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Donnerstag, 8. November 2018

LGBTQIA+ Begriffsdschungel - Teil 3: Und der ganze Rest

Im dritten und abschließenden Teil meiner LGBTQIA-Dschungeldurchquerung habe ich neben Ergänzungen zum Bisherigen eine Reihe von "Randthemen" gesammelt - also Themen, bei denen es bestimmte Überschneidungen mit queeren Themen gibt und die oft zusätzliche Komplexitäten hinzufügen.

Bei den meisten davon bin ich keine Expert*in, und habe deswegen auch nur an der Oberfläche gekratzt. Mir geht es eher darum, das Bild abzurunden und zu erwähnen, was ich bei den anderen Teilen ausgespart hatte.

Wie ich auch bei den ersten Teilen in den letzten Wochen/Monaten immer wieder kleine nachträgliche Korrekturen gemacht habe, werde ich das vielleicht auch hier so halten - generell gilt für diesen Teil 3 aber am meisten: Ich hab nur zusammengeschrieben, was ich kenne, und teilweise kaum recherchiert oder nur aus bestimmten Perspektiven - oder es ist sogar einfach meine eigene. ;-) Für Hinweise, wenn ich wo total danebenliege, oder wenn ich noch etwas ergänzen könnte, bin ich dankbar.

~ ẞ ~


Inhalt von Teil 3:

A - LGBTQIA+ und der Rest der Welt
B - Sexismen und Normvorstellungen
C - Polyamorie und alternative Beziehungsformen
D - BDSM
E - Otherkin
F - Multiplizität und DIS

Teil 3: Und der ganze Rest

(Content Note: Diskriminierungen, Sexismen, Gewalt, Trauma)


A. LGTBTQIA+ und der Rest der Welt


* ally (Verbündete)

Allen queeren Identitäten ist gemeinsam, dass sie in der Bevölkerung Minderheiten sind, und daher auf die Unterstützung der Mehrheitsgesellschaft angewiesen sind. Nichtsdestotrotz sind viele erst einmal skeptisch, wenn sich eine nicht-queere Person selbst als "Ally" deklariert - diese Skepsis rührt aus vielen schlechten Erfahrungen.

Zum Beispiel so etwas:
"Wenn ihr so aggressiv seid, braucht ihr euch nicht wundern, dass ihr keine Allies habt" - das kriegen wir so oder in ähnlicher Form öfter mal zu hören. Allerdings - wer nur zu Menschen einer Minderheit hält, wenn diese immer nett zu einem sind, braucht sich eigentlich nicht Ally nennen; dazu gehört auch das Verständnis, dass es wunde Punkte gibt, und dass Menschen, die verletzt werden, eben auch emotional reagieren können.

Die oberste Regel sollte sein, Menschen zuzuhören, wenn sie über ihre Erfahrungen mit Diskriminierung sprechen - sie wissen es normalerweise besser!

Nichstdestotrotz ist es wichtig, dass manche queere Räume auch Allies offenstehen - vor allem auch unter dem Gesichtspunkt, dass viele Leute, die sich ihrer Orientierung oder ihres Geschlechts noch nicht richtig bewusst sind, zu Communities Kontakt suchen, und sich zu Anfang erst einmal als Ally deklarieren.

* QUILTBAG

Eine Variante, um sich die Buchstaben in LGBTQIA+ besser merken zu können. Das "U" steht dabei für "undecided".

* angeboren, unveränderlich?

An der Frage, ob Geschlechtsidentitäten und Orientierungen angeboren sind, hängt oft viel, da es ein wichtiges Argument ist, dass von LGBTQIA-Aktivist*innen vorgebracht wird, um für ihre Menschenrechte zu kämpfen. Es ist heikel, das in Frage zu stellen.

Wenn schon nicht angeboren per se, sind doch Orientierung und Geschlecht für die meisten Menschen über ihr ganzes Leben sehr stabil; bei manchen etwas weniger als bei anderen. Ich will aber darauf hinweisen, dass, nur weil etwas veränderlich ist, das noch nicht heißt, dass die Art oder Richtung dieser Veränderung kontrolliert werden kann; und schon gar nicht, dass irgendjemand dazu gezwungen werden darf, es zu versuchen.

Manche Menschen fragen sich ihr Leben lang, ob ein erlebtes Trauma ihre Orientierung oder Geschlechtsidentität beeinflusst hat - das kann recht quälend sein. Aber selbst wenn es eine Vorgeschichte gibt, ist die Identität, so wie sie zum gegenwärtigen Zeitpunkt nunmal ist, nicht weniger valide.

* Psychische Schwierigkeiten

Menschen aus dem LGBTQIA-Spektrum wird sehr oft an den Kopf geworfen, dass sie doch irgendwie gestört oder geisteskrank wären. Aus dieser Perspektive kann es verunsichernd wirken, mit Statistiken konfrontiert zu werden, wie es mit psychischer Gesundheit von LGBTQIA-Personen so steht - nämlich oft nicht gut. Das liegt aber in den meisten Fällen klar daran, dass es zu enorm viel Belastungen führt, in einer Gesellschaft zu leben, die uns nicht akzeptiert, wie wir sind. Gerade bei trans Personen gibt es auch schon Studien, die belegen, dass die Rate an psychischen Krankheiten deutlich geringer ist, wenn sie schlicht in einem Umfeld leben können, das ihnen nicht feindlich gesinnt ist. Für Kinder, die in einer Familie aufwachsen, die ihre Identität nicht akzeptiert, bedeutet das aber leider oft ein lebenslanges Trauma.

* Pathologisierung

Einer der ersten Schritte, gegen eine Gruppe von Menschen vorzugehen, ist, sie als krankhaft darzustellen. Das ist in der Geschichte von Medizin und Psychologie (bis in die Gegenwart) aber ein allgegenwärtiges Phänomen, so sehr, dass es uns manchmal nicht einmal bewusst ist, dass es passiert.

Bis zum ICD-10 im Jahr 1992 war Homosexualität von der WHO als eine psychische Störung klassifiziert. Im kommenden ICD-11 wird Transgender-Sein (oder wie es hieß, "Transsexualismus") zwar aus der Liste der psychischen Störungen genommen, dabei aber Genderdysphorie zum Kapitel 'Conditions Related to Sexual Health' gepackt, in dem sich anderen Unterkapitel auch erektile Dysfunktion, Paraphilien, Exhibitionismus und Voyeurismus befinden - diese Nachbarschaft erzeugt jetzt auch nicht wirklich Begeisterung. Zumindest hat aber ein Umdenken begonnen, das den Fokus auf die Dysphorie selbst als diagnostiziertes Problem lenkt, und die Identität selbst nicht mehr pathologisiert.

