Ein paar Buchreviews von diesem Jahr...
Ein paar Buchreviews von diesem Jahr...
Bloggen ist im Moment etwas, das ich nur selten interessant finde. Wo ich etwas zu sagen habe, sage ich es woanders; wo Leute an mir interessiert sind, folgen sie mir woanders.
Ich habe so zwei, drei Blogposts im Kopf, die ich in den letzten Monaten beinahe geschrieben hätte - etwas über Geld/Wert, etwas über ADHD, und einen Kommentarpost zu meiner Xen-Midi-Sandbox #1. Durchaus möglich, dass davon noch etwas geschrieben wird.
Im Moment bin ich recht comfy damit, dass so circa alle anderthalb Monate sich meine Interessensgebiete radikal verschieben. Dabei kehre ich manchmal zu älteren Projekten zurück, manchmal kommen Interessen wieder auf, die ich zehn Jahre ignoriert habe. Im Februar habe ich plötzlich wieder angefangen, Spanisch zu lernen. Im März und bis jetzt habe ich wieder begonnen, "literarisch" zu schreiben. Derweil liegt die Musik fast gänzlich still - und das ist okay. Bestimmt geht es dann in ein paar Wochen wieder dort weiter. Dieses Jahr will ich irgendwann noch lernen, mit anderen Programmen Musik zu machen.
Es kann auch sein, dass ich hier am Blog über Klarträumen schreibe - es ist leider so, dass ich das letzte bisschen Community hinter mir lassen musste; selbst in der kleinsten Nische haben mich transphobe Argumente und "just asking questions" verfolgt und immer wieder mal getriggert. Trauma ist leider nicht lustig und die Reaktion anderer Leute darauf auch nicht. Ich glaube nicht, dass ich noch einmal zurück kann, und die Trauer darüber braucht auch noch Monate, verarbeitet zu werden.
Aber ich bin halt schon ein Communitymensch, und versuche daher, meine Interessen, wenn sie schon nicht direkt hineinpassen, zumindest peripher dort auszuleben, wo ich auch aktiv bin. Daher ist mein Schreibprojekt jetzt ein bisschen ein Ventil dafür, etwas Klartraumerfahrung einfließen zu lassen und den ganzen Mist zu verarbeiten.
Ich gucke außerdem viel Linkes Zeug auf Youtube, und da finde ich die NFTs und die darum herum entstehenden Phantastereien der Wirtschaftsliberalen und Libertarians spannend; im Winter habe ich endlich David Graebers Geschichte des Geldes gelesen, und ich denke, wir können in diesem Jahrzehnt noch einiges beobachten, wie die Menschheit mit dem Konzept von "wertvoll" kämpft und kämpft. Aktuell weiß niemand mehr so wirklich, was das ist, die nächste Wirtschaftskrise ist also vorprogrammiert.
Nun denn. Irgendwann lade ich davon auch mal was hoch, aber nicht am Blog. Und irgendwann schreibe ich auch vielleicht noch etwas von den geplanten Posts. Mal sehen.~
Über den Sommer haben sich meine Handgelenke wieder gebessert, allerdings dauert mein Klavier-Hiatus weiter an - ich habe seit Mai die Tasten nicht angerührt; die längste Pause meines Lebens. Ich will da auch einfach mal einen Cut setzen, eine Erholung vom ständigen Druck, irgendwas musikalisch schaffen zu müssen. Bald endet die Pause aber wohl. Vielleicht gebe ich mir dann auch mal wieder Mühe, mich kompositorisch weiterzuentwickeln, statt "nur" Klavierstück nach Klavierstück in Early-20th-Century Stilen rauszuhauen.
Gerade höre ich Musik von Philippe Hurel, den ich neulich wiederentdeckt hab. Spektralistische Musik hab ich einige Zeit ignoriert, weil viele der Stücke so sehr zum Statischen neigen, zu sehr *nur* den Klang zelebrieren ohne viel damit zu machen - daher hab ich zwar hin und wieder Tristan Murail oder GF Haas gehört, aber nie besonders viel. Aber ich konnte mich immer dunkel erinnern, dass es da auch etwas Interessanteres gab - vor etwa 10 Jahren gab es einmal ein Mini-Festival in der französischen Botschaft in Wien, wo spektralistische Musik präsentiert wurde (meine erste Begegnung damit, das war am Anfang meines Studiums) und da hatte es einen sehr positiven Eindruck hinterlassen. Aber das war die Zeit, bevor es möglich war, quasi alles auf Youtube finden zu können.
