie von gray-romantisch.

* queerplatonisch (queerplatonic, quasiplatonic)

Queerplatonisch ist eine Bezeichnung für eine Beziehungsform, bei der Menschen eine enge Bindung zueinander haben und ähnlich viel Zeit darin stecken wie andere in eine romantische Liebesbeziehung - aber es dennoch auf einer freundschaftlichen Basis passiert.

Nur weil eine Person asexuell und aromantisch ist, heißt das nicht, dass es überhaupt kein Bedürfnis nach emotionaler Bindung gibt, das z.B. in einer Art Partnerschaft erfüllt werden könnte.

* cupioromantisch (cupioromantic)

Eine Bezeichnung für aromantische Menschen, die ein Bedürfnis haben, in einer Beziehung zu leben, obwohl sie sich nicht zu anderen romantisch hingezogen fühlen.

* sex-repulsed

Nicht alle asexuellen Menschen finden Sex an sich unangenehm, "sex-repulsed" bezeichnet diejenigen, die am liebsten niemals irgendeine Form von sexuellen Kontakt wünschen.

* romance-repulsed

Analog zu sex-repulsed: aromantische Menschen, die allein die Idee einer romantischen Beziehung bereits unangenehm empfinden.

* pan-cake

Innerhalb von Ace-Communities hat sich Kuchen (cake) als ein Symbol für Asexualität entwickelt, aus Sprüchen wie "Wer braucht schon Sex, wenn er*sie Kuchen hat!". Panromantische Asexuelle haben daraus das Wortspiel pan-cake als Eigenbezeichnung gemacht.

~ ẞ ~

Samstag, 9. Juni 2018

Üpdäätle -41-

Die letzten Wochen waren hauptsächlich von Mathe bestimmt - jetzt aber beginnt die Pride-Saison... okay, hat schon begonnen eigentlich. :-)

Heute war z.B. ein Straßenfest, das in Wien jedes Jahr stattfindet; ein Fest der LGBTQIA+ Bewegung(en) ... oder naja - who am I kidding - es sind meistens hauptsächlich die LG-Vereine und die restlichen Buchstaben laufen irgendwo im Hintergrund noch mit. (Und das A, für Asexuell/Aromantisch hab ich überhaupt noch nie auf einem Pride-Event hierzulande vertreten gesehen.)

Auch Enbies (Menschen mit nichtbinärem Geschlecht) sind ziemlich unsichtbar, deswegen habe ich mir eine Enbie-Flagge genäht, die ich bewusst in der Bi*-Fußgruppe tragen will, weil es mir eben auch wichtig ist, diese Überschneidung sichtbar zu machen. (In diesem Sinne hoffe ich, dass wir in Zukunft dort auch noch Ace- und Aro-Flaggen sehen werden.)

(Bild: gelb-weiß-lila-schwarz sind die Farben der Non-binary-Flagge.)

~

Eine Bi*-Flagge habe ich auch noch in Arbeit. Das Nähen macht mir momentan recht Spaß, es ist eine Tätigkeit, in der ich keinerlei Expertise habe und deswegen auch keine hohen Erwartungen. Im Gegenteil finde ich gerade den Look des wild zusammengeflickten auch sehr schön. LGBTQIA+ Bewegungen kommen ja letztlich doch vom Rand der Gesellschaft, nicht von der Hochglanz-Welt der Privilegierten. (Jedenfalls gilt das für die, die was taugen.)

~

( Wer von den Begriffen weniger Ahnung hat, hier noch mal ne kleine Übersicht:
L - Lesbian
G - Gay
B - Bi*sexuell, Bi
T - Transgender (inkl. nichtbinäre Trans-Identitäten)
Q - Queer / Questioning (queer als Überbegriff oder als Selbstbezeichnung)
I - Intersex
A - Asexuell und Aromantisch (inkl. ein weites Spektrum)
+ - (steht für alle die irgendwo dazwischen fallen oder sonst noch dazugehören, aber von den anderen Begriffen noch nicht ganz erfasst werden)

A steht nicht für Ally. Freunde und Verbündete sind natürlich wichtig, aber es geht bei Pride-Events nicht um sie. )

~ ẞ ~

Des weiteren hab ich neue Gunnerkrigg-Chords-Stücke hochgeladen. Und weil ich mit dem alten Bild nie zufrieden war, hab ich ein neues designt:

(Bild: lilafarbene Stadt rechts, magisch leuchtender Wald links, dazwischen eine Kluft)

Das Bild referenziert nun endlich tatsächlich den Webcomic von Tom Siddell (den ich im Übrigen wiedermal allen ans Herz legen mag).