Intergeschlechtliche Menschen ringen unterdessen darum, dass ihre Körper nicht als Fehlbildungen abgetan werden, wenn sie doch genauso gut oder schlecht funktionieren wie die anderer Menschen auch.

Zugrunde liegt all diesen Phänomenen der Gedanke "krank ist, was nicht der Norm entspricht" und somit die Idee, es gäbe nur genau eine Art von richtigem Körper und richtigem Leben. Hier befinden wir uns bereits in unmittelbarer Nähe zu faschistischem Gedankengut, das diese Idee noch auf "Völker" ausweitet.

* Gay Conversion Therapy

Besonders im religiös-fundamentalistischen Umfeld gibt es auch heute noch die Idee, dass sich eine von der Heteronormativität abweichende sexuelle Orientierung "wegtherapieren" ließe. Solche Versuche waren (bzw. sind) sehr gewaltvoll und entbehren jeder wissenschaftlichen Grundlage.

B. Sexismen und Normvorstellungen


Begriffe die sich auf gesellschaftliche Strukturen beziehen, sind schwer zu definieren, und da ich keine besonderen Kenntnisse von Soziologie, Gender Studies, etc. mitbringe, werden meine Definitionen vermutlich nicht so formuliert sein, wie sie von Expert*innen verstanden werden. Nehmt diese Auflistung also auch nur als einen groben Überblick.

* Heterosexismus

Die (gesellschaftlich verankerte) Vorstellung, dass nur Heterosexualität normal sei, und jede Abweichung davon unnatürlich und fehlerhaft.

Es geht dabei nicht nur um persönliche vorurteile, sondern auch um gesamtgesellschaftliche Normvorstellungen, die sich z.B. in diskriminierenden Gesetzen niederschlagen, fehlendem gesetzlichen Schutz vor Ungleichbehandlung und auch stillschweigendem Ignorieren von Ausgrenzung, die in Bereichen passiert, die nicht gesetzlich geregelt werden können.

* Monosexismus

Die (gesellschaftlich verankerte) Vorstellung, dass es natürlich und richtig für Menschen ist, sich zu nur einem Geschlecht hingezogen zu fühlen, d.h. entweder heterosexuell oder homosexuell zu sein. Monosexismus ist eine Grundlage für Diskriminierung von Bi*sexuellen.

* Cissexismus

Die (gesellschaftlich verankerte) Vorstellung, dass es natürlich und richtig für Menschen ist, eine Geschlechtsidentität zu haben, die genau derjenigen entspricht, die sie bei der Geburt zugewiesen bekommen. "cissexistisch" ist mehr oder weniger synonym zu "transfeindlich".

Viele Spielarten von cissexistischen Denkens enthalten die Idee, dass es so etwas wie eine Geschlechtsidentität gar nicht gibt, oder dass diese zu 100% biologisch festgeschrieben ist (hier wird allerdings auch auf vereinfachte bzw. veraltete Biologie verwiesen). Eine häufige cissexistische Aussage ist auch "Es gibt nur zwei Geschlechter, und diese sind biologisch fest vorgegeben!".

Auch trans Personen sind davon nicht gefeit - schließlich wachsen wir in einer Gesellschaft auf, die von Cissexismus tief durchtränkt ist. Wenn trans Personen überhaupt in Büchern, Filmen, etc. vorkommen, dann oft als lächerliche Witzfiguren oder als eingestreuter Gag. Wenn es überhaupt zu einer Erwähnung kommt.

* Exorsexismus

Exorsexismus - abgeleitet vom logischen Gatter XOR, also "das eine oder das andere, aber nicht beides" - bezeichnet Feindseligkeit gegenüber nichtbinären Personen. Meistens wird Exorsexismus mit Cissexismus gleich "mitgeliefert", allerdings gibt es auch binäre trans Personen, die nichtbinäre Identitäten für ungültig halten und nichtbinäre Personen aus trans Gruppen ausschließen wollen.

Das wohl verbreitetste Beispiel für üble Hassrede gegen nichtbinäre Personen sind "Witze" der Form von "Ich identifiziere mich als [X]", wobei für [X] etwas möglichst abwegiges eingesetzt wird, um nichtbinäre Identitäten als lächerlich darzustellen.

* Bi-Erasure

Bi*sexuelle werden medial oft weggelassen, versteckt oder wegerklärt. In vielen Köpfen geistert die Idee, dass es Bi*sexuelle eigentlich gar nicht gibt, bzw. dass eine Person lügt, die sich so bezeichnet, wenn sie z.B. in ihrem Leben nur Beziehungen mit Menschen eines Geschlechts hatte.

Bei nachträglichen Zuschreibungen, etwa verstorbenen Prominenten, wird oft bewusst oder unbewusst ignoriert, dass eine Person bi*sexuell war, und sie stattdessen in eine heterosexuelle oder homosexuelle Schublade gesteckt.

* Allosexismus

Die (gesellschaftlich verankerte) Vorstellung, dass es natürlich und richtig für Menschen ist, sich sexuell zu anderen hingezogen zu fühlen, und dass sexuelle Anziehung für ein gelungenes (Erwachsenen-)Leben notwendig ist.

"allosexistisch" sehe ich als synonym zu "ace-feindlich" bzw. "asexuellenfeindlich".

* Amatonormativität (amatonormativity)

Die Vorstellung, dass alle Menschen romantische Beziehungen eingehen wollen oder sollen; dazu gehören auch Ideen wie, dass es zu einem guten Leben dazugehört, mit einer Partner*in zusammenzuziehen, gemeinsam Kinder (und Enkelkinder) zu bekommen, dass Freundschaften niemals romantische Beziehungen ersetzen können, dass Freundschaften weniger wert seien als Liebesbeziehungen, dass sich das Leben um die Partner*in zu drehen hat, und alles andere zweitrangig ist.

C. Polyamorie und alternative Beziehungsformen


Dieses Thema ist sehr komplex, daher versuche ich hier nur, einige Grundbegriffe aufzuzählen - Leser*innen mögen sich für tiefergehendes Einlesen bessere Quellen suchen als meinen Blog.

* Polyamorie

Viele verschiedene Arten, konsensuell mehr als eine (meist als sexuell und/oder romantisch verstandene) Beziehung zu führen, lassen sich unter dem Überbegriff Polyamorie versammeln.