Philippe Hurels Musik liegt mir jedenfalls mehr, als Murail ... es ist bewegter, es tut sich auch einmal etwas rhythmisch. (Trotzdem ist es manchmal noch zu statisch, aber weniger schlimm.) Ich mag besonders "Localized Corrosion" - da verschmelzen E-Gitarre und Saxophon zu einem erstaunlich homogenen Duo - und "Figures Libres".
Ansonsten ist mein Hauptfokus darauf, meine körperliche Gesundheit etwas zu bessern, und zu lernen, mit ADHS besser umzugehen, vllt auch auf medizinischem Weg. Neulich habe ich einen Artikel über ADHS aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt - das war eine spontane Sache, und es hat mir dann doch recht Spaß gemacht, einfach mal zu übersetzen. Mein Deutsch ist dabei aber dann etwas holprig; ich denke, das ist eine interessante Übung, wieder mehr darüber nachzudenken, wie Satzbau sich in den beiden Sprachen unterscheidet. :)
Ich hab hier im letzten Jahr praktisch nicht mehr gebloggt. Ich sah keinen Sinn darin - wenn ich etwas von dem, was ich mache, bewerben will, haben Twitter und Facebook den Vorteil, dass es mehr als so ca. 2-3 Personen sehen. Dieser Blog ist ja nicht einmal über Google auffindbar. Da mein gesamter derzeitiger kreativer Output also anderswo besser aufgehoben ist, bleibt für den Blog nichts übrig.
Kürzlich habe ich allerdings eine Community verlassen, in der ich über viele Jahre (mein halbes Leben) aktiv war, weil ich gemerkt habe, dass ich dort nur noch politische Posts verfasse, und dabei hauptsächlich auf Leute reagiere, die meine Aufmerksamkeit nicht wert sind (z.B. Corona-Leugner*innen/Verharmloser*innen), und dabei immer mehr cranky wurde. Das war ne schlechte Entwicklung, also lasse ich das.
Dadurch wird der Themenbereich "Politik" und "Weltbilder" allerdings wieder frei, und ganz ehrlich möchte ich darüber eh nur an einem Ort schreiben, wo es wirklich nur ganz wenige Leute lesen, da meine eigenen Meinungen konstant im Fluss sind. Vielen Leuten in meiner Umgebung bin ich zu linksradikal, einigen Linksradikalen wiederum zu liberal, glaub ich...
Von daher - könnte sein, dass ich dazu mal was poste, entweder auf Englisch oder auf Deutsch. Kann aber auch sein, dass ich es bleiben lasse, ich verspreche nichts. :)
Jundurg
Nach dem Abschluss meines Kompositionsstudiums im Juni fiel erstmal ein Gewicht von mir ab. Ein Abschnitt meines Lebens abgeschlossen, das Komponieren "für die Uni" hat ein Ende. Das hatte es zwar vorher schon, aber dann eben offiziell.
Meine Einstellung zu Musik änderte sich den Umständen entsprechend: Seit Beginn der Pandemie bin ich fast nie alleine zuhause - stundenlang laut Musik hören, gehört der Vergangenheit an, und wenn ich doch Musik höre, dann ist es eine andere, als ich sonst hören würde.
Ich habe das Hören großteils verlegt auf die Zeit, in der ich außer Haus bin; der tägliche Spaziergang an der immergleichen Straße entlang (ausgewählt, weil sie tendentiell noch die ruhigste Strecke bietet, aber auch dort lärmt es teilweise sehr), mit Kopfhörern - den billigsten, die ich kriegen konnte, denn letzten Frühling stand ich finanziell etwas mehr unter Druck.
Soundqualität also - kann ich unter diesen Umständen vergessen. Leise Musik - funktioniert nicht. Und zuhause gibt's erstmal Computerspielmusik, oder Mozart, Schubert, ... nach einer Weile Wiener Klassik war für mich selbst Dvorak zu stressig. Das Ding ist, während einer Pandemie zusammenleben heißt für mich, meinen Gefühlshaushalt stets im Auge zu behalten. Am wichtigsten sind daher die Projekte, die viel Zeit beanspruchen, am besten Programmieren.