Hier sind diese neuen Stücke zu finden

The Torn Sea
Are You A Witch?
A Ghost Story
Surma, Is That You?
Halt!! Robots Only.

Musikalisch ist tatsächlich diese Serie bei mir momentan der Ort, wo ich das Gefühl habe, dass Entwicklung passiert. Ich komponiere auch weiterhin auch an meiner Tagebucheinträge-Serie weiter, bei der es mir eher um eine musikalische Grundlagenforschung und um Erkundung von (für mich) unerforschtem Terrain geht. Aber ich habe das Gefühl, dort regelmäßig in Sackgassen zu laufen, nur etwas zu reproduzieren, als Nachhall von etwas anderem. Und das will ich dort ja nicht, bei den Gunnerkrigg Chords stört mich das hingegen nicht im geringsten, und gerade deswegen komme ich dort voran...

~

Eines der gröbsten Probleme ist der aus meiner Sicht durch und durch falsche Gedanke einer Dichotomie tonal-atonal. Jedesmal wenn ich mir zum Ziel setze, aus der Tonalität auszubrechen, gelange ich nur in eine relativ eng begrenzte, und keineswegs neue, Klanggegend - gerade mal so einmal um die Ecke von einer ziemlich abgenutzten Tonalität.

Den Gedanken an diese Dichotomie gilt es eigentlich zu vergessen, wenn irgendwie etwas Neues entstehen soll. Wann immer ich anstehe, kehre ich meist wieder zu Ustwolskaja zurück, für mich eine Art Ankerpunkt für musikalische Qualität. Sie macht vor, wie es geht, ausdrucksstarke Musik mit nur ganz wenigen Tönen zu machen.

Demgegenüber steht aber mein Ansatz der Musik aus dem hypnagogen Bereich, die spontane Assoziation, die unhinterfragt einfach mal da sein darf. Das führt dazu, dass eben auch Klänge auftauchen, die überhaupt nicht neu sind, und mit denen ich eben eher auf einer psychologischen Ebene arbeite, bzw. deren für mich subjektive Bedeutung ich durch musikalische Prozesse zu neutralisieren versuche.

 ~

Doch immer wieder viel Herumdenken um Musik also, im Hintergrund des Alltagsgeschehens. Auch wenn ich in der Praxis derzeit fast nichts neues höre. Meistens Tischtschenko in den letzten Wochen... eine eher rauschartige Musik, die mir langfristig nicht gut tut, wie ich weiß. Aber es war ein ganz interessantes Experiment, zwei der Dante-Symphonien radikal zusammenzustutzen.

Die dritte Dante-Symphonie habe ich von 40 Minuten auf 25 heruntergebracht, die vierte gar von 50 Minuten auf 26. Dabei bin ich sehr grob vorgegangen und habe stellenweise auch die Reihenfolge geändert, oder gar zwei verschiedene Abschnitte übereinandergelegt. Das Ergebnis ist also schon irgendwie nicht mehr Tischtschenko, sondern eine Neufassung. Wäre das Urheberrecht nicht, ich würde das Ergebnis herzeigen und wäre auch auf die Reaktion anderer gespannt. Tja. :-/

~

edit: Als ich den Post geschrieben habe, war ich wohl müde. Ich weiß nicht, warum ich LGBTQIA* statt LGBTQIA+ geschrieben habe - zweifellos gibt's eine Schreibweise mit Sternchen auch irgendwo im Netz, ist aber bei weitem unüblicher.

Sonntag, 22. April 2018

New Blog, who dis?