Das entscheidende Merkmal der Polyamorie ist, dass sie konsensuell ist, d.h. dass die Partner*innen sich darüber im Klaren sind, dass es sich um polyamore Beziehungsformen handelt. "Fremdgehen" ist daher nicht polyamor.
 Es kann in polyamoren Beziehungen sehr klar vereinbarte Regeln geben - oder auch die Vereinbarung, möglichst wenige feste Regeln zu haben - und alles dazwischen.

Es gibt unterschiedliche Ansichten dazu, ob Polyamorie für sich genommen "queer" ist. Es gibt natürlich viele cisgender+heterosexuelle+allosexuelle Menschen, die polyamorös leben - und es ist auch nicht abzustreiten, dass auch gegenüber den meisten Formen von Polyamorie große gesellschaftliche Vorurteile bestehen, sowie wenig oder kein rechtlicher Schutz. Klar ist also, dass gegen polyamorös lebende Menschen diskriminiert wird - allerdings ist "queer" historisch ein Schimpfwort, dass sich gegen LGBTQIA-Menschen gerichtet hat, und von diesen heute reclaimt wird.

Auch im Sinne der sprachlichen Praktikabilität ("queer" als schnelles Synonym zu "LGBTQIA+") werde ich Polyamorie nicht als queer bezeichnen. Wenn über gemeinsame Diskriminierungserfahrungen geredet wird, kann dies auch über ein Kürzel wie "queer/poly" gemacht werden.

> Link: Den Comic KimchiCuddles finde ich persönlich einen möglichen guten Einstieg ins Thema.

* Metamour

Eine Partner*in einer Partner*in.

* Mitfreude (compersion)

Während Eifersucht oft für polyamor lebende Menschen ein schwer zu bewältigendes Problem darstellt, gibt es auch deren Gegenteil, die Mitfreude - also eine Freude darüber, dass eine Partner*in eine neue Beziehung mit jemand anderem beginnt oder genießt.

* Triade

Eine Beziehung zwischen drei Personen, die zusammen ein (geschlossenes) Dreieck bilden.

* Polykül (polycule)

Durch polyamore Beziehungen können sich komplizierte soziale Strukturen ergeben, die, wenn sie als Beziehungsdiagramm aufgezeichnet werden, an Moleküle erinnern. In einem großen Polykül kann eine Person die Partner*in der Partner*in der Partner*in ... usw. sein.

* polyfidel, Polyfidelität

Eine Beziehungsform, bei der die Beteiligten ohne Absprache keine weiteren Beziehungen beginnen (ähnlich wie in einer monogamen Ehe) aber es eben mehr als zwei Personen sind, ist polyfidel. Das hat z.B. den Vorteil, gegen sexuell übertragbare Krankheiten geschützter zu sein, weil es ein geschlossenes System ist.

* Relationship Anarchism (Beziehungsanarchie)

Die Idee, dass jede Beziehung zwischen Menschen individuell ist und für sich selbst betrachtet werden sollte; d.h. dass Unterscheidungen zwischen Liebesbeziehungen, sexuellen Beziehungen, usw. zu grob sind, oder deren Regeln zu eng gefasst.

D. BDSM


BDSM ist ein Mehrfachakronym, bei dem jeweils zwei benachbarte Buchstaben zusammen gelesen werden können, und zwar BD als "Bondage und Disziplin", DS als "dominant-submissiv" und SM als "Sadismus und Masochismus". Zwischen BDSM und queeren Communities gibt es Überschneidungen, aber auch hier gilt, dass nicht jede Person, die BDSM praktiziert, queer sein muss.

BDSM ist ein sehr weites Feld, das nicht unbedingt mit Sexualität zu tun haben muss, sondern auch beispielsweise um Erfahrungen von Abhängigsein, Sich-jemandem-voll-Anvertrauen, oder umgekehrt Kontrolle auszuleben.

* safeword

In der BDSM-Szene wird sehr viel Wert auf Konsensualität gelegt, vielleicht sogar mehr als irgendwo sonst. Meist wird dafür ein Safeword vereinbart - ein Wort, das ein unbedingtes Signal dafür ist, dass eine Handlung abgebrochen werden muss.

* Kink

Ein Kink ist eine sexuelle Vorliebe, die als außergewöhnlich angesehen wird.

* Fetisch

Ein Fetisch ist eine sexuelle Vorliebe, die für eine Person so wichtig ist, dass sie ohne diesen Fetisch keine oder fast keine sexuelle Erfüllung erlebt.

E. Otherkin


Otherkin ist eine (Selbst-)Bezeichnung für Personen, die sich nicht zur Gänze als Mensch identifizieren. Dabei ist ihnen bewusst, dass sie in/mit einem menschlichen Körper leben, es geht eher um ein inneres Wesen oder auch um eine Beschreibung des Charakters. Oft wird das auch spirituell verstanden. Womit sich Personen identifizieren, kann sehr unterschiedlich sein, es müssen keine real existierenden Wesen sein.

Manche trans Personen lehnen otherkin Personen ab, weil sie befürchten, dass Analogien gezogen werden, die benutzt werden können, um Transsein zu invalidieren. Allerdings sind viele otherkin Personen selbst trans, sodass es Überschneidungen zur Geschlechtsidentität gibt.

Es kann unterschieden werden zwischen "identifizieren als" und "identifizieren mit". Ersteres entspricht eher der Erfahrung von trans Menschen (sie sind ihr Geschlecht, stellen das fest und teilen es anderen mit), letzteres vielleicht eher otherkin Personen.

> Link: Mein Halbwissen zu diesem Thema stammt zu einem Großteil von einer Podcast-Episode "Sharks have no concept of gender", in der sich trans und (sekuläre) otherkin Personen miteinander unterhalten. Grundtenor ist, dass es prinzipiell harmlos ist, und es daher keinen Grund gibt, anderen ihre Identifikation mit etwas abzusprechen.


F. Multiplizität und Dissoziative Identitätsstörung


(Content Note: Trauma, Gewalt)

Hierauf werde ich nur kurz eingehen, weil es ein sehr heikles Thema ist, und ich auf keinen Fall für Betroffene von DIS sprechen möchte. Der Grund, warum ich es überhaupt erwähne, ist, dass es bei Multiplizität - also mehrere getrennte Personen/Persönlichkeiten/Alters in einem Körper - öfter auch dazu kommen kann, dass die einzelnen davon unterschiedliche Geschlechter oder Orientierungen haben können, wodurch Menschen einen noch einmal anderen Bezug zum LGBTQIA-Spektrum haben können, den ich bisher eben nicht angesprochen hatte.