Seit Anfang des Jahres tu ich mir auch da schwer, denn meine Sehnenscheidenentzündung hatte sich wieder einmal verschlimmert, und ist auch jetzt noch ein Dauerfaktor. Ich habe wochenlang nicht Klavier gespielt, und konnte auch eine zeitlang nicht tippen. Nächste Woche muss ich mit meiner maroden Hand dann noch zwei schriftliche Prüfungen schreiben...
Aber der Druck, der von mir fiel, kehrt doch auch immer wieder zurück. Mein elf Jahre jüngeres Ex-Ich macht sich bemerkbar, seine großen Pläne geistern in meinem Kopf herum. Ich mache mir Vorwürfe, nicht mehr geleistet zu haben - "meine besten Kompositionen schrieb ich mit 20/21, danach kamen immer nur weitere Sackgassen, .. oder Ausreden" geht mir durch den Kopf.
Ich wurde zur Komponist*in erzogen. Ich trenne mich von dem Gedanken, dass ich eben Komponist*in bin, dieser Essentialismus gehört für mich allmählich der Vergangenheit an. Ich bin nicht, ich mache mich, es ist ein ständiger Akt. "Ich bin, was ich tue" hat leider auch seine toxischen Seiten, denn es wird selbstzerstörerisch, wenn ich aufgrund von exekutiver Disfunktion wieder einmal gar nichts fertigbringe. Als ob ich zu sein aufhören müsste.
Ich habe - eine Weile schon - das Gefühl, als Komponist*in nichts mehr zu sagen zu haben. Das Sagen ist selbst natürlich ein Konzept, das von außen kommt. Nachdem ich 2013 kompositorisch in meinem "eigentlichen" Stil nicht mehr weiterkam, habe ich mich aufs Forschen verlegt; das Einzige, was ich danach noch darin geschrieben habe, sind abstrakte Klavierstücke, mit denen ich manchmal nicht einmal selbst etwas anfangen kann. In meiner Diplomarbeit habe ich ebenfalls versucht, zu erforschen, wie geht Einvierteltakt war meine Frage, und ich glaube, darauf sogar Antworten gefunden zu haben - nur was tun mit ihnen?
Letztes Jahr hatte ich eine zeitlang mit dem Gedanken gespielt, ein zweites Streichquartett zu schreiben. Da tauchen natürlich einige Probleme auf: 1. gehe ich davon aus, dass es nicht aufgeführt werden wird. (Zumal ich auf meinen 2 Celli in der Besetzung bestehe), 2. ist die Situation zuhause einfach nicht dafür geeignet, langfristig ein "hochgeistiges" Projekt zu verfolgen. Dafür müsste ich viele Stunden experimentieren, die Zeit aus den Augen verlieren können - das ist nicht kompatibel mit einem Leben, in dem ich dafür verantwortlich bin, dass zu Mittag Essen auf dem Tisch steht, dass ich einen den Takt des gemeinsamen Lebens vorgebe (von uns beiden zuhause habe ich das funktionierende Zeitgefühl).
Aber vielleicht sind das alles Ausreden. Vielleicht ist die Wahrheit ganz banal: Die Ideen, die ich hatte, waren nicht ergiebig. Ich habe nicht die Geduld, einer Idee nachzugehen, die mich nicht packt. Und mich packt so schnell keine musikalische Idee mehr, ich hab zu viel gehört, zu viele Richtungen schon probiert. Das klingt jetzt alles sehr depressiv - natürlich spielt psychische Gesundheit auch hinein - aber letztlich ist es allem dem geschuldet, dass ich praktisch denken will. Die Bedürfnispyramide ist umgefallen, es ist jetzt eine andere Seite unten. Ich lebe nicht mehr für die Kunst, sondern maximal neben der Kunst. Das tut mir in erster Linie aber gut.
Meine Transition ist ein Weg des ständigen Mich-neu-Erfindens. Also ist es immer möglich, eine andere Richtung einzuschlagen, selbst mein(e) Name(n) steht nicht fest, auch wenn ich sie kürzlich offiziell habe eintragen lassen.