Is this a beginning? Or a continuation? When I took down my old blog, I soon realized that I was not the least bit sad about getting an opportunity for a fresh start. It has never been easy for me to leave behind my past. But here I shall introduce myself as I am now.

~ ẞ ~

Ist dies ein Anfang? Oder eine Fortführung? Als ich meinen alten Blog vom Netz nahm, bemerkte ich schnell, dass ich keineswegs traurig war darüber, eine Gelegenheit für einen Neustart bekommen zu haben. Meine Vergangenheit hinter mir zu lassen, fiel mir noch nie leicht. Ich werde mich hier aber vorstellen, wie ich jetzt bin.

~ ẞ ~

Jundurg


That's the name I use online, in most spaces I go. Some people call be by that name offline too. Recently I've added Delphimė as a surname to go along with it.

Bi*


I was always interested in anything LGBTQ* that I could find, and I have known myself not to be really straight from a young age. And yet I did not say a word about myself, because I did not know if I was „queer enough“ to really belong in those communities. It was pure luck on my side that I decided to visit the Austrian pride parade in the exact year when there was a group of bi people there for the first time.
Since then I've learned that my experience in that regard is far from unique – bi people face both being excluded from queer spaces and being alienated in heteronormative spaces. It can sometimes seem like we belong nowhere.
Fortunately, there is now a growing bi* community in Vienna, to which I'm quite happy to contribute in whatever small way I can.

Neurodivergent


I've only recently been diagnosed with ADHD, but I have had problems with executive function(s) from early childhood on, especially in school. I'm also very likely on the autism-spectrum. I do not consider either to be something to be cured – it's just how I am. How to function in a society that is not constructed to accommodate divergence in general is another question.

Non-binary


I've been uncomfortable calling myself a man for most of my adult life, but only in the last few years have I found the necessary vocabulary to describe this discomfort, and it took even longer until I was finally able to acknowledge to myself that I could indeed be transgender. I do not fit the stereotypical narrative of „being in the wrong body“ (most trans people don't, by the way) – it's my body, how could it be the wrong one? – but I also don't feel comfortable if people want to describe me in masculine terms. I am also not a woman – neither of those societal boxes fit me very well, so I remain outside of the gender binary. :-)

At the moment, I use the pronouns he and she interchangable. You may use other pronouns for me – since the german language does not have any established gender-neutral pronoun for non-binary people, I tend to not using a singular they for myself even when writing in english, although I very much support it's use for other people. [Update 2019: I use she pronouns now, and he does feel wrong nowadays, though neo-pronouns are fine.]

Composer


I studied composition at the Universität für Musik und darstellende Kunst in Vienna for about seven years. I will hopefully get my degree this year, but due to executive dysfunction and depression, I am sometimes not able to work towards it for months.

I tend to have opinions about music. One of these is this: Any music that is purely based on sound will become more and more obsolete as soon as computers and artificial intelligence will become better at creating compelling music pieces all by itself. There are plenty of ways to go beyond just creating sound that other people can listen to – I will probably get to that in future posts, as experience tells me that I cannot keep my mouth shut about such things anyway. ;-)

Conworlder


I love creating fiction, and I especially love creating fictional worlds. In my fantasy worlds, I can explore different cultures and their philosophies, how they think about art, and how they think about gender. I can construct languages and think about how they inform the culture around them – and vice versa. Or any other topic that interests me. As a friend of mine put it „The nice thing about worldbuilding is that there is no idea crappy enough that you can't use it at least somewhere.“

In addition to that, the german worldbuilding community feels like a family to me. Sure, like in every family there are a few 'odd uncles' that I don't want to meet. But being surrounded by people who will have a long-winded discussion about even the most absurd topic is something I don't want to miss in my life. :-)

~ ẞ ~

Jundurg


Das ist der Name, den ich online am meisten verwende. Einige Leute nennen mich auch offline so. Vor kurzem habe ich Delphimė als Nachnamen angefügt.