Dissoziative Identitätsstörungen (DIS) sind - soweit ich weiß - nach derzeitigem Konsens ein Ergebnis von schwerer Traumatisierung. Dementsprechend ist es sehr wichtig, nicht einfach fröhlich dahinzuphilosophieren, sondern zu beachten, dass es für Betroffene ein unangenehmes Thema ist, und eine Diskussion potentiell triggernd sein kann. Deswegen habe ich den Abschnitt (und den Post) mit Inhaltswarnungen zu Trauma und Gewalt versehen, auch wenn ich nicht explizit darüber spreche.

Das Bild von den "bösen Alter-Egos" ist leider immer noch medial omnipräsent, wenn es um Multiplizität geht. Im Gegenteil haben Alters (d.h. die weiteren Persönlichkeiten) oft den Zweck, vor den traumatisierenden Erfahrungen zu schützen, indem diese Erfahrungen eben vom Rest getrennt werden.

> Link: Mein Halbwissen zum Thema DIS stammt hauptsächlich von einem Youtube-Kanal einer Betroffenen, den ich hier verlinke: MultiplicityAndMe - Natürlich ist das nur eine Perspektive, und es gibt noch sehr viele andere. Genauso wie auch für alle Personen aus dem LGBTQIA-Spektrum bewerte ich die Erfahrungen von Betroffenen insgesamt höher als die der "Expert*innen" (etwa aus der Psychiatrie) - aber natürlich kann niemals eine Einzelperson für die anderen sprechen.

* System

Für die Gesamtheit der Persönlichkeiten in einem Körper wird oft der Begriff "System" verwendet, also etwa formuliert "Wir sind ein multiples System" oder "Ich bin Teil dieses Systems". Manchmal geben sich Systeme selbst noch einen eigenen Namen, um von den einzelnen Alters abzugrenzen - meist gibt es aber eine Persönlichkeit, welche die "ursprüngliche" ist, und den Namen für das System stellt.

* Singlet

Bezeichnung für eine nichtmultiple Person, also für jemand, der*die "alleine im Kopf" ist.

* Median, Median-System

Wie fast überall gibt es auch bei Multiplizität (das an sich schon ein riesiges Spektrum sehr unterschiedlicher Erfahrungen ist) Grauzonen - eine Bezeichnung für etwas zwischen Singlets und multiplen Systemen ist "Median-System".

Ich weiß von keiner Forschung, die einen Zusammenhang zwischen Median-Systemen und Genderfluidität zum Thema hätte - und vermutlich gibt es Leute, die meine Vermutung, dass es hier einen Zusammenhang geben könnte, problematisch finden. Dennoch wollte ich das kurz ansprechen - es gibt allerdings ohnehin zu Median-Systemen noch kaum Information zu finden, und es ist kein psychologischer Fachbegriff, sondern ist nur in einigen Communities von Menschen auf dem multiplen Spektrum verbreitet.

* Tulpas, Soulbonds, "healthy multiplicity"

"Healthy Multiplicity" bezeichnet den Ansatz, Multiplizität nicht als etwas Negatives zu sehen, sondern als etwas Positives oder manchmal sogar Erstrebenswertes. Dieser Begriff ist auch wieder sehr heikel, da viele Betroffene von DIS es (verständlicherweise) sehr negativ aufnehmen, wenn etwas, unter dem sie ihr Leben lang leiden, von anderen als erstrebenswert dargestellt wird.

Aus der tibetischen Mythologie ist der Begriff "Tulpa" entlehnt, der Anfang der 2010er-Jahre im Internet als Bezeichnung für bewusst geschaffene weitere Persönlichkeiten eine weitere Bedeutung angenommen hat.

"Soulbond" ist ein damit eng verwandter Begriff, der sich eher auf literarische Figuren bezieht, die im Kopf von Schriftsteller*innen allmählich ein Eigenleben entwickeln, und eine eigene Perspektive auf die Welt, mit der sich dann die Rolle, die sie als Soulbonds einnehmen, stark von der unterscheiden kann von der, die sie in der Fiktion, der sie entstammen, hatten.

Sowohl Tulpas als auch Soulbonds können natürlich prinzipiell jedes Geschlecht, jede Orientierung (und auch natürlich nicht notwendigerweise menschlich) sein. Ob es dadurch möglich ist, durch deren Einfluss allmählich eine veränderte Geschlechtsidentität oder Orientierung zu haben, ist natürlich auch wieder umstritten und heikel (da es unter Umständen als Legitimation von "Gay-Conversion-Therapy" gelesen werden könnte, oder als Invalidisierung der Identität von LGBTQIA-Personen).

Meinem Eindruck nach (die ich mich vor einigen Jahren etwas mehr damit beschäftigt habe) sind in Tulpa/Soulbond-Communities trans Personen etwas überrepräsentiert, allerdings ist dort die Frage, was Trans-Sein für ein System bedeutet, oft unklarer. Etwa, was es z.B. für eine cis Person bedeutet, sich über viele Jahrzehnte den Kopf mit einer recht selbstständigen Person eines anderen Geschlechts zu teilen - und ob dann der Begriff "bigender" dafür passend ist.


~ ẞ ~


Ich ziehe hier vorerst einen Schlussstrich.

Es lassen sich noch viele Themen aufzählen, die ich ausgelassen habe: Rassismus bzw. Erfahrungen von People of Color, Erfahrungen von autistischen Menschen, gehörlosen Menschen, von Menschen mit Behinderungen, mit Migrationshintergrund, in Armut, ...

Es gibt eine Unzahl von Überschneidungen, und die Erfahrungen, die Menschen machen, die in mehr als einer Hinsicht nicht der Norm entsprechen (oder der Mehrheitsgesellschaft), können sich drastisch von denen unterscheiden, die "nur" queer sind. Und die meisten Communities orientieren sich auch innerhalb einer Minderheit wieder an der Mehrheit. Das gilt auch für meinen Blog hier, der sich nur an Leute richtet, die mit meiner Art zu schreiben klarkommen. Und ich wüsste ehrlich gesagt nicht, ob Vorleseprogramme für blinde Menschen z.B. hier funktionieren. Oder was sie aus den ganzen scharfen ẞ machen, die ich als ästhetische Trennzeichen einstreue...