Aber jede Identität existiert nur im Gegenüber mit anderen Menschen, und es ist ein eigenartiger Fakt meines Lebens, dass ich unter meinen näheren Freund*innen praktisch keine Musiker*innen habe. Die Musik ist zwangsläufig damit etwas, das ich alleine praktiziere. Oder alleine höre, denn niemand um mich herum hört Musik in einer ähnlichen Weise wie ich.
Zu Jahreswechsel hab ich "xenharmonische" Musik entdeckt; Mikrotonalität interessiert mich schon eine geraume Weile. (Um sie hören zu lernen, habe ich mein Gehörbildungsspiel AuralQuest programmiert.) Ich vermute, dass mein einzig praktikabler Weg, damit zu experimentieren, wieder General MIDI Standard sein wird, mit einem Notenschreibprogramm, das nicht darauf ausgelegt ist. Anstrengend also. Aber ich traue mich nicht, damit anzufangen, denn ich versuche nach wie vor, meine Hände möglichst wenig zu belasten. (Reines Tippen ist einigermaßen möglich, aber mit der Maus arbeiten riskiert Schmerzen) Mein Körper schränkt mich ein...
Nun denn. Dieses Üpdäätle hat keinen sehr positiven Ton. Tatsächlich hatte ich einige dieser Gedanken während depressiver Tage. Aber mir geht es aktuell nicht schlecht. Ich glaube einfach, dass ich mich von meinen hohen Ansprüchen lösen muss, von den ganzen toxischen Gedanken über Kunst und Künstler*innen, die für ihre Kunst leiden müssen, und so weiter. Wie gesagt, ich wurde zur Komponist*in erzogen, von klein auf, seit ich mich erinnern kann. Aber ich kann auch auf all das, was ich geschrieben habe, zurückblicken und sagen: Hey, ist doch einiges. Der Anspruch, etwas Weltbewegendes zu schreiben, oder auch nur etwas, das von einer etwas größeren Zahl an Personen gerne gehört wird - das scheint mir ein schales Ziel, das nur zu Frust führt. Und davon möchte ich mich eben lösen.
Jetzt hab ich nur über Musik geschrieben, dabei hab ich doch so viele Ambitionen in anderen Feldern, die mir genauso unnötigen Druck machen. Dass ich etwas schreibe, mit dem ich selbst zufrieden bin, scheint auch nicht wirklich drin zu sein. Und Politik ... ist mir so wichtig, und gleichzeitig merke ich auch hier, dass ich nicht dafür gemacht bin. Philosophie? Pffft. Es hat mir Spaß gemacht, über Atheismus zu schreiben, aber momentan würde ich hauptsächlich über Atheisten schreiben wollen, und über das Versagen dieser Szene, eine positive Kraft in der Welt zu sein.
Ja, ein Teil von mir hungert geradezu nach Philosophie und Kunst. Aber welche? Ich weiß es nicht. Ich kann nicht mehr daran herangehen wie in meinen frühen Zwanzigern, einfach mal ein dutzend Räder neu erfinden... nicht nur weil ich älter geworden bin, sondern auch weil sich das Internet verändert hat; überall gibt es Content, so viel davon; statt selbst nachzudenken, kann ich "Mereologie" googeln und feststellen, dass ich gar keine Lust habe, mich stundenlang einzulesen in ein Gebiet, über das ich zuvor fröhlich fabuliert habe.
Meine Güte, klingt das alles jetzt nach einer Krise.^^ Dabei ist es mehr ein bestimmter Punkt einer Entwicklung, die sich schon über Jahre vollzieht, und die mich großteils zu einem besseren Menschen gemacht hat; ruhiger, und geerdeter.
Dann sollte ich positiv anmerken, dass es ein kreatives Feld gibt, in dem ich derzeit zufrieden mit mir bin, und das sind Spiele. Ich bin extrem froh darüber, dass ich AuralQuest fertiggestellt habe, noch dazu in einer recht kurzen Zeit. Ein Brettspiel habe ich über Weihnachten auch gebaut; und aktuell arbeite ich - recht unregelmäßig - an einem Echtzeitstrategiespiel. Das hakt an vielen Stellen, vielleicht wird dieses Projekt auch nichts; einerlei, ich bin glücklich, etwas schaffen zu können, das gespielt wird.
Wenn ich wieder mehr komponiere, will ich es anders angehen, als bisher. Ich kann mein frustriertes Herumsuchen gerade nicht leiden, ich will spielen!