Bi*


Ich habe mich immer für alles was ich aus dem LGBTQ*-Bereich finden konnte, interessiert, und ich wusste schon recht früh von mir, dass ich nicht wirklich hetero bin. Dennoch habe ich nie etwas davon nach außen gezeigt, weil ich mir nicht sicher war, ob ich „queer genug“ sei, um überhaupt einen Platz in queeren Orten zu haben. Aufgrund eines glücklichen Zufalls habe ich mich dann endlich entschieden, die Regenbogenparade in Wien ausgerechnet in dem Jahr zu besuchen, als es dort zum ersten Mal auch eine Fußgruppe von Bi*sexuellen gab.

Seitdem habe ich immer wieder gehört, dass es nicht nur mir so ging. Bi*sexuelle erfahren sowohl Ausgrenzung von queeren Räumen als auch Entfremdung in heteronormativen Räumen, und manchmal scheint es so, als würden wir überhaupt nirgends hingehören.

In Wien gibt es nun aber eine stetig wachsende Bi*-Community, in der ich mich gerne einbringe, so gut ich das halt kann.

Neurodivergent


Ich habe erst vor kurzem eine ADHS-Diagnose bekommen, aber ich hatte schon von meiner frühen Kindheit Probleme aufgrund von exekutiver Dysfunktion. Ich bin zudem höchstwahrscheinlich am Autismus-Spektrum. Nichts davon ist etwas, das „geheilt“ werden sollte – das ist einfach, wie ich bin. Wie es mir gelingt, in einer Gesellschaft zu leben, die nicht darauf hin ausgelegt ist, wie verschieden Menschen sind, ist eine andere Frage.

Nichtbinär


Ich habe mich schon über den Großteil meines Erwachsenenlebens unwohl damit gefühlt, mich als „Mann“ zu bezeichnen. Aber erst in den letzten paar Jahren habe ich die notwendigen Begriffe kennengelernt, um dieses Unwohlsein weiter zu präzisieren, und es hat noch um einiges länger gedauert, bis ich mir eingestehen konnte, dass ich trans sein könnte. Ich passe nicht in das gängige Klischee „im falschen Körper geboren“ (wie die meisten trans Leute übrigens!) - es ist mein Körper, wie sollte er der falsche sein? - aber ich fühle mich auch nicht besonders wohl damit, wenn andere Menschen mich mit männlichen Begriffen beschreiben. Genausowenig bin ich eine Frau. In keine dieser gesellschaftlichen Schubladen passe ich wirklich gut hinein; daher verbleibe ich außerhalb der Geschlechterbinarität. :-)

Im Moment verwende ich die Pronomen er und sie gleichermaßen. Andere Pronomen für mich zu verwenden, ist auch okay – da die deutsche Sprache kein etabliertes geschlechtsneutrales Pronomen (abseits des sächlichen) hat, tendiere ich dazu, auch im Englischen keines zu verwenden, auch wenn ich das Singular-They ansonsten sehr befürworte. [Update 2019: Ich verwende jetzt sie Pronomen, und er fühlt sich mittlerweile falsch an. Neopronomen sind okay.]

Komponist*in


Ich habe sieben Jahre an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien studiert – und bin dort immer noch Student*in, denn mir fehlt noch der Abschluss, den ich hoffentlich dieses Jahr machen werde. Aufgrund von exekutiver Dysfunktion und Depression schaffe ich es leider oft monatelang nicht, darauf hinzuarbeiten.

Über Musik habe ich oft einiges zu sagen. Zum Beispiel: Jede Musik, die einzig und allein darauf basiert, wie sie klingt, wird immer mehr obsolet werden im selben Ausmaß wie Computer und künstliche Intelligenzen immer besser darin werden, selbst überzeugende Musikstücke zu kreieren. Es gibt eine Menge verschiedene Wege, um darüber hinauszugehen, bloß einen Klang zu erzeugen, den jemand anderes anhören kann – darauf werde ich bestimmt in zukünftigen Posts eingehen. Die bisherige Erfahrung zeigt, dass ich zu diesem Thema ohnehin nicht den Mund halten kann. ;-)