Ich denke, es ist meinen Posts anzumerken, dass ich von manchen Themen deutlich weniger Ahnung habe - daher hier nochmal der Hinweis, dass ich gerne noch etwas mehr einbauen kann oder Korrekturen machen, wenn jemand da Bedarf sieht. :-)

~ Jundurg Delphimė

Montag, 22. Oktober 2018

Üpdäätle -44-

CN: Weltpolitik, Faschismus

~ ẞ ~

Mittlerweile hat das Semester wieder begonnen. Ich schreibe hier im Blog relativ wenig, was eher daran liegt, dass ich zuviel vor habe dafür als zuwenig. Es ist manchmal schwer, salopp ein Update zu geben, weil es so viele Dinge gibt, die gleichzeitig passieren - so, wie ich es früher oft gemacht habe, dass ich darüber schreibe, was ich so für Musik höre oder was ich an Kreativprojekten laufen habe, war zwar eine Möglichkeit, schränkt mich aber manchmal ein.

Denn was jetzt im Moment viel Platz in meinen Gedanken beansprucht, sind aktuelle politische Entwicklungen, die mir Angst machen. Darüber kann ich aber schlecht einen kurzen Einwurf verfassen. Die Angelobung von Kavanaugh in den Supreme Court der USA war bereits eine Katastrophe, die möglicherweise über Jahrzehnte negative Konsequenzen hat. Und dass das Trump-Regime plant, trans Leute direkt wegzudefinieren, also Effektiv einen Freibrief zur Diskriminierung zu erlassen, ist grauenerregend.

Es mag sein, dass ich etwas zu sehr der amerikanischen Politik folge, und dabei die hiesige etwas vernachlässige - das liegt vielleicht auch daran, dass es hier kaum besser ist; wir haben Neonazis in der Regierung, und die Leute, die das tolerieren oder halt mitarbeiten, sind effektiv auch nicht besser... also auf die österreichische Politik zu schauen, ist deprimierend und macht mir genauso Angst, aber was in den USA passiert, hat eben weltweite Konsequenzen: Wenn das mit Abstand stärkste Militär der Welt in den Händen von Faschisten ist, sind alle in Gefahr.

Die Hilflosigkeit ist das Schlimmste daran. Ich glaube nicht, dass die Nachwelt das derzeitige System der USA überhaupt noch als Demokratie bezeichnen wird - wenn aktiv daran gearbeitet ist, dass möglichst wenige wählen gehen können, und ein ohnehin schon absurd gewichtetes System immer noch weiter zerstört wird, ist nicht mehr viel da von der Demokratie. Und selbst wenn es alles demokratisch ablaufen würde - wenn Nazis legal gewählt werden, wie werden wir sie los? Bürgerkrieg? Die öffentliche Meinung scheint sie ja nicht mehr zu kümmern - wenn jede Woche ein neuer Skandal kommt, aber nichts sie in ihrer Machtposition erschüttern kann. Gibt es in einer Demokratie überhaupt noch Mittel, die Faschisten wieder loszuwerden?

- ẞ -

All diese Dinge machen es mir im Moment schwer, mich auf meine eigenen Probleme und meinen Alltag zu konzentrieren. Ich habe einen sehr guten Sommer hinter mir, auch einen produktiven, aber jetzt bricht gerade alles wieder ein bisschen zusammen - nicht alles, nein.

Mein Orchesterstück ist weiter gediehen - ich bin bis zu den Schlusstakten durchgekommen, allerdings habe ich einen Abschnitt in der Mitte übersprungen. Den noch fertigzuschreiben wird die Herausforderung der kommenden Wochen/Monate sein - es ist eine recht unangenehme Stelle, wo sehr viel gleichzeitig passiert, und ich musste jetzt erst einmal Extrazeilen einfügen, damit ich die Sache in Griff kriegen kann.

Meine Diplomarbeit hingegen ist nicht weiter gediehen - da muss ich in nächster Zeit einen klaren Plan erstellen, was ich da eigentlich noch machen will, und dann den abarbeiten.

- ẞ -

In meinem Umkreis verwende ich bei etlichen Leuten jetzt Sie-Pronomen und einen anderen (weiblichen) Namen - auf der Uni jedoch nicht, was ein wenig anstrengend ist. Je mehr ich mich an das eine gewöhne, desto mehr wird das andere ein Problem - früher war es mir ziemlich egal, wie mich jemand anspricht, mittlerweile nicht mehr so sehr. Ich zögere noch sehr, aber ich glaube, über kurz oder lang werde ich mich auch an der Uni mit meinem neuen Namen vorstellen - aber nur dort, wo ich auch wirklich mit anderen Menschen interagiere, d.h. wo ich danach gefragt werde. Ich habe nicht soviel Angst davor, aufzufallen - das tu ich sowieso schon, wenn ich einen Rock anhabe - sondern eher Angst davor, nicht zu wissen, wie ich mit einer Situation umgehen soll. D.h. ich glaube, mich zu outen wäre oft eigentlich die unkompliziertere Lösung, und wenn dann jemand irritiert ist oder blöde Fragen stellt, dann ist das nicht mehr so sehr mein Problem, denn ich reagiere dann ja nur auf das, was kommt.

Aber - ich weiß nicht, ob ich das schaffe, und in welchen Situationen es überhaupt relevant wird. In Vorlesungen bringt es nichts, ich habe es ja nie wirklich geschafft, Kontakt zu Studienkolleg*innen aufzunehmen, wenn ich nicht fast schon dazu gezwungen werde.

~ ẞ ~

Musikalisch gibt es wenig neues zu sagen - wohl aber zu hören, zumindest für Leute, die meinen Youtube-Kanal nicht verfolgen. Ich hab den ersten Batzen DeepNight-Klavierstücken hochgeladen, zu finden hier.

Die Musik zu DeepNight ist 2006 entstanden, parallel zu den Kurzgeschichten, aus denen sich dann die Welt entwickelt hat. (Mehr zur Welt Deep Night gibt es ... naja, zum Beispiel hier zu lesen - da linke ich dreist hinein, weil sich das relativ gut für sich stehend lesen lässt.) Bereits die Klavierstücke von damals zeichnen sich durch typische Merkmale aus: Irgendwie nicht so durchgeplant, absichtlich halbfertig gelassen, zuweilen verstörend simpel, leider oft auch pathetisch.

Für das Neuaufgreifen habe ich versucht, diese Eigenschaften nachzubauen (bis auf den Pathos, jedenfalls bis jetzt, der hat mich damals schon eher gestört). Der Ich-Erzähler ist eine Karikatur meines 16-jährigen Ichs, bei der ich meine soziale Inkompetenz und meinen Autismus (der mir damals gerade erst als solcher bewusst geworden war) sowie einige andere Eigenschaften massiv überzeichnet habe. Im Nachhinein denke ich, dass ich auch Depersonalisationssymptome mitbeschrieben habe. Das Gefühl, ein Zombie zu sein, nicht so wirklich da, aber auch nicht wirklich tot, alles durch eine Brille der Abstraktion zu betrachten und kaum etwas je aus der Nähe - kommt in DeepNight in den alten Texten auch immer wieder durch, auch wenn der Hauptfokus der absurde Humor ist.

Aber Witze sind es vielleicht eben nicht nur. Es ist mir sogar einmal passiert, dass ich in einer Kurzgeschichte ein medizinisches Symptom als Witz beschrieben habe, das mir Jahre später dann plötzlich selbst widerfahren ist. Und zwar hatte ich beschrieben, wie dem Ich-Erzähler plötzlich der Blick entgleitet, er sein Gegenüber nicht ansehen kann, weil die Augen immer schon weitergesprungen waren zur nächsten Sache... genau das ist mir vor etwa einem Jahr passiert, als eines Nachts irgendwas auf mein Innenohr gedrückt hatte, sodass mein Gleichgewichtssystem gestört wurde. Um das Gefühl, schief zu stehen, auszugleichen, haben meine Augen begonnen, stets in eine Richtung hin abzurutschen. Das Phänomen hielt anderthalb Tage lang an und wurde phasenweise so schlimm, dass ich selbst im Bett liegend noch das Gefühl hatte, zur Seite wegzukippen. (Daher also der Stücktitel Nystagmus)

Direkt als Beschreibung eines für mich damals wie heute vertrauten Bewusstseinszustandes verstehe ich das Stück I Am Broken, selbst eine Rekonstruktion-Weiterführung eines der Originalstücke von 2006. Das Gefühl, dazusitzen aber keinerlei Motivation für irgendwas mehr zu haben, weil kein Ich mehr da ist, das sie haben könnte - in den langen Generalpausen ist jedesmal die Frage, ob es überhaupt noch weitergehen wird.

Und in Do not name me! geht es dann um die Eigenschaft des Ich-Erzählers, keinen anderen Namen haben zu wollen als "Namenlose Person" oder eben "Ich-Erzähler". In den allerersten Texten hatte der Ich-Erzähler sogar einen Namen, nämlich meinen. Kurz bevor ich den Text dann aber zum Lesen Freunden weitergegeben habe, hab ich das rausgenommen, weil es mir peinlich war, einen Namen zu verwenden, unter dem mich niemand kannte. (Weil es ein Spitzname war, den ich mir selbst als Kind gegeben hatte.) Jahre später kam dann ein Plot dazu, in dem der Erzähler um das Recht kämpfen musste, weiterhin namenlos bleiben zu dürfen. Im Kontext von Transsein lese ich da heute noch einmal eine andere Ebene hinein, die ursprünglich nicht gemeint war, es könnte ja auch heißen Do not deadname me! - aber wie gesagt ist das eine neue Interpretation.

Dennoch - DeepNight hat unter meinen Welten die Sonderposition, immer gleichzeitig auch ein Spiegel meiner psychischen Gesundheit zu sein. Die Bewohner*innen der Welt sind teilweise sich ihrer eigenen Fiktionalität bewusst, und manche gerade deswegen auf einer anderen Ebene angesiedelt, beinahe gleichwertig mit mir selbst, als personifizierte Anteile bzw. Akteure einer Selbsttherapie. Der Ich-Erzähler repräsentiert aber eher eine Position des Sichverweigerns gegenüber der Welt draußen. Mit 16 hatte ich eine sehr negative Haltung gegenüber mir selbst und der Welt, in der ich lebe... heute sehe ich meist nur noch die Welt negativ :-P

~ ẞ ~

Sonntag, 22. April 2018

New Blog, who dis?

Is this a beginning? Or a continuation? When I took down my old blog, I soon realized that I was not the least bit sad about getting an opportunity for a fresh start. It has never been easy for me to leave behind my past. But here I shall introduce myself as I am now.

~ ẞ ~

Ist dies ein Anfang? Oder eine Fortführung? Als ich meinen alten Blog vom Netz nahm, bemerkte ich schnell, dass ich keineswegs traurig war darüber, eine Gelegenheit für einen Neustart bekommen zu haben. Meine Vergangenheit hinter mir zu lassen, fiel mir noch nie leicht. Ich werde mich hier aber vorstellen, wie ich jetzt bin.

~ ẞ ~

Jundurg


That's the name I use online, in most spaces I go. Some people call be by that name offline too. Recently I've added Delphimė as a surname to go along with it.

Bi*


I was always interested in anything LGBTQ* that I could find, and I have known myself not to be really straight from a young age. And yet I did not say a word about myself, because I did not know if I was „queer enough“ to really belong in those communities. It was pure luck on my side that I decided to visit the Austrian pride parade in the exact year when there was a group of bi people there for the first time.
Since then I've learned that my experience in that regard is far from unique – bi people face both being excluded from queer spaces and being alienated in heteronormative spaces. It can sometimes seem like we belong nowhere.
Fortunately, there is now a growing bi* community in Vienna, to which I'm quite happy to contribute in whatever small way I can.

Neurodivergent


I've only recently been diagnosed with ADHD, but I have had problems with executive function(s) from early childhood on, especially in school. I'm also very likely on the autism-spectrum. I do not consider either to be something to be cured – it's just how I am. How to function in a society that is not constructed to accommodate divergence in general is another question.

Non-binary


I've been uncomfortable calling myself a man for most of my adult life, but only in the last few years have I found the necessary vocabulary to describe this discomfort, and it took even longer until I was finally able to acknowledge to myself that I could indeed be transgender. I do not fit the stereotypical narrative of „being in the wrong body“ (most trans people don't, by the way) – it's my body, how could it be the wrong one? – but I also don't feel comfortable if people want to describe me in masculine terms. I am also not a woman – neither of those societal boxes fit me very well, so I remain outside of the gender binary. :-)

At the moment, I use the pronouns he and she interchangable. You may use other pronouns for me – since the german language does not have any established gender-neutral pronoun for non-binary people, I tend to not using a singular they for myself even when writing in english, although I very much support it's use for other people. [Update 2019: I use she pronouns now, and he does feel wrong nowadays, though neo-pronouns are fine.]

Composer


I studied composition at the Universität für Musik und darstellende Kunst in Vienna for about seven years. I will hopefully get my degree this year, but due to executive dysfunction and depression, I am sometimes not able to work towards it for months.