Weltenbastler


Ich liebe es, fiktive Welten zu erschaffen. In meinen Fantasywelten kann ich fremde Kulturen und deren Philosophien erforschen, oder wie sie über Kunst denken, oder über Geschlechter. Ich kann Sprachen entwickeln und darüber nachdenken, wie sie mit der Kultur, in der sie gesprochen werden, zusammenhängen. Oder im Prinzip jedes andere Thema. Wie eine Freundin es mal ausgedrückt hat: „Das Schöne am Weltenbasteln ist, dass man jeden Scheiß irgendwo einbauen kann.“

Zudem ist die deutsche Weltenbastler-Community für mich wie eine Familie. Klar, wie in jeder Familie gibt es auch hier ein paar komische Onkel, die ich nicht unbedingt treffen möchte. Aber von Menschen umgeben zu sein, die auch noch über das absurdeste Thema eine ausgedehnte Diskussion führen können, ist etwas, das ich im Leben nicht mehr missen möchte. :-)

~ ẞ ~

Other Things of Some Importance


This is getting long already, but I want the introduction post to be somewhat comprehensive, so here we go:
  • Designing games: Somehow, I haven't finished any of the board games that I started to make in the last ... too many years. I still want to eventually get back to it. In the meantime, I will play other people´s games.
  • Lucid dreaming: I used to be very active in the german lucid dreaming community, but lately, dreams aren't really a main focus of my life anymore. Nevertheless, the possibility to consciously experience being somewhere else than in the real world provides a phenomenal experience that has lots of potential both for creative and self-exploring purposes.
  • Atheism: I grew up catholic, but it was mostly my evangelical christian friends that made it „necessary“ for me to know a lot more about religion than the average european. Because there have been to many prominent atheists who turned out to be assholes in some way or other, I nowadays only really care about the intersection of atheist and social justice activism.
  • Feminism: My perspective here is informed by being bi* and non-binary. Reducing or ending sexism or any kind of privileges based on gender are important topics to me, but I admit that most of my attention goes to the specific areas that concern me the most - or those I think I know better.
  • Mental Health: I have benefitted greatly from people who were open about their mental illnesses, and so I want to give some of that back and talk about mine. There is much harm done in our society by pretending that those are something to be ashamed of.
  • Randomness: In all my creative work, I have a tendency to flirt with random elements – whether it is a random number generator, or a twenty-sided die, or a random page from Wikipedia. However, I do not leave art fully to chance.
  • Dadaism and Surrealism: I owe much to both of these art movements. Within Dadaism, I am very fond of sound poetry. Within Surrealism, I am more interested in methods rather than a particular aesthetic.
  • Teaching: This is what I am currently studying for – philosophy, psychology and computer science. I do not know if it will be possible for me to be an openly genderqueer teacher in Austria, but I won't find out if I do not at least try.
  • Skepticism: I don't care much about some random weird beliefs people may have, but there are a few that I consider dangerous, both for an individual and for society. My prime example is the belief in fate, whether it is thought as a power far beyond human control, or – worse – something that can be controlled by positive thinking, prayer, or various other methods involving magical thinking.
~ ẞ ~