I tend to have opinions about music. One of these is this: Any music that is purely based on sound will become more and more obsolete as soon as computers and artificial intelligence will become better at creating compelling music pieces all by itself. There are plenty of ways to go beyond just creating sound that other people can listen to – I will probably get to that in future posts, as experience tells me that I cannot keep my mouth shut about such things anyway. ;-)

Conworlder


I love creating fiction, and I especially love creating fictional worlds. In my fantasy worlds, I can explore different cultures and their philosophies, how they think about art, and how they think about gender. I can construct languages and think about how they inform the culture around them – and vice versa. Or any other topic that interests me. As a friend of mine put it „The nice thing about worldbuilding is that there is no idea crappy enough that you can't use it at least somewhere.“

In addition to that, the german worldbuilding community feels like a family to me. Sure, like in every family there are a few 'odd uncles' that I don't want to meet. But being surrounded by people who will have a long-winded discussion about even the most absurd topic is something I don't want to miss in my life. :-)

~ ẞ ~

Jundurg


Das ist der Name, den ich online am meisten verwende. Einige Leute nennen mich auch offline so. Vor kurzem habe ich Delphimė als Nachnamen angefügt.

Bi*


Ich habe mich immer für alles was ich aus dem LGBTQ*-Bereich finden konnte, interessiert, und ich wusste schon recht früh von mir, dass ich nicht wirklich hetero bin. Dennoch habe ich nie etwas davon nach außen gezeigt, weil ich mir nicht sicher war, ob ich „queer genug“ sei, um überhaupt einen Platz in queeren Orten zu haben. Aufgrund eines glücklichen Zufalls habe ich mich dann endlich entschieden, die Regenbogenparade in Wien ausgerechnet in dem Jahr zu besuchen, als es dort zum ersten Mal auch eine Fußgruppe von Bi*sexuellen gab.

Seitdem habe ich immer wieder gehört, dass es nicht nur mir so ging. Bi*sexuelle erfahren sowohl Ausgrenzung von queeren Räumen als auch Entfremdung in heteronormativen Räumen, und manchmal scheint es so, als würden wir überhaupt nirgends hingehören.

In Wien gibt es nun aber eine stetig wachsende Bi*-Community, in der ich mich gerne einbringe, so gut ich das halt kann.

Neurodivergent


Ich habe erst vor kurzem eine ADHS-Diagnose bekommen, aber ich hatte schon von meiner frühen Kindheit Probleme aufgrund von exekutiver Dysfunktion. Ich bin zudem höchstwahrscheinlich am Autismus-Spektrum. Nichts davon ist etwas, das „geheilt“ werden sollte – das ist einfach, wie ich bin. Wie es mir gelingt, in einer Gesellschaft zu leben, die nicht darauf hin ausgelegt ist, wie verschieden Menschen sind, ist eine andere Frage.

Nichtbinär


Ich habe mich schon über den Großteil meines Erwachsenenlebens unwohl damit gefühlt, mich als „Mann“ zu bezeichnen. Aber erst in den letzten paar Jahren habe ich die notwendigen Begriffe kennengelernt, um dieses Unwohlsein weiter zu präzisieren, und es hat noch um einiges länger gedauert, bis ich mir eingestehen konnte, dass ich trans sein könnte. Ich passe nicht in das gängige Klischee „im falschen Körper geboren“ (wie die meisten trans Leute übrigens!) - es ist mein Körper, wie sollte er der falsche sein? - aber ich fühle mich auch nicht besonders wohl damit, wenn andere Menschen mich mit männlichen Begriffen beschreiben. Genausowenig bin ich eine Frau. In keine dieser gesellschaftlichen Schubladen passe ich wirklich gut hinein; daher verbleibe ich außerhalb der Geschlechterbinarität. :-)

Im Moment verwende ich die Pronomen er und sie gleichermaßen. Andere Pronomen für mich zu verwenden, ist auch okay – da die deutsche Sprache kein etabliertes geschlechtsneutrales Pronomen (abseits des sächlichen) hat, tendiere ich dazu, auch im Englischen keines zu verwenden, auch wenn ich das Singular-They ansonsten sehr befürworte. [Update 2019: Ich verwende jetzt sie Pronomen, und er fühlt sich mittlerweile falsch an. Neopronomen sind okay.]

Komponist*in


Ich habe sieben Jahre an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien studiert – und bin dort immer noch Student*in, denn mir fehlt noch der Abschluss, den ich hoffentlich dieses Jahr machen werde. Aufgrund von exekutiver Dysfunktion und Depression schaffe ich es leider oft monatelang nicht, darauf hinzuarbeiten.

Über Musik habe ich oft einiges zu sagen. Zum Beispiel: Jede Musik, die einzig und allein darauf basiert, wie sie klingt, wird immer mehr obsolet werden im selben Ausmaß wie Computer und künstliche Intelligenzen immer besser darin werden, selbst überzeugende Musikstücke zu kreieren. Es gibt eine Menge verschiedene Wege, um darüber hinauszugehen, bloß einen Klang zu erzeugen, den jemand anderes anhören kann – darauf werde ich bestimmt in zukünftigen Posts eingehen. Die bisherige Erfahrung zeigt, dass ich zu diesem Thema ohnehin nicht den Mund halten kann. ;-)

Weltenbastler


Ich liebe es, fiktive Welten zu erschaffen. In meinen Fantasywelten kann ich fremde Kulturen und deren Philosophien erforschen, oder wie sie über Kunst denken, oder über Geschlechter. Ich kann Sprachen entwickeln und darüber nachdenken, wie sie mit der Kultur, in der sie gesprochen werden, zusammenhängen. Oder im Prinzip jedes andere Thema. Wie eine Freundin es mal ausgedrückt hat: „Das Schöne am Weltenbasteln ist, dass man jeden Scheiß irgendwo einbauen kann.“

Zudem ist die deutsche Weltenbastler-Community für mich wie eine Familie. Klar, wie in jeder Familie gibt es auch hier ein paar komische Onkel, die ich nicht unbedingt treffen möchte. Aber von Menschen umgeben zu sein, die auch noch über das absurdeste Thema eine ausgedehnte Diskussion führen können, ist etwas, das ich im Leben nicht mehr missen möchte. :-)

~ ẞ ~

Other Things of Some Importance


This is getting long already, but I want the introduction post to be somewhat comprehensive, so here we go:
  • Designing games: Somehow, I haven't finished any of the board games that I started to make in the last ... too many years. I still want to eventually get back to it. In the meantime, I will play other people´s games.
  • Lucid dreaming: I used to be very active in the german lucid dreaming community, but lately, dreams aren't really a main focus of my life anymore. Nevertheless, the possibility to consciously experience being somewhere else than in the real world provides a phenomenal experience that has lots of potential both for creative and self-exploring purposes.
  • Atheism: I grew up catholic, but it was mostly my evangelical christian friends that made it „necessary“ for me to know a lot more about religion than the average european. Because there have been to many prominent atheists who turned out to be assholes in some way or other, I nowadays only really care about the intersection of atheist and social justice activism.
  • Feminism: My perspective here is informed by being bi* and non-binary. Reducing or ending sexism or any kind of privileges based on gender are important topics to me, but I admit that most of my attention goes to the specific areas that concern me the most - or those I think I know better.
  • Mental Health: I have benefitted greatly from people who were open about their mental illnesses, and so I want to give some of that back and talk about mine. There is much harm done in our society by pretending that those are something to be ashamed of.
  • Randomness: In all my creative work, I have a tendency to flirt with random elements – whether it is a random number generator, or a twenty-sided die, or a random page from Wikipedia. However, I do not leave art fully to chance.
  • Dadaism and Surrealism: I owe much to both of these art movements. Within Dadaism, I am very fond of sound poetry. Within Surrealism, I am more interested in methods rather than a particular aesthetic.
  • Teaching: This is what I am currently studying for – philosophy, psychology and computer science. I do not know if it will be possible for me to be an openly genderqueer teacher in Austria, but I won't find out if I do not at least try.
  • Skepticism: I don't care much about some random weird beliefs people may have, but there are a few that I consider dangerous, both for an individual and for society. My prime example is the belief in fate, whether it is thought as a power far beyond human control, or – worse – something that can be controlled by positive thinking, prayer, or various other methods involving magical thinking.
~ ẞ ~

Weiteres von einiger Wichtigkeit


Der Post ist jetzt schon recht lang, aber ich möchte die Vorstellung auch einigermaßen vollständig haben, also:
  • Spiele designen: Irgendwie habe ich es nie geschafft, eines der Brettspielprojekte der letzten Jahre auch abzuschließen, aber irgendwann möchte ich da auch wieder weitermachen. In der Zwischenzeit spiele ich halt Spiele von anderen.
  • Klarträumen: In der deutschen Klartraumcommunity war ich mal sehr aktiv, aber in letzter Zeit sind Träume nicht mehr so ein zentraler Teil meines Lebens. Nichtsdestotrotz bietet die Möglichkeit, sich bewusst als außerhalb der realen Umgebung zu erleben, eine phänomenale Erfahrung mit viel Potential für Kreativ- und Selbstforschungszwecke.
  • Atheismus: Ich wuchs katholisch auf, aber es waren hauptsächlich meine evangelikalen Freund*innen, die es für mich „notwendig“ machten, deutlich mehr über Religion zu wissen als eine durchschnittliche Europäer*in. In den letzten Jahren erwiesen sich zu viele prominente Atheisten in der einen oder anderen Weise als Arschlöcher, daher interessiere ich mich meist nur noch für die Überschneidung von Atheismus mit Social-Justice Aktivismus.
  • Feminismus: Meine Perspektive ist geprägt davon, bi* und nichtbinär zu sein. Sexismus oder jegliche Arten von geschlechtsbezogenen Privilegien abzubauen ist mir wichtig, aber ich gebe zu, dass mein Hauptfokus auf den Bereichen liegt, die mich selbst betreffen, bzw. wo ich mich besser auszukennen glaube.
  • Psychische Gesundheit: Ich habe viel von Leuten profitiert, die offen über ihre psychischen Probleme geschrieben haben, und daher möchte ich etwas davon zurückgeben und auch über meine offen sein. Viel Schaden wird in unserer Gesellschaft durch die Idee zugefügt, dass psychische Krankheiten etwas wären, wofür eines sich schämen müsste.
  • Zufall: In meinen kreativen Arbeiten habe ich eine Tendenz dazu, mit Zufallsmechanismen zu flirten – seien es Zufallszahlengeneratoren, oder zwanzigseitige Würfel, oder die Wikipedia-Funktion „zufällige Seite anzeigen“. Allerdings überlasse ich in der Kunst nichts gänzlich dem Zufall.
  • Dadaismus und Surrealismus: Ich verdanke vieles diesen beiden Künstler*innenbewegungen. Im Dadaismus finde ich vor allem Lautgedichte toll, im Surrealismus sind es eher die Methoden als eine bestimmte Ästhetik.
  • Lehren: Darauf hin studiere ich im Prinzip im Moment – Philosophie, Psychologie und Informatik. Ich weiß nicht, ob es mir möglich sein wird, eine offen genderqueere Lehrperson in Österreich zu sein, aber ich werde es kaum herausfinden, wenn ich es nicht zumindest probiere.
  • Skeptizismus: Wenn Leute nur irgendwelche seltsamen Ansichten haben, ist mir das eher egal, aber es gibt einige Ansichten, die ich für gefährlich halte, und zwar sowohl für Individuen als auch für die Gesellschaft. Mein Paradebeispiel dafür ist der Glaube ans Schicksal – ob es nun als eine Macht jenseits der menschlichen Kontrolle gedacht wird, oder – schlimmer – als eine Macht, die durch positives Denken, Gebet, oder sonstige Methoden die sich aus dem magischen Denken ergeben, beeinflusst werden kann.
~ ẞ ~

A Comment on Comments


While I appreciate discussion in some cases, I do not want to have to moderate this comment section. I've thought about closing it completely, but that does not seem necessary at this point. I've set it so that every comment goes into moderation, so don't be surprised when you cannot see it immediatly after writing.

Just be warned that I will not host comments that I am uncomfortable with, or that could potentially stir up a debate that I don't want to have at this moment. Also I will delete any comments that so much as mention a particular right-wing Canadian professor, whose bigotry and outright lies have done enough damage already. I'll add more people to my list of unwanted persons or topics as time goes on.

~ ẞ ~

Ein Kommentar zu Kommentaren


Während ich in manchen Räumen Diskussionen schätze, möchte ich hier eigentlich nicht moderieren müssen. Ich habe sogar darüber nachgedacht, die Kommentarfunktion komplett zu sperren, aber das scheint mir doch arg unnötig im Moment. Jetzt ist sie so eingestellt, dass jeder Kommentar zunächst von mir freigeschaltet werden muss.

Seid also vorgewarnt: Wenn mir etwas so erscheint, dass es eine Debatte entfachen könnte, die ich im Moment nicht führen möchte, werde ich die Kommentare dazu nicht freigeben. Außerdem werde ich alles löschen, was z.B. einen gewissen politisch rechten Kanadischen Professor erwähnt, dessen Intoleranz und bewusste Lügen schon genügend Schaden angerichtet haben. Ich werde wohl im Lauf der Zeit noch mehr Leute oder Themen meiner imaginären Bannliste hinzufügen.

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Jundurg Delphimė, 2018-04