Weiteres von einiger Wichtigkeit


Der Post ist jetzt schon recht lang, aber ich möchte die Vorstellung auch einigermaßen vollständig haben, also:
  • Spiele designen: Irgendwie habe ich es nie geschafft, eines der Brettspielprojekte der letzten Jahre auch abzuschließen, aber irgendwann möchte ich da auch wieder weitermachen. In der Zwischenzeit spiele ich halt Spiele von anderen.
  • Klarträumen: In der deutschen Klartraumcommunity war ich mal sehr aktiv, aber in letzter Zeit sind Träume nicht mehr so ein zentraler Teil meines Lebens. Nichtsdestotrotz bietet die Möglichkeit, sich bewusst als außerhalb der realen Umgebung zu erleben, eine phänomenale Erfahrung mit viel Potential für Kreativ- und Selbstforschungszwecke.
  • Atheismus: Ich wuchs katholisch auf, aber es waren hauptsächlich meine evangelikalen Freund*innen, die es für mich „notwendig“ machten, deutlich mehr über Religion zu wissen als eine durchschnittliche Europäer*in. In den letzten Jahren erwiesen sich zu viele prominente Atheisten in der einen oder anderen Weise als Arschlöcher, daher interessiere ich mich meist nur noch für die Überschneidung von Atheismus mit Social-Justice Aktivismus.
  • Feminismus: Meine Perspektive ist geprägt davon, bi* und nichtbinär zu sein. Sexismus oder jegliche Arten von geschlechtsbezogenen Privilegien abzubauen ist mir wichtig, aber ich gebe zu, dass mein Hauptfokus auf den Bereichen liegt, die mich selbst betreffen, bzw. wo ich mich besser auszukennen glaube.
  • Psychische Gesundheit: Ich habe viel von Leuten profitiert, die offen über ihre psychischen Probleme geschrieben haben, und daher möchte ich etwas davon zurückgeben und auch über meine offen sein. Viel Schaden wird in unserer Gesellschaft durch die Idee zugefügt, dass psychische Krankheiten etwas wären, wofür eines sich schämen müsste.
  • Zufall: In meinen kreativen Arbeiten habe ich eine Tendenz dazu, mit Zufallsmechanismen zu flirten – seien es Zufallszahlengeneratoren, oder zwanzigseitige Würfel, oder die Wikipedia-Funktion „zufällige Seite anzeigen“. Allerdings überlasse ich in der Kunst nichts gänzlich dem Zufall.
  • Dadaismus und Surrealismus: Ich verdanke vieles diesen beiden Künstler*innenbewegungen. Im Dadaismus finde ich vor allem Lautgedichte toll, im Surrealismus sind es eher die Methoden als eine bestimmte Ästhetik.
  • Lehren: Darauf hin studiere ich im Prinzip im Moment – Philosophie, Psychologie und Informatik. Ich weiß nicht, ob es mir möglich sein wird, eine offen genderqueere Lehrperson in Österreich zu sein, aber ich werde es kaum herausfinden, wenn ich es nicht zumindest probiere.
  • Skeptizismus: Wenn Leute nur irgendwelche seltsamen Ansichten haben, ist mir das eher egal, aber es gibt einige Ansichten, die ich für gefährlich halte, und zwar sowohl für Individuen als auch für die Gesellschaft. Mein Paradebeispiel dafür ist der Glaube ans Schicksal – ob es nun als eine Macht jenseits der menschlichen Kontrolle gedacht wird, oder – schlimmer – als eine Macht, die durch positives Denken, Gebet, oder sonstige Methoden die sich aus dem magischen Denken ergeben, beeinflusst werden kann.
~ ẞ ~

A Comment on Comments


While I appreciate discussion in some cases, I do not want to have to moderate this comment section. I've thought about closing it completely, but that does not seem necessary at this point. I've set it so that every comment goes into moderation, so don't be surprised when you cannot see it immediatly after writing.

Just be warned that I will not host comments that I am uncomfortable with, or that could potentially stir up a debate that I don't want to have at this moment. Also I will delete any comments that so much as mention a particular right-wing Canadian professor, whose bigotry and outright lies have done enough damage already. I'll add more people to my list of unwanted persons or topics as time goes on.

~ ẞ ~

Ein Kommentar zu Kommentaren


Während ich in manchen Räumen Diskussionen schätze, möchte ich hier eigentlich nicht moderieren müssen. Ich habe sogar darüber nachgedacht, die Kommentarfunktion komplett zu sperren, aber das scheint mir doch arg unnötig im Moment. Jetzt ist sie so eingestellt, dass jeder Kommentar zunächst von mir freigeschaltet werden muss.

Seid also vorgewarnt: Wenn mir etwas so erscheint, dass es eine Debatte entfachen könnte, die ich im Moment nicht führen möchte, werde ich die Kommentare dazu nicht freigeben. Außerdem werde ich alles löschen, was z.B. einen gewissen politisch rechten Kanadischen Professor erwähnt, dessen Intoleranz und bewusste Lügen schon genügend Schaden angerichtet haben. Ich werde wohl im Lauf der Zeit noch mehr Leute oder Themen meiner imaginären Bannliste hinzufügen.

~ ẞ ~

Jundurg Delphimė, 2018